Nutzungskonzept gefordert

Derzeit wird geprüft, was es kosten würde, dass Katasteramt für Flüchtlingsunterbringung umzubauen.
Derzeit wird geprüft, was es kosten würde, dass Katasteramt für Flüchtlingsunterbringung umzubauen.

Ackerbürgerhaus erhalten oder nicht – Bauausschuss ist gespalten / Verwaltung arbeitet auf Hochtouren, um Flüchtlinge unterzubringen

shz.de von
06. Mai 2015, 11:58 Uhr

Flüchtlinge können in der Weidestraße 24 nicht untergebracht werden. Dass verdeutlichte Bürgermeister Klaus-Dieter Schulz gestern Abend im Bauausschuss.

Zu hoch sind die Kosten laut Gutachten, um das historische Ackerbürgerhaus im „Schnellschuss“, wie Olaf Schmidt stellvertretend für die CDU-Fraktion sagte, zu sanieren. Rund 95  000 Euro netto sollen laut Statiker allein für die Instandsetzung der wichtigen Hauptkonstruktionen vonnöten sein. „Wir wissen nicht, was da noch alles dazu kommt“, warnte Kathrin Pitzner (CDU) vor allzu schnellen Handlungen. Ursprünglich schätzte die Verwaltung die Kosten auf 25  000 Euro, um das Obergeschoss für Flüchtlinge aufzuhübschen.

Für den Erhalt des historisch einmaligen Ensembles, dass von Eutins Geschichte als Ackerbürger- und Handwerkerstadt zeugt, sprach sich Hans-Georg Westphal, SPD-Fraktionsvorsitzender, aus: „Es ist fahrlässig, wie mit städtischem Eigentum umgegangen wird und wurde. 36 Millionen Mark haben wir vor Jahren ins Schloss gesteckt und dieses Unikat soll verfallen?“ Er bat die Verwaltung, zu prüfen, ob es möglich ist, das Gebäude – ähnlich wie die Torhäuser und das Vogthaus – mit Fördermitteln von Grund auf zu sanieren. „Außerdem müssen wir uns ein langfristiges Nutzungskonzept überlegen“, sagte Westphal. Bauamtsleiter Bernd Rubelt ernüchterte mit der Aussage, dass das Ensemble außerhalb des förderfähigen Gebiets für die aktuelle Stadtsanierung liege. Malte Tech (FWE) gab zu bedenken, dass es für die Sanierung von Denkmälern „immer Unterstützung“ gebe.

Klaus-Dieter Schulz brachte die langwierige Diskussion auf den Punkt: „Wir müssen uns einig sein, was wir wollen.“ Es habe in der Vergangenheit auch Beschlüsse gegeben, dass Haus nicht weiter zu belegen. Die CDU hatte vor etwa sieben Jahren sogar Mittel für den Abriss des Ackerbürgerhauses in den Haushalt eingestellt, sie aber wegen des starken Gegenwindes nie eingesetzt (wir berichteten). Da im Ausschuss die Weidestraße 24
lediglich zur Kenntnis genommen wurde, war
kein Schicksalsentscheidender Beschluss für das historische Gebäude möglich.


Flüchtlingsunterkunft – ein Dauerthema


Die Weidestraße ist aktuell nicht mehr im sogenannten Nutzungskonzept der Stadt für die Unterbringung von Flüchtlingen. Ohnehin hätte hier nur eine geringe Zahl an Personen untergebracht werden können. Deutlich größer ist da das Katasteramt (900 Quadratmeter), dass derzeit im Gespräch ist. Schulz: „Wir prüfen derzeit, was es kosten würde, das Gebäude umzufunktionieren. Und sollte es sich als geeignet erweisen, müssen wir vor Ort erst einmal eine Infoveranstaltung für die Anwohner machen, um sie mitzunehmen.“ Der Vorteil: Das Land stellt das Gebäude zur kostenlosen Nutzung zur Verfügung. Am Lindenbruchredder, der derzeitigen Ersteinrichtung, sollen zwei ungenutzte und von Schimmel befallene Baracken abgerissen werden, um langfristig Platz für mögliche Container zu bieten. Denn Eutin werde mit deutlich mehr Flüchtlingen zu rechnen haben, als bisher prognostiziert wurde, erklärte Schulz. Auf Hochtouren suchen die Mitarbeiter der Verwaltung nach Wohnraum für diese Menschen: Knapp zehn Wohnungen konnten angemietet werden, in vier weiteren städtischen Liegenschaften leben derzeit Flüchtlinge. Erst kürzlich konnte das am Bahnhof erworbene Gebäude bezogen werden.

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