1956 erfolgreich bei Miss-Wahl

Ingeborg Thomsen – heute Lacy (rechts) – erreichte bei der Miss-Germany-Wahl 1956 einen dritten Platz.
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Ingeborg Thomsen – heute Lacy (rechts) – erreichte bei der Miss-Germany-Wahl 1956 einen dritten Platz.

Ingeborg Lacy aus Plön tanzte einst mit Bing Crosby, lernte Konrad Adenauer kennen und war bei John F. Kennedy in Berlin

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27. November 2018, 15:20 Uhr

Ingeborg Lacy geriet 1956 eher unfreiwillig auf den Laufsteg bei der Miss-Germany-Wahl der Opal Strumpfwerke in Lübeck. „Mir war nicht ganz wohl bei der Sache“, sagt sie heute. „Meine Freundinnen machten einen Rückzieher, ich musste es durchziehen.“

Offenbar beeindruckte die junge Frau, die damals noch Thomsen hieß, die Jury. Sie machte auch in Shorts und Badeanzug eine gute Figur und ergatterte den 3. Platz. Das schlichte schwarze Cocktailkleid, das sie damals trug, ist mit Pettycoat, Stola und Hut bis 9. Dezember in der „Spurensucher“-Ausstellung im Plöner Kreismuseum zu sehen. Dem OHA erzählte Ingeborg Lacy ihre Geschichte.

In Gelting geboren, wuchs sie ab 1935 mit vier Geschwistern in Plön auf, wo die Großeltern in der Eutiner Straße lebten. Die Eltern kauften ein Haus im Steinbergweg. In Timmendorfer Strand lernte die heute 85-Jährige Zahnarztsprechstundenhilfe und heckte mit Freundinnen den Plan aus, bei der Miss-Wahl anzutreten.

Am Ende aber habe sie sich allein in dem Lübecker Hotel gegenüber vom Bahnhof vorgestellt, wo die Teilnehmerinnen untergebracht waren. „Wir trugen immer hochhackige Schuhe, wurden aber nicht geschminkt. Nur Lippenstift, und sie zupften ein bisschen am Haar herum. Am Ende gab es eine Tüte mit Opal-Strümpfen und Lippenstift, das war recht mau, fand ich“, erinnert sich die Plöner „Spurensucherin“ an den Wettbewerb, bei dem die Frauen auch viele Fragen zu beantworten hatten.

„Der Saal war voll, und ich dachte die ganze Zeit: Hoffentlich stolperst du nicht. Meine Enkelin fand es witzig, dass ihre Oma da mitgemacht hat“, schmunzelt die Mutter zweier Töchter, mit denen sie immer nur Englisch spricht. Denn die Miss-Wahl bedeutete nur eine kleine Episode im Leben der Ingeborg Lacy, die bei einem Besuch in Würzburg bei Freunden den amerikanischen Journalisten und Nachrichtensprecher Benjamin Lacy kennenlernte, ihn 1958 heiratete und 1961 in die USA ging. Er arbeitete für die Sender AFN, NBC und ABC, war in New York stationiert und in Washington, berichtete als Auslandskorrespondent aus Würzburg, München, Berlin, Frankfurt. Die Familie war oft dabei. „Ich habe John F. Kennedy in Berlin erlebt, wurde in Bonn Konrad Adenauer vorgestellt, habe Liz Taylor und Jacky Kennedy in Washington im Supermarkt gesehen, habe mit Bing Crosby getanzt, mein Mann hat ihn interviewt“, schaut Ingeborg Lacy zurück.

25 Jahre blieb sie in Amerika, arbeitete in einem Maklerbüro in Washington. 1985 kam sie zurück nach Deutschland, wohnt seit 1999 wieder in Plön. Eine der Töchter blieb in den Staaten, die andere lebt in Deutschland. Um alte Schulfreunde wiederzusehen, organisierte Ingeborg Lacy in den 80er und 90er Jahren drei Klassentreffen der früheren Mittelschule. Seit etwa sechs Jahren arbeitet sie bei den Spurensuchern mit, besucht regelmäßig die Tochter in den USA. Sie hat viele Freunde, auch in Dänemark und Schweden, und kann es gar nicht so recht glauben, dass sie im Laufe der Jahrzehnte so viele Leute kennengelernt hat.

„Mein Leben war toll, ich hatte eine wunderbare Kindheit in Plön, bin sehr gerne in den USA gewesen, aber auch von Washington nach Plön zurückzukommen war interessant“, zieht Ingeborg Lacy Bilanz. „Und ich bin dankbar, dass es mir gesundheitlich so gut geht.“

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