zur Navigation springen
Nordfriesland Tageblatt

11. Dezember 2017 | 05:29 Uhr

Für mehr Sicherheit : Zwischen Hoffen und Bangen

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Die Mitarbeiter der Mürwiker Werkstätten in Niebüll setzen sich für den Erhalt der Bedarfsampelanlage im Peter-Schmidts-Weg ein.

von
erstellt am 25.Okt.2014 | 06:15 Uhr

14.30 Uhr, Kreuzung Peter-Schmidts-Weg/Bahnhofstraße/Emil-Nolde-Straße: Reifen quietschen, ein Autofahrer steigt in die „Eisen“, um einen Zusammenstoß mit einem anderen Pkw zu verhindern. Dessen Fahrer biegt aus dem Peter-Schmidts-Weg kommend einfach nach links in die Nolde-Straße ab, hatte wohl nicht die Geduld, das entgegenkommende Fahrzeug erst passieren zu lassen. Der Straßenverkehr kommt für kurze Zeit zum erliegen, Autofahrer aus allen Richtungen kommend müssen warten. Und es ist noch nicht einmal Berufsverkehr: Morgens und abends ist an dieser Kreuzung richtig was los. Und zwischen allem: Radfahrer, Fußgänger, Mütter mit kleinen Kindern, Senioren. Ihre einzige Chance, einigermaßen sicher diesen Bereich zu überqueren: die Fußgängerbedarfsampel. Sie wird genutzt und auch gebraucht. Dennoch sind ihre Tage gezählt, denn an der Kreuzung soll er nun kommen: der seit langem geplante Kreisverkehr – wichtig, um die Situation zu entschärfen.

Wenn es nach der Verkehrsaufsicht geht, verschwindet die Ampel – um Rückstaus in den künftigen Kreisel zu verhindern. Und auch für Zebrastreifen in dem Kreisverkehr sieht es schlecht aus, weil, so heißt es, sie nicht üblich sind (wir berichteten). Mitglieder des Bauausschusses, inklusive Bürgermeister Wilfried Bockholt, hatten sich unlängst dafür ausgesprochen, zumindest auf die Zebrastreifen zu bestehen und hierfür erneut das Gespräch mit den Behörden zu suchen.

Eine Gruppe, die die Fußgängerbedarfsampel regelmäßig nutzt, sind die Mitarbeiter der Mürwiker Werkstätten: Nicht nur morgens und abends auf dem Weg zur Arbeit in die Weberstraße und nach Hause in die Wohnungen Emil-Nolde-Straße und den Buchenweg, sondern auch nach Feierabend, auf dem Weg zum Einkaufen, ins Kino oder zu sonstigen Freizeitgestaltungen. Der eben erlebte Beinahe-Unfall zeigt die Gefährlichkeit der Kreuzung, die Gefahr für Fußgänger und Radfahrer. Die Menschen mit Behinderungen sehen ihre schlimmsten Befürchtungen bestätigt. Was für sie alle fest steht, spricht Michael Wolff (51) aus: „Wir möchten die Ampel behalten“, erklärt der Vorsitzende des Bewohnerbeirats. „Wie soll ich denn über die Straße kommen?“

Sven Brodersen (22) ist sehbehindert, nutzt morgens und abends zu Fuß regelmäßig den Weg von der Weberstraße durch die Bahnhofstraße über die Ampel nach Hause. „Für Fußgänger ist das Herüberkommen ohne Ampel schwer, und das darf nicht sein“, sagt auch sein Kollege Peter Puls (51). Er war dabei, als sie in den 1990er-Jahren aufgestellt wurde. Ellen Carstensen, Vorsitzende des Fördervereins Mürwiker Werkstätten und von 2003 bis 2011 Beauftragte der Stadt Niebüll für Menschen mit Behinderungen, hatte sich seinerzeit für die Errichtung der Bedarfsampel eingesetzt.

Jörg Jochimsen (45) sieht in Zebrastreifen eine Notwendigkeit, glaubt nicht an den schlichten, mäßig gekennzeichneten Überwegen, wie sie am baugleichen Kreisel, nur wenige 100 Meter weiter, an der Aral-Tankstelle vorhanden sind. Zuviele schlechte Erfahrungen hat er dort schon gemacht: „Ich muss dort immer sehr lange warten. Eine wenige Autofahrer bleiben stehen, viele aber nicht.“

Holger Durbahn (51) vertritt die Interessen seiner Kollegen im Werkstattrat und hat auch bei der großen Runde in Flensburg Unterstützung für eine Beibehalt der Ampel erfahren: „Ich bin gegen einen Abbau. Die Sicherheit meiner Kollegen geht vor.“

Kathrin Elshoff, Abteilungsleiterin „Arbeiten“ bei den Mürwiker Werkstätten in Niebüll, erklärt: „Wir wissen, dass es nicht an der Stadtvertretung liegt.“ Und so hofft sie auf ein Einlenken seitens des Kreises und des Landes. „Sicherlich nutzen auch einige unserer Mitarbeiter als Transportmittel unsere Busse. Aber es geht uns um die Selbstbestimmung unserer Kollegen bei dem Weg zur Arbeit oder zur Wohnung – und bei ihrer Freizeitgestaltung.“

In der kommenden Woche ist ein Gespräch mit dem Bürgermeister geplant. Ute Christiansen, Abteilungsleiterin „Wohnen“ bei den Mürwiker Werkstätten Niebüll: „Ein Zebrastreifen wäre nur eine Minimallösung. Im Sinne der Menschen mit Behinderung aber auch aller Anwohner und Nutzer dieser Ampel hoffen wir auf eine vernünftige Lösung, die die Gefahr bei der Überquerung der Fahrbahn minimiert.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen