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Nordfriesland Tageblatt

11. Dezember 2017 | 14:33 Uhr

Stiftungen : Zum Wohle der Armen

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Zum 200. Todestag des Bauern Lorenz Jannsen zieht die Jannsen-Stiftung Galmsbüll Bilanz.

von
erstellt am 01.Nov.2014 | 06:45 Uhr

Am 27. Mai dieses Jahres jährte sich der Todestag des Bauern Lorenz Jannsen zum 200. Mal. Er ist Begründer der nach ihm benannten Stiftung. Bürger aus Niebüll, Deezbüll und Galmsbüll gedachten nun im Landjugendheim des Stifters, der in seinem Testament verfügt hatte, seine Erbe möge armen, notleidenden Menschen zugute kommen.

Das Erbe des Lorenz Jannsen (1734-1814) verwalten Peter Brunk (Galmsbüll), Nommen Nommensen (Deezbüll) und Heinz Hansen (Niebüll). Eine Grabplatte auf dem Deezbüller Friedhof und ein Straßenname erinnern an den gebürtigen Niebüller, Sohn des Reepschlägers Janne Lassen und dessen Frau Christina, der es auf seinem Anwesen (dem heutigen „Pachthof“) und mit den auf mehrere Köge verteilten Ländereien zu einigem Wohlstand gebracht hatte. Während aus dem Landbesitz reichlicher Zins hereinkam, erwies sich sein (laut Testament zu erhaltener Hausbesitz) als kostenträchtige Beeinflussung der Stiftungserträge. „Doch der Hof wird erhalten“, bestätigte Peter Brunk namens seiner beiden anderen Hüter des Vermögens.

Lorenz Jannsen – ein Stifter mit Weitblick? Die Antwort auf diese thematisch gestellte Frage relativierte der Deezbüller Heimatforscher Albert Panten, „weil auch ein Lorenz Jannsen weder in die Zukunft schauen noch einschätzen konnte, wie sich das Stiftungswesen einmal entwickeln würde“. Panten hatte kiloweise Akten aus Koogs- und örtlichen Kirchenchroniken gewälzt und erkannt, dass auch die Jannsen-Stiftung eine Reihe von Hürden zu nehmen hatte und die verwaltenden Administratoren sich zuweilen in den Haaren lagen. Doch sie blieb in der Substanz erhalten, auch angesichts des Handicaps, das der (schlitzohrige?) Stifter den Verwaltern mit der Erhaltung des Hauses auferlegt hatte – eines Hauses, das sich als sterbliche Hülle erweist, wenn nicht ab und zu in seine Substanz investiert wird. Immerhin war das Testament mit dem Plazet von Frederik VI, König von Dänemark, Norwegen und der Wenden und Goten etc. ausgestattet und wurde administrativ streng beäugt. Querelen in der Stiftungsgeschichte blieben nicht ausgeschlossen. Zuweilen mutierte der Ertragsfluss zu sehr in Richtung der Armenkasse – statt, wie Jannsen verfügt hatte, zum einzelnen Armen. Nachdem es diesen (laut Datenschutz nicht mehr gibt), wurde das Testament den Realitäten folgend fortgeschrieben, modifiziert und angepasst – vermutlich wie es ein Lorenz Jannsen heutzutage auch abgesegnet hätte.

Lorenz Jannsen hatte drei Geschwister – Bonke, Broder und Catharina –, die vor ihm starben. Er blieb ledig und hatte keinen erbberechtigten Verwandten.

Malte Hansen, zuständig für das Stiftungswesen im Kreis Nordfriesland, listete Zahlen und Fakten über das Stiftungswesen auf, das im Laufe der Zeit zahlreiche Regelungen überdauerte. Es unterliegt administrativer Aufsicht – in Nordfriesland dem Kreis. Eine Stiftung sei in der Regel auf Dauer ausgelegt – und seine Basis das Vermögen. Besteht dieses lediglich aus Geld, unterliegt es (wie heute) Schwankungen des Zinsniveaus. Hat es „Klei an den Hacken“, sind stabilere Ausschüttungen garantiert.

Nordfriesland gilt mit 90 Stiftungen nach Lübeck als Stiftungshochburg im Lande. Das Stiftungsvermögen im Kreis liegt bei 120 Millionen Euro. In den Stiftungsgremien sind 600 Personen aktiv. Die Lorenz-Jannsen-Stiftung zählt zum Kreis der älteren Stiftungen. Viele der Stiftungen wurden von ledigen Stiftern begründet. Zweck der Stiftungen ist, entweder das Andenken des Stifters zu wahren, armen Menschen zu helfen, soziale Einrichtungen zu unterstützen und oft auch der Bildung junger Menschen zu dienen. Heute seien es häufig auch gemeinnützige Zwecke. In der Regel sollen Erträge steuerlich günstig eingesetzt werden. Ausgehend von einem Zinssatz von zwei Prozent, ergeben sich beim derzeitigen Stiftungsvermögen Ausschüttungen in Höhe von 2,4 Millionen Euro – als warmer Regen für soziale Zwecke. Malte Hansen: „Stiftungen mit reinem Geldvermögen sind schwer aufrecht zu erhalten. Alles in allem stehen Stiftungen heute vor großen Herausforderungen.“

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