Eigenleistung ist Trumpf : 125 Jahre Feuerwehr Neukirchen

Mangelnder Zulauf war in den Anfangsjahren kein Problem, wie diese historische Aufnahme belegt.
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Mangelnder Zulauf war in den Anfangsjahren kein Problem, wie diese historische Aufnahme belegt.

Schon die Gründungsmitglieder zahlten für die Ausrüstung, später wurde beim Gerätehaus kräftig angepackt

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20. April 2013, 09:12 Uhr

Neukirchen | Angesichts der heutigen Schwierigkeiten vieler Wehren, genügend Aktive zu rekrutieren, war die Anfangsstärke der Neukirchener Wehr recht beachtlich: 23 Dorfbewohner erklärten sich zum Dienst in neuen Feuerwehr bereit. Zum Feuerwehr-Hauptmann wählte eine Versammlung im Dorfkrug am 14. April 1888 den Tierarzt Kreuzfeld, wie der Festschrift zum 850-jährigen Bestehen von Kirche und Dorf zu entnehmen ist.

Für die Ausrüstung schien sich der Staat noch nicht zuständig zu fühlen. Die Anschaffung einer Spritze sowie von Schläuchen, Leitern und Uniformen wurde mit Spenden finanziert und durch Geld der Aktiven. Ein Spritzenhaus gab es ebenfalls nicht. Die Spritze wurde in den ersten Jahren im Pferdestall des Vize-Hauptmanns, des Gastwirts Dunker, abgestellt. Das änderte sich 1903, als ein Gerätehaus am Ortseingang Richtung Sieversdorf auf dem Dreieck Pappelweg/Hauptstraße gebaut wurde. Kuriose Randnotiz: Das Spritzenhaus diente damals gleichzeitig als Gefängnis, in dem der Gendarm Personen einsperren durfte, die sich ungesetzlich, aber auch unkameradschaftlich oder unsittlich verhielten. 1934 wurde ein neues Gerätehaus am See, damals noch mit Schlauchturm, gebaut. Es dient heute dem Verschönerungsverein Neukirchen.

Die Anziehungskraft der neu gegründeten Wehr war offenbar groß. Denn es traten auch viele Anwohner aus dem benachbarten Sieversdorf ein, so dass der Name bereits 1891 in Freiwillige Feuerwehr Neukirchen-Sieversdorf geändert wurde. Die Verbindung hielt bis 1965. Dann gründeten die Sieversdorfer ihre eigene Wehr.

Während des Zweiten Weltkrieges erhielt Neukirchen eine Motorspritze, die jedoch noch mit einem pferdebespannten Wagen gezogen wurde, 1965 gab es dann das erste Tragkraftspritzenfahrzeug. Die 80er Jahre brachten noch einmal erhebliche Veränderungen. Die Gemeinde erwarb von der Raiffeisenbank Lütjenburg das Gebäude auf dem Dorfplatz, das ehemals als Zweigstelle mit Bank- und Warenverkehr sowie als Düngerlager und davor als Postkutschenstation diente. Wehrführer Martin Walter und seine Vorgänger Hans-Jürgen Weber (1988 bis 1993) und Hans Michaelis (1993 bis 2006) können sich noch sehr gut erinnern: "Das haben wir dann in Eigenleistung umgebaut", berichtet Walter. 3500 Arbeitsstunden waren dafür nötig.

Zur Einweihung des neuen Gerätehauses am 1. Juni 1985 gab es auch noch ein neues Feuerwehrauto. Mittlerweile ist das Tragkraftspritzenfahrzeug auf Mercedes-Transporter-Basis schon fast ein Oldtimer, sagt Feuerwehrmann Rolf Ruseler, der beim Rangieren für das Zeitungsfoto kräftig am Lenkrad zerren muss - Servolenkung war damals noch nicht Standard. Immerhin: Im nächsten Jahr soll es ein neues Fahrzeug geben. Im Feuerwehrbedarfsplan ist ein Tragkraftspritzenfahrzeug mit Wassertank vorgesehen.

Von der Blüte, in der die Neukirchener Wehr noch zum 100. Jubiläum im Jahr 1988 stand, ist sie heute ein gutes Stück entfernt, wie Wehrführer Walter bedauert. Damals gab es 26 Aktive, heute sind es noch 15, da ist eine Kooperation mit den Sieversdorfern unumgänglich, betont Walter: "Das geht gar nicht mehr anders, sonst wäre die Einsatzbereitschaft nicht gegeben." Er hätte auch nichts dagegen, wenn es eines Tages wieder eine Wehr mit dem Namen Neukirchen-Sieversdorf gäbe. "Wir sind da schmerzfrei", sagt Walter.

Etwas kleinere Brötchen backt die Wehr im Vergleich zum 100. Jubiläum auch beim Feiern. 1988 zogen sich die Feierlichkeiten über neun Tage hin - mit Gemeindefeuerwehrtag, Kreisfeuerwehrverbandstag, Disco-Abend, Festball und Katerfrühstück.

Ein Zeichen der Solidarität lieferte das Dorf zum 90. Jubiläum. Auf Initiative des damaligen Dorfvorstehers Martin Becker erhielt die Wehr eine Fahne - finanziert durch Spenden aus dem ganzen Dorf. Mittlerweile hat der Zahn der Zeit an dem guten Stück genagt. Und die Wehr hofft beim Festkommers auf Spenden für eine Restaurierung.

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