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Ostholsteiner Anzeiger

23. November 2017 | 08:51 Uhr

2030 aussehen? Ein Szenario

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

shz.de von
erstellt am 16.Okt.2017 | 12:49 Uhr

„Wir haben Malente 1990 verlassen. Nach der Schule wollten wir unbedingt raus aus dem Kleinstadtmief. Sie wissen schon, die große weite Welt. 40 Jahre haben wir dann in Hamburg …“

„Dann kam die Sehnsucht …“, fällt Else ihrem Mann ins Wort, „die Sehnsucht nach Grün, Ruhe und der ganz eigenen Malenter Lebensqualität.“

„Wir haben es erstmal mit einem verlängerten Wellness-Wochenende auf Immenhof ausprobiert. Meine Frau hat ja Pferde so gern. Am Montag sind wir dann noch ins Wellcome-Center gegangen …“

„… Beratung und Betreuung waren wirklich super. Wir hatten gleich das Gefühl, wir sind hier willkommen. Wellness und Gesundheit wird großgeschrieben. Wir gehen regelmäßig ins neue Kneipp Spa Ressort. Sie wissen ja, die fünf Säulen 2.0. Es gibt sogar einen Betreuungsnetzwerk für Jung und Alt. Über Maltente Care finden wir jederzeit Hilfe und Unterstützung im Alltag ...“

„... und als wir dann noch einen Treffer bei der kommunalen Gebäudebörse gelandet hatten, war die Sache geritzt.“

„Wir ziehen nach Malente,…“

Die beiden hörten gar nicht mehr auf zu erzählen. Das ist der kleine Nachteil, wenn man sich für die Anreise nach Malente das Zugticket teilt. Malente Tourismus bietet das an. Damit die Gäste sich schon im Zug kennen lernen, Kosten sparen und auf das Auto verzichten.

Martin arbeitet jetzt nur noch 30 Stunden als Unternehmensberater in einer Bürogemeinschaft im Schloß Egersdorf, Else halbtags im Familienzentrum auf dem Bildungscampus, erzählten ihre Mitfahrer noch.

„Schau mal da!“

Die kleine Emilia zupft aufgeregt Opa am Mantel. David hebt den Kopf. Wolken ziehen auf. Hinter den Schranken erhebt sich eine Grüne Wand. Das muss doch das Intermar sein. Dieser schreckliche graue Klotz am Dieksee.

Jetzt ist er grün. Die gesamte Fassade ist eine lebendige, grüne Wand. Oben auf dem Dach können sie Menschen unter Palmen und Sonnenschirmen erkennen. Auf dem Dach soll es eine Life-Cooking-Station geben mit einer tolle Aussicht über die Holsteinische Schweiz.

Malente hat sich verändert! Wirklich! Aber jetzt zur Unterkunft. Erst wollten sie zum neuen Wohnmobilstellplatz neben der Gremsmühle, dann ins Baumhaus-Hotel , dann hatten sie unter www.WasserStadtTrio.de das Inklusionshotel entdeckt. Schließlich haben sie sich doch für eine nette, moderne Ferienwohnung mit Familienanschluss entschieden.

Vorbei an zwei jungen Mädchen, die anscheinend ihr Wiedersehen in einer innigen Umarmung feiern, drängen sie in das Bahnhofsgebäude.

Hoppla! Das ist doch nicht das triste, verbaute, ungenutzte Bahnhofsgebäude, das sie kannten. Sie gelangen über einen lichtdurchfluteten Anbau in den sanierten und modernisierten Altbau aus dem 19. Jahrhundert. Die Atmosphäre einer Markthalle: Café, das Wellcome-Center, ein kleiner Markt mit regionalen Produkten, eine Ausstellung über den Geist von Malente, Immenhof und die Geschichte von Kurort und Kurpark und die MobiZentrale gleich am Eingang, ihr Ziel.

Am Counter geben sie die Adresse ihrer Ferienwohnung und ihr Nutzerprofil an. Prompt erhalten sie Vorschläge für die Weiterfahrt nach Timmdorf: Leihfahrräder mit Kindersitz, eines der Kleinfahrzeuge mit Anhänger, ein solarbetriebenes Boot oder Car-Sharing. Sie entscheiden sich dafür, mit dem E-Bürgerbus “de Lütte Lenter 3.0“ mitzufahren. MALLE, der selbstfahrende Kleinbus fährt auf vier ausgewählten Strecken, zum Uwe-Seeler-Campus, zum Schul-Campus, zum Immenhof und zum Skulpturenpark in der Wunderwelt Wasser.

Als sie sich umdrehen, fällt Anna ein Plakat mit einer Aquarellzeichnung im Stil der 1960er Jahre auf. „Karl Plomin. Tauchen Sie ein in die goldenen Jahre von Malente. Der erste virtuelle Kurpark in Deutschland …“

„Anna, David, was macht ihr denn hier in Malente?“

Aus der Espressobar winkt ihnen ein Mann um die Dreißig zu.

„Mensch Milan, Du hier in Malente. Ich dachte immer ihr seid eine Großstadtfamilie.“

David und Milan kennen sich vom Freizeit-Kick in Bremen.

„Naja, ich arbeite ja hier in Malente schon länger, in der Entwicklung eines Industrieunternehmens“, fängt Milan umständlich an zu erzählen.

„Erst waren wir von Bremen nach Hamburg gezogen. Von wegen Großstadt, Du weißt ja. Ich bin mit dem Zug zur Arbeit. Aber dann gab es in Malente diese Aktion „Aus Pendlern werden Einwohner“. Ein Netzwerk von Verwaltung, Politik, Unternehmen und Bürgern hat um uns geworben. Es gab moderne, spannende Wohnungen in der Innenstadt. Sie haben Lea eine Stelle bei einem Schreinerbetrieb im interkommunalen Gewerbezentrum in Kreuzfeld besorgt. Die Kinder hatten sofort einen günstigen Kitaplatz. Es gibt einen super Bildungs-Campus, alle Schulen zusammen, modern eingerichtet, vernetzt mit lokalen Unternehmen. Und wenn sie später auf eine weiterführende Schule müssen, sind Eutin und Plön nicht weit. Lea überlegt, auch ihre Eltern nachzuholen. Unsere Wohnanlage ist barrierearm. Die Generationen wohnen direkt nebeneinander, haben aber auch genügend Abstand. Malente ist eigentlich ideal zum Wohnen.“

„Und die Urbanität der Großstadt? … ist doch hier gleich Null.“ Ganz war David noch nicht überzeugt.

„Weißt du, wir haben überlegt. Was ist uns wichtiger. Die Elbphilamonie und das Schanzenviertel oder die Sportstadt Malente mitten in einer wunderschönen Landschaft. Wir haben uns für die Malente entschieden, City of Sports. Ich habe ja schon mehrmals die 200-Seen-Radtour mitgemacht. Bewegung, Sport und Gesundheit haben wir hier direkt vor der Haustür. Ins Konzert können wir jederzeit mit dem Nahverkehrssprinter. Aber jetzt setzt euch doch. Ich gebe erst mal einen Cappu aus ….“

So richtig kann sich das Wetter nicht entscheiden. Anja blinzelt in die Sonnenstrahlen, die zwischen zwei dicken Wolken auf ihr Gesicht fallen.

Sie wirkt zufrieden, findet ihre Freundin Freya.

Sie schlendern am Kurpark und dem eingerüsteten Kurhaus vorbei – es soll ein modernes Conversationshaus werden –, durch die Bahnhofstraße – die mittlerweile als bewegungsfördernde, fußgängerfreundliche Walkability-Zone ausgebaut wurde.

„Lass uns den lauen Sommerabend mit Fischbrötchen und Bier am Wasser genießen“, schlägt Anja vor und grüßt einen ihrer Kommilitonen.

„Ich muss dir noch etwas erzählen.“

Sie hat es noch keinem erzählt. Anna überlegt, in die Kommunalpolitik zu gehen. Bis vor drei Jahren gab es eine Jugendquote. Jetzt läuft das von ganz alleine. Auch die Studenten wollen sich mehr für den Ort und die Region engagieren. Immerhin leben wir hier, denkt Anja. Und Malente ist eine junge Stadt, die auf Kommunikation und Miteinander setzt. Sie freut sich schon auf das Bier zwischen all ihren Bekannten und Freunden …

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