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Ausstellung : Zur Erinnerung an altes Kulturgut

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Die Interessengemeinschaft Baupflege Nordfriesland und Dithmarschen präsentiert Schwarz-Weiß Fotos von Häusern aus der Region. Damit sollen die tiefgreifenden Veränderungen der schleswig-holsteinischen Hauslandschaft dokumentiert werden.

„Es macht mich betroffen und traurig, wenn ich daran denke, wie alte Häuser dahin gesiecht sind und wir es nicht geschafft haben, diese schönen Kulturgüter in die Gegenwart hinüber zu retten.“ Das erklärte Amtsvorsteher Peter Ewaldsen zur Eröffnung einer Ausstellung im Niebüller Amtsgebäude. Dort sind bis zum 22. November 80 Fotografien aus der „Volkskundlichen Landesaufnahme“ von Prof. Dr. Arnold Lühning zu sehen. Seine wissenschaftliche Dokumentation in Schwarz-Weiß-Bildern öffnet einen Blick in die tiefgreifenden Veränderungen der schleswig-holsteinischen Hauslandschaft nach dem Krieg.

Als damals 15-Jähriger empfand es Ewaldsen als noch nicht so dramatisch, als der Hof seines Urgroßvaters der Flurbereinigung und dem Programm Nord weichen musste. „Heute überkommt es mich als große Sünde, wenn ich zurückdenke, wie sich das alte Haus so was von zäh gegen den Abriss wehrte.“ Der an seiner Stelle errichtete Neubau ist später abgebrannt. Das sei seine sehr persönliche Erinnerung an eine Zeit, aus der nur noch wenige Beispiele erhalten geblieben sind. Die Gesellschaft habe gesündigt und vieles Erhaltenswerte dem Fortschritt geopfert. Es sei jetzt wichtig, sich zu erinnern und sorgfältig mit Kulturgütern umzugehen. „Daher bin ich dankbar für diese Ausstellung.“

Die Interessengemeinschaft Baupflege Nordfriesland & Dithmarschen, kurz „IG Baupflege“, sei 1980 angetreten, um zu retten, was noch zu retten ist, erklärte deren heutiger Vorsitzender Hans-Georg Hostrup. Er erinnerte an seine verdienstvollen Vorgänger wie Gerd Künast und Dr. Carl-Ingwer Johannsen. „Was vom Lande übrig blieb“ ist auch das Motto der Ausstellung, in der Häuser aus den 1950er Jahren abgebildet sind, „als die Welt noch in Ordnung war“.

Dieser Zeit folgte das Bestreben nach Modernisierung der Häuser. Es kamen neue Baustoffe – und mit ihnen die Veränderung der Hauslandschaft bis hin zu ihrer Entstellung. Die „IGB“ habe sich auf den Weg gemacht, dem Verfall entgegen zu wirken. Hostrup: „Wir wollen keineswegs eine Art Museum schaffen. Wir wollten jedoch Hausbesitzer beraten und ihnen sagen, dass sie es drinnen in den Häusern durchaus modern haben, doch am Äußeren des Hauses möglichst sensibel vorgehen sollten.“ Heute würden zunehmend auch externe Zweitwohnungsbesitzer beraten, wenn sie zu uns kommen und darum bitten „helft uns!“

„Gäste, die uns besuchen, wollen ja auch eine intakte Kulturlandschaft erleben.“ Leider, betonte Hostrup, sei der Strom der Fördergelder versiegt. Dorferneuerung und Städtebauförderung gebe es nicht mehr. Allein die Aktiv-Region Nordfriesland Nord habe zuletzt bei einer Anzahl von Projekten geholfen.

Die Ausstellung wurde zuerst in Eiderstedt präsentiert. Im Amt Südtondern verteilen sich die Fotos auf Foyer und Flure im Erdgeschoss und zeigen Bilder querbeet aus Schleswig-Holstein. Hans-Georg Hostrup, Kerstin Sprengel, Ute Böhm, Manfred Nissen und Georg Böhm (von rechts, Foto oben) präsentierten die Ausstellung im Amt Südtondern. Bei der Eröffnung der Ausstellung listete Vorstandsmitglied Georg Böhm eine Reihe von Projekten aus der näheren Umgebung auf, an denen die „IGB“ unterstützend beteiligt ist. Das sind der Wasserturm am Bahnhof Niebüll, das Friesenhaus vor der Christuskirche und das Hans-Momsen-Haus in Fahretoft. Eines der erhaltenswerten Projekte wäre auch noch das älteste Haus Niebülls in der Deichstraße 4. Es stammt aus dem Jahr 1685, ist zurzeit noch bewohnt – und sein Schicksal ungewiss.

 

 

 

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erstellt am 09.Okt.2013 | 08:00 Uhr

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