Inge Godbersen ist 100 Jahre alt : Zum 101. Mal Weihnachten

Mit einer großen Party in Dagebüll feiert Inge Godbersen heute, ihren 100. Geburtstag.
Mit einer großen Party in Dagebüll feiert Inge Godbersen heute, ihren 100. Geburtstag.

Inge Godbersen feiert heute ihren 100. Geburtstag und erzählt von besonderen Festen und schwungvollen Tänzen.

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23. Dezember 2017, 03:56 Uhr

Risum-Lindholm | Darüber, welches ihr schönstes Weihnachtsfest war, muss Inge Godbersen nicht lange nachdenken. „Das war das Weihnachtsfest 1947“, sagt die Nordfriesin, die heute ihren 100. Geburtstag feiert. Es war der erste Heiligabend, den sie nach langem zermürbendem Warten wieder mit ihrem Mann Peter Godbersen feiern konnte. Er war mehrere Jahre im Krieg verschollen und in Gefangenschaft und kehrte am 16. Dezember zurück nach Südtondern. „Es war ein Fest der Einkehr, der Wiederfindung, des Jubels, das kann man nicht beschreiben“, sagt sie.

Auch wenn die Tochter Karin, die während des Krieges 1943 geboren war, und ihren Vater jetzt zum ersten Mal sah, zunächst fremdelte: „Die wusste ja nicht, was Vater heißt, und was das überhaupt bedeutet“, erinnert sich die Jubilarin und lächelt. Doch die Kleine gewöhnt sich schnell an den Vater.

Godbersen ist Nordfriesin durch und durch: Geboren am 23. Dezember 1917, als ältestes von vier Geschwistern, in Uphusum hat sie ihr gesamtes Leben in Südtondern verbracht. Ihren Mann hatte sie beim Tanzen kennengelernt. Er brachte sie auf dem Motorrad nach Hause – und eroberte ihr Herz. Kurz vor dem Beginn des Zweiten Weltkrieges heiraten die beiden im April 1939. Sie kauften ein Haus in Horsbüll und Peter Godbersen gründet ein Baugeschäft.

Als der Krieg begann, wurde er eingezogen. Seine Besuche in der Heimat waren fortan rar, unter anderem war er in Afrika und Russland stationiert. Zwischendurch durfte er sich in Nordfriesland von seinen Verwundungen erholen. Nach dem Krieg kamen die Söhne auf die Welt: Zunächst Detlef, Werner und Karl. Nachdem die Großfamilie in ein Haus nach Niebüll gezogen war, folgte 1956 Nesthäkchen Holger.

Langeweile kannte Inge Godbersen nicht: Als die Kinder aus dem Haus waren, begann sie noch einmal zu arbeiten. Die Freiheit die sie mit 56 Jahren erlangte, als sie ihren Führerschein machte, habe sie sehr genossen, sagt Godbersen.

Zu einer ihrer größten Leidenschaften gehörte das Reisen: Mit ihrem Mann, der 1998 gestorben ist, reiste sie nach Griechenland, Jugoslawien, Italien sowie an die Ostsee. Noch bis zu ihrem 90. Lebensjahr unternahm sie Gruppenreisen.

Der Zusammenhalt mit anderen, besonders der Familie, ist ihr bis heute wichtig. „Eine Tradition ist, dass wir uns gegenseitig besuchen und lieb haben, der eine für den anderen etwas Liebes herstellt“, sagt sie. Wichtig sei ihr, dass alle gesund sind. Besonders Weihnachten bedeutet ihr viel: „Es ist für mich ein Fest der Besinnung, der Einkehr, der Freude und für die Kinder eine Zeit der kleinen Geschenke“.

Bis zum Juni 2017 konnte sie, dank Unterstützung durch helfende Mitmenschen, noch in ihrem Haus leben. Inzwischen wohnt sie im Alten- und Pflegeheim Bi Uns To Hus in Risum-Lindholm.

Muss man etwas Bestimmtes tun, um mit 100 noch so frisch zu sein? „Nein“, sagt Inge Godbersen, weder Sport noch andere Kniffe, um geistig fit zu bleiben, habe sie je gebraucht. Das hohe Lebensalter liege vermutlich in den Genen: Auch ihre Eltern wurden alt.

„Unsere Mutter ist eine Kämpferin, die ihr Leben trotz mancher schwerer Zeiten mit Willensstärke meisterte“, sagt Tochter Karin Wichmann (74). Auf expliziten Wunsch der Jubilarin wird daher heute mit einer großen Party gefeiert. Rund 60 Menschen – darunter auch die drei Enkel sowie der 22-jährige Urenkel– sind in ein Dagebüller Hotel geladen. „Sie will auch tanzen“, sagt die Tochter. Das habe sie schon immer geliebt und für die Feier extra noch ein wenig geübt. „Es sind Menschen, mit denen ich viel zusammen war und es gibt auch Leute dabei, die hat man Jahr und Tag nicht gesehen und da hat man sich dann viel zu erzählen“, sagt die Jubilarin und lacht.

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