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Ostholsteiner Anzeiger

20. November 2017 | 10:56 Uhr

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vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

shz.de von
erstellt am 07.Mai.2017 | 21:57 Uhr

„Kein Kommentar!“ lautete die Antwort der Bürgerinitiative gestern Abend kurz vor 22 Uhr aus der Ratsherrenstube im Brauhaus. Nach Auszählung von zwölf der 16 ausgezählten Wahlbezirke zeichnete sich da ab: Eine Mehrheit der Eutiner Wähler stimmte für den Abriss des Haus des Gastes.

Zurückhaltend erfreut über diese klare Tendenz zeigten sich dagegen die Stadtvertreter, die bis dahin im Sitzungssaal des Rathauses ausgeharrt und auf die schleppend einlaufenden Ergebnisse gewartet hatten. „Es ist wichtig, dass wir heute Abend eine Entscheidung haben. Dann geht die Arbeit erst richtig los, denn das ‚Nein‘ der Wähler zum Haus ist ein klarer Arbeitsauftrag“, sagte Matthias Rachfahl, CDU-Fraktionsvorsitzender. Er rechnete nicht mehr mit einem Stimmenumschwung.

An die Idee eines Integrationshotels müsse laut Rachfahl „schnell Futter“ und entschieden werden, ob es vorher Zwischenlösungen an dem Standort geben kann. Die CDU selbst hatte einen Pavillon auf ihrem Wahlflyer abgebildet und von einer hochwertigen mobilen Zwischenlösung gesprochen, die bis zu einer anderen Entwicklung am 1a-Standort direkt an der Stadtbucht aus ihrer Sicht erstrebenswert wäre (wir berichteten).

„Die Eutiner haben sehr verantwortungsvoll entschieden und erkannt, dass das Haus des Gastes nicht erhalten werden darf, damit neue Projekte in der Stadt den Vorrang bekommen“, sagte FDP-Fraktionsvorsitzende Jens-Uwe Dankert. Eines dieser Projekte ist die Sanierung der Schlossterrassen, die am Mittwoch mit der Entscheidung eines Preisgerichts einen weiteren Schritt in der Planung macht. Dankert hoffe, dass alle das Ergebnis des Bürgerentscheids akzeptieren, damit der Friede in diese Stadt wieder einkehren könne. „Die Menschen, die mit ‚Nein‘ gestimmt haben, dürfen zu Recht von uns Politikern erwarten, dass wir jetzt etwas entwickeln“, so Dankert.

Monika Obieray (Grüne) zeigte sich zurückhaltend mit Blick auf die bis Redaktionsschluss knapper werdenden Abstand zwischen den Abrissbefürwortern und Abrissgegnern: „Wenn es so bleibt, wäre es eine riesige Erleichterung. Dann wissen wir, dass wir handeln können.“ Die Grünen befürworten die Idee von „Die Ostholsteiner“-Geschäftsführer Reinhard E. Sohns, anstelle des gut 50 Jahre alten Gebäudes mit Waschbeton ein Integrationshotel zu bauen. Frank Lunau war als Vertreter für das Unternehmen ins Rathaus gekommen: „Ich freue mich, wenn die Eutiner für den Abriss stimmen, weil das die Stadt zukunftsfähig macht. Die letzten Wochen waren für uns unerträglich, ob der verschiedenen Kampagnen.“ Er hatte den Ausgang noch deutlich knapper befürchtet.

Bürgermeister Carsten Behnk sagte kurz vor Redaktionsschluss, elf Wahlbezirke waren da ausgezählt: „Es zeichnet sich ein Trend ab – gegen den Erhalt und damit für eine zukunftsfähige Entwicklung. Darüber freue ich mich sehr. Das Inklusionshotel ist eine schöne Option, die bestimmt auch viele Menschen überzeugt hat.“

Er selbst war überrascht, dass die Auszählung der Ergebnisse solch lange Zeit in Anspruch genommen hatte. Bis spät in den Abend seien die Mitarbeiter der Verwaltung in die verschiedenen Wahllokale ausgeströmt, um zu schauen, wie zu helfen war. Von 16 Wahlbezirken hatten fast zwei Stunden nach Schließung der Wahllokale fünf Lokale noch gar nicht, fünf fehlerhafte und erst sechs ausgezählte Ergebnisse gemeldet. Woran das lag, wird in den nächsten Tagen ermittelt werden. Aus einigen Wahlbüros war zu hören, dass nur eine Urne für den Entscheid und die Landtagswahl zur Verfügung stand. Im Briefwahlbüro gab es für beide Wahlen je eine Urne.

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