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Jakobskreuzkraut in Niebüll : Zwei Senioren kämpfen gegen die giftige Pflanze

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Zwei Senioren reißen das Jakobskreuzkraut im Stadtgebiet aus – und suchen für diese Aufgabe noch weitere Mitstreiter.

shz.de von
erstellt am 26.Jul.2017 | 11:01 Uhr

Gestern hatte das Jakobskreuzkraut seinen Namenstag: Denn die Hauptblütezeit der giftigen Pflanze liegt um diesen Tag herum. Grund genug für die Aktiven der Niebüller CDU, gegen dieser Gefahr tätig zu werden. Thea Carstensen gab dazu den Anstoß schon während der Jahreshauptversammlung. Ihr Vorschlag wurde angenommen, und ihr nächster Nachbar Kurt-Heinz Jappsen sagte spontan zu. „Wir möchten darauf hinweisen, dass jeder etwas gegen diese Pflanze tun kann“, sagte Thea Carstensen.

Die Nachfahrin einer Gärtnerin aus Flensburg hat inzwischen den Blick dafür. „Ich sehe das Jakobskreuzkraut überall, an Wegen und auf Wiesen.“ Bekannterweise sei das Jakobskreuzkraut besonders für Tiere schädlich, aber auch für Menschen. Daher machten sich die beiden fitten Senioren auf den Weg, das Übel mit der Wurzel auszureißen. Dazu gingen sie mit Warnweste und Strohhut ausgerüstet die gesamte Südergath ab, sammelten die Pflanzen in Plastiksäcken. Von der Südergath ging es weiter über die Zufahrt zur Verladerampe bis zum Kreisel, von dort bis zur B5 und zurück.

„Auch ein Stück des Weges zum Gewerbegebiet Ost haben wir noch bearbeitet“, erläutert Kurt-Heinz Jeppsen. Ein Absturz in den Graben konnte gerade noch vermieden werden, am Ende waren sechs Säcke prall voll. „Wir haben drei Stunden geschwitzt“, resümierte das aktive Pärchen hinterher. Natürlich wollen sie auch in nächster Zeit noch weitermachen und suchen dafür weitere Mitstreiter.

Die gelb blühende Pflanzenart wird vor allem von Landwirten und Pferdehaltern nicht gerne gesehen, da alle ihre Teile auf Grund der enthaltenen leberschädigenden Pyrrolizidin-Alkaloide giftig sind. Auch kleine Dosen schädigen die Leber dauerhaft, so dass eine schleichende Vergiftung über Jahre möglich ist. Insbesondere bei Pferden, aber auch bei Rindern kann das Kraut zu ernsthaften Erkrankungen und in größeren Mengen gefressen schließlich zum Tod führen. Es wird zudem befürchtet, dass die in ihm enthaltenen Pyrrolizidin-Alkaloide über Kuhmilch in unsere Nahrungskette gelangen könnte.

Der Nabu sieht die Gefährdung zwar ähnlich, bewertet sie aber ganz anders: Weidetiere verschmähten das Kreuzkraut weitgehend. Wer selbst einmal ein Blatt der Pflanze durchkaue, verstehe den Grund: Die enthaltenen Bitterstoffe schmecken abscheulich. Insgesamt gäbe es in Mitteleuropa etwa 50 giftige Pflanzenfamilien mit zahlreichen Vertretern, die allgemein Mensch und Tier in unterschiedlichem Maße mit ihren Inhaltsstoffen beeinträchtigen könnten.

Das Jakobskreuzkraut habe laut Nabu auch eine hohe ökologisch Bedeutung - unter anderem für vier Flohkäferarten. Eine Bekämpfung sei sinnlos: Wird die Pflanze vor ihrer Blüte gemäht, wird ihr späteres Absterben unterbunden. Entweder schiebt sie im selben Jahr einen neuen, kleineren Blütenstand nach, oder sie überdauert ein weiteres, drittes Jahr, um dann zur Blüte zu gelangen. Durch alljährliche Mahd kann das eigentlich zweijährige Jakobskreuzkraut zur ausdauernden Staude werden.

Jakobskreuzkraut werde erst dann gefährlich, wenn es in Heu oder Silage enthalten ist - oder aber nach der Mahd auf der Viehweide liegen bleibe.

Möglicherweise gingen Vergiftungsfälle bei Rindern auf Bekämpfungsmaßnahmen zurück, bei denen nach dem Schnitt die dann abtrocknenden Reste von Jakobskreuzkraut auf der Fläche verblieben, vermuten die Vertreter der Naturschutzorganisation Nabu.

Ungeborene sind laut Experten besonders gefährdet, wenn während der Schwangerschaft große Mengen an selbst gepflücktem Gesundheitstee getrunken werde, der aufgrund von Verwechslungen, etwa mit dem ähnlich aussehenden Johanniskraut, oben erwähnte Alkaloide enthält. Das bloße Berühren der Pflanze sei ungefährlich.

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