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Emil Nolde : Zum 150. Geburtstag des Malers am 7. August erscheint ein Film

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Streifen wurde gestern präsentiert -er zeigt die Loyalität des berühmten Expressionisten zum Dritten Reich.

shz.de von
erstellt am 02.Aug.2017 | 10:20 Uhr

Neukirchen | „Es ist kein leichtes, dafür ein ehrliches Geburtstagsgeschenk“, sagt Christian Ring über den Film, der anlässlich des 150. Geburtstags von Emil Nolde am kommenden Montag gedreht wurde. Damit meint der Direktor der Nolde-Stiftung Seebüll die Auseinandersetzung mit den Forschungsergebnissen der vergangenen Jahre, die den Mythos des großen Expressionisten, ein Opfer des Nationalsozialismus zu sein, klar aufbrechen. „Es ist eine kritische Analyse – die Schönheit von Noldes Werken bleibt davon aber unberührt. Der Film soll zum Nachdenken anregen, aber genauso zum Genießen dieser einzigartigen Kunst und Landschaft“, sagt der preisgekrönte Regisseur Wilfried Hauke. Bei der gestrigen Premiere von „Emil Nolde – Maler und Mythos“ in Seebüll ist der Kieler, der als Kind viele Sommer auf Amrum verbracht hat, dabei – in einer Nolde-Himmelblauen Hose.

Nicht nur die Anziehungskraft der Bilder des weltbekannten Malers, der als Emil Hansen im Dorf Nolde an der dänischen Grenze auf einem Bauernhof aufwuchs, auch die faszinierende Natur des nördlichen Nordfrieslands spielt eine Hauptrolle in dem knapp 70-minütigen Film, der ab kommenden Montag in Seebüll zu sehen und kaufbar ist. Auch hier dominiert das Authentische. Natürlich gibt es gelbe Rapsfelder und plätschernde Wellen zu sehen, aber auch die Melancholie des langen Winters: November-Nebel, Februar-Frost und Scharen von Zugvögeln, die über zwielichtig beschienene Marschen und Salzwiesen ziehen.

In dieser kargen, kalten Zeit zieht es den Maler Christopher Lehmpfuhl immer wieder ins Nolde-Land, seine Werke entstehen dort unter freiem Himmel. Lehmpfuhl ist einer der Menschen, die im Film über den großen Farb-Magier erzählen: „Niemand zuvor hat diese Landschaft so gesehen und gemalt wie Emil Nolde – das inspiriert bis heute viele Künstler.“

Zu Wort kommt auch Veronica Ewaldsen, ehemalige Assistentin der Stiftung und Ex-Frau von Bürgervorsteher Peter Ewaldsen. Ihr Vater war der Arzt Noldes, behandelte ihn auch während seiner Krebserkrankung. „Emil Nolde war liebenswert. Er sprach nicht viel, konnte Freude aber über seine Augen ausdrücken“, sagt die heute 80-Jährige.

Andreas Weber, der Verantwortliche für den Nolde-Garten, der bis heute im Sinne des Malers gehegt und bepflanzt wird, gerät über die Farbenpracht der Beete, die wie eine Oase in der Wüste wirken würden, ins Schwärmen. Nolde und seine Frau Ada schufen den Garten nicht nach botanischen Gesichtspunkten, er sollte den Künstler emotional erregen und inspirieren. „Wohl deshalb fühlen sich bis heute so viele Menschen in diesem Paradies berührt und geborgen“, sagt Weber. „Auch die Bilder Noldes sind eher mit dem Gefühl als mit dem Intellekt zu verstehen“, betont Ring in dem Film.

Große Gefühle treiben Emil Nolde ein Leben lang, seine Sehnsucht – auch nach Anerkennung – muss immer wieder neue Ausdrucksformen finden. Den so lange angestrebten Ruhm erhofft sich Emil Nolde durch Hitler und den Nationalsozialismus. Er selbst sieht seine Bilder als „urgermanische Kunst“ und – so berichtet ein Historiker – hegt eine antijüdische Haltung. Für Nolde hat die von Juden mitgeprägte Kunstszene Berlins entscheidenden Anteil daran, dass seine Werke dort nicht den verdienten Stellenwert erhalten. Doch auch das Dritte Reich wird zu einer großen Enttäuschung. Hitler bezeichnet Noldes Stil als krank und entartet, zahlreiche Bilder des Künstlers werden beschlagnahmt, die restlichen Werke darf er nicht mehr verkaufen. Dieses Berufsverbot interpretiert Nolde als Malverbot, an das er sich nicht hält. Rund um diese Sanktionen und seine als entartet eingestuften Bilder baut Emil Nolde in selbst verklärender Weise einen Opfer-Mythos auf. Paradoxerweise gibt er dennoch seine NS-Gläubigkeit und Sympathie für Adolf Hitler nicht auf. „Es fehlt jedes Wort des Bedauerns“, sagt Christian Ring, der diese dunkle Seite von Emil Nolde, der am 13. April 1956 stirbt, „bewusst und offensiv“ darstellen will, „weil eine so starke Kunst das aushält“. 


Der Film „Emil Nolde – Maler und Mythos“ ist am 6. August um 10.15 Uhr auf 3SAT und um 11.30 Uhr auf NDR zu sehen. Anlässlich Noldes 150. Geburtstags haben alle Besucher in der kommenden Woche im Nolde-Museum in Seebüll freien Eintritt.

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