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100. Geburtstag: „Eigentlich wollte ich gar nicht so alt werden“

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Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Ein verschmitztes Lächeln, leuchtende Augen und den sprichwörtlichen Schalk im Nacken: Wer Elli Lankau besucht, kommt so schnell nicht auf den Gedanken, dass die Wahl-Eutinerin seit 100 Jahren in Ostholstein lebt. „Eigentlich wollte ich gar nicht so alt werden“, sagt Lankau bescheiden.

Ihr Vater wurde 69, die Mutter 80. Ihre Oma schon 93. Sie hat alle überflügelt. Ein Geheimrezept habe sie nicht, sagt Lankau. „Aber ich bin immer gerne Fahrrad gefahren“, sagt die Jubilarin, die heute ihren Ehrentag im Seniorenheim „Pro Talis“ feiert.

Noch bis zum vergangenen Sommer hat die Seniorin ihren Alltag allein gemeistert, lebte in dem Haus, das sie
zusammen mit ihrem Mann Otto 1959 in Groß Meinsdorf gebaut hat. Mit 99 Jahren zog sie schließlich nach Eutin.

Ihr gesamtes Leben hat Elli Lankau in Ostholstein verbracht. Ein bisschen Stolz klingt schon mit durch, wenn sie erzählt, dass sie ein Kind der Kaiserzeit ist. 1915 – Mitten im Ersten Weltkrieg – kam Lankau in Fassensdorf zur Welt. Ab 1920 lebte sie in Stawedder, ging zu Fuß ab 1921 nach Sierksdorf zur Schule. Rund eine Stunde war ihr Schulweg lang. Im Sommer ging’s barfuß, im Winter auf Holzpantinen zur Volksschule, sagt Lankau.

Gerne erinnert sie sich zurück an ihre Kinder- und Jugendjahre. „Wir waren arm, aber glücklich und zufrieden“, sagt Lankau. Sechs Geschwister waren sie zu Hause, ihr Vater einfacher Landarbeiter. Das Geld war knapp, als dann noch die Inflationszeit kam, erlebte sie hautnah, wie schnell sich der Wert des Geldes verlor: „Am Freitag erhielt mein Vater seinen Lohn, einen dicken Packen Geldscheine. Bereits am Montag konnte meine Mutter dafür nicht mal mehr ein Pfund Butter kaufen“, erinnert sich Lankau.

Trotz aller Entbehrungen: Ihre ersten Jahre sind ihr die liebsten geblieben. Gespielt wurde auf der Straße. „Verkehr wie heute gab es damals ja nicht“, sagt Lankau. Ballspiele waren in den 1920ern Mode, aber auch kleine metallene „Hüpfer“, die man von Chaussee-Baum zu Chaussee-Baum springen lassen konnte. Und bereits in der Schule lernte sie Stricken und Häkeln – Hobbys, die sie bis ins hohe Alter pflegte.

Als sie nach der Schulzeit in Süsel und Bockholt „in Stellung ging“, auf dortigen Bauernhöfen arbeitete, lernte sie hier ihren späteren Mann Otto kennen. 1937 heirateten die beiden, 1939 zogen sie nach Groß Meinsdorf.

Beide arbeiteten weiterhin in der Landwirtschaft. Feldarbeit, Ähren hocken, Dreschen – für Lankau tägliches Brot. „Alles habe ich gelernt, nicht jedoch das Kühemelken“, sagt Lankau, die bis heute größten Respekt vor diesen Tieren hat.

1940 wurde ihr Mann zur Wehrmacht eingezogen, kehrte erst fünf Jahre später verwundet aus dem Zweiten Weltkrieg zurück. Inzwischen war Ostholstein von britischen Truppen besetzt. Im Haus der Lankaus waren zwölf Soldaten einquartiert. „Die waren sehr nett“, erinnert sich die heute 100-Jährige. Den Soldaten sei es zu verdanken, dass ihr Mann schnell gesund wurde; denn sie versorgten Otto Lankaus Wunde, die bis dato nicht richtig verheilt war.

1958 schlug das Schicksal hart zu: Einer ihrer beiden Söhne kam bei einem Eisenbahnunfall ums Leben. „Gerade wenn man alt wird, denkt man da doppelt dran“, sagt Lankau. Dennoch ließ sich das Paar nicht unterkriegen: 1959 bauten sie in Groß Meinsdorf ein Haus, verlebten hier zusammen mit Sohn Hartmut viele glückliche Jahre.

75 Jahre hat die Rentnerin Groß Meinsdorf die Treue gehalten. Mit 99 Jahren folgte im Sommer vergangenen Jahres der Umzug nach Eutin. Dennoch hat sie ihr Heimatdorf fest im Blick: „Neun große Bauernstellen gab es hier, heute gibt’s da nicht mal mehr einen Liter Milch“, sagt Lankau mit trotzigem Unterton – bis sich das verschmitzte Lächeln wieder Bahn bricht.


Elli Lankau lädt Freunde und Weggefährten heute ab 11 Uhr zum Empfang in die Peterstraße („Pro Talis“) ein.

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erstellt am 20.Feb.2015 | 18:21 Uhr

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