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„Zum Licht!“: Chorkonzert erntet reichlich Beifall

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

von
erstellt am 31.Aug.2014 | 14:30 Uhr

Am Wochenende wartete die Lecker „Kantorei an St. Willehad“ im Gotteshaus ihrer Kirchengemeinde unter der Leitung von Kantor Thomas Hansen mit einem anspruchsvollen Chorkonzert auf, mit dem sie – um es vorab zu sagen – ihr Publikum begeisterte. Unterstützt wurde sie dabei von den Gesangssolisten Susanne Borchert (Sopran) und Cornelius Friedel (Tenor) sowie von den Mitgliedern des Streichquintetts „Württembergische Streichersolisten“ und dem Organisten Jürgen Henschen (Kastenorgel). Das Generalthema aller Darbietungen lautete: „Zum Licht!“ Auf dem von Thomas Hansen verfassten Programmzettel konnten die Zuhörer nicht nur die Titel und Texte aller Beiträge nachlesen, sondern auch einen Leitfaden zur Kenntnis nehmen, der den aufgezeigten gedanklichen Weg der Menschen von der Angst zur Hoffnung, von der Verzweiflung zur Erlösung aufzeigte. Die dunkle Ausgangssituation wurde durch die beiden ersten Sätze der Kantate „Ich liege und schlafe“ (Psalm 4, Vers 9) von Nicolaus Bruhns (1665-1697) dokumentiert. Schon an dem von den Streichern und der Orgel sehr ruhig vorgetragenen Vorspiel war zu erkennen, dass Bruhns sein kompositorisches „Handwerk“ von Dietrich Buxtehude gelernt hat. Die Kantorei setzte mit dem Satz ein, in dem der Chor das Bibelzitat des Kantatentitels – mal flehend, mal intensiv fordernd – mehrmals wiederholt, um am Ende seine Zuversicht zu bekunden, Gott werde dem Bedrückten seine Hilfe nicht versagen. Dabei entfaltete er ein wohltuend ausgeglichenes Klangbild und eine makellose Intonation. Unmittelbar anschließend gestaltete Susanne Borchert mit sicherer Stimme die Ankündigung des nahen Todes der Klagenden, aber dennoch Hoffenden. Harmonisch und rhythmisch unterstützt wurde die Sopranistin dabei durch das präzise Spiel des Basso continuo (Kastenorgel und Violoncello). Von der knochentrockenen Raumakustik des Kirchenschiffes erfuhren die Akteure keine Unterstützung.

Als zweites Werk erklang eine vom Musikwissenschaftler Peter Lichtenthal (1780-1853) gefertigte Bearbeitung des „Requiems d-moll“ vom Wolfgang Amadeus Mozart, eingerichtet für Streichquintett. Die auf fünf Stimmen reduzierte Trauermusik, die für Orchester, Chor und Solisten geschrieben wurde, so darzubieten, dass alle Teile des Werkes den Klang des Originals widerspiegeln, ist eine bewundernswerte Kunst, welche die Württemberger Streichsolisten gut beherrschen. Mitten im Satz „Lacrimosa“ brachen die Streicher ab: genau bei der letzten Note, die Mozart vor seinem Tod selbst notierte, bevor seine Schüler das Werk in seinem Sinne vollendeten. Herzlicher Applaus des Publikums war die Quittung für eine hervorragende Leistung der Streicher.

Den Abschluss und Höhepunkt des Konzertes bildete die Messe Nr. 2 in G-Dur von Franz Schubert, die alle Tiefen und Höhen menschlichen Empfindens eindrucksvoll aufzeigt. Vor allem der Sopran des Chores hatte dabei außergewöhnlich extreme Höhen zu bewältigen, was ihm auch gelang. Der Chor insgesamt löste seine Aufgaben, stets sicher einsetzend, mit Bravour. Solisten und Chor lösten einander innerhalb der Sätze ab, beide gestützt durch die Streicher und den Organisten. Schon beim Duett mit Susanne Borchert im temperamentvoll jubelnden Satz „Gloria“, der dem träumerischen „Kyrie“ folgte, stellte sich heraus, das Cornelius Friedel ihr als Tenor ein ebenbürtiger Partner war und beide Stimmen sich einander vorzüglich ergänzten. Auch auf sich allein gestellt wussten beide Solisten vollauf zu überzeugen. Letzteres gilt besonders für ihre Mitwirkung bei den Sätzen „Benedictus“ und „Agnus Dei“, den beiden „Sahnestücken“ des Werkes, die mit der Bitte um Frieden ganz entspannt enden. Der lebhafte Schlussapplaus galt nicht zuletzt auch dem Dirigenten Thomas Hansen, der seine Sänger und Instrumentalisten stets sicher im Griff hatte und deshalb auf spektakuläre Gesten verzichten konnte.

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