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Nordfriesland Tageblatt

24. Oktober 2017 | 12:28 Uhr

Zug um Zug in die Vergangenheit

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Der Technische Bahnamtsrat a.D. Georg Böhm bietet im Auftrag der Volkshochschule Führungen auf dem Bahnhofsgelände an

von
erstellt am 12.Sep.2013 | 11:15 Uhr

Als der Technische Bahnamtsrat a.D. Georg Böhm zu einer Fahrt in die Vergangenheit des Bahnhofs Niebüll einlud, wollten seinen Zug nur wenige Passagiere besteigen. Ihnen vermittelte der in Dagebüll lebende Pensionär im Auftrag der Volkshochschule Niebüll eine Reihe von Daten und Fakten, die deutlich machen, dass auch die einst winzige Bahnstation Niebüll ihre Geschichte hat.

Mitgenommen in den „Zug der Zeit“ wurde das Dorf Niebüll 1887, als die Bahn entlang der Westküste bis hinauf nach Ribe gebaut wurde. Folgerichtig bezeichnete man sie als „die Marschbahn“, wie sie umgangssprachlich auch heute noch genannt wird, obwohl auf ihren Gleisen aktuell hochmoderne IC rauf und runter flitzen. Damals herrschte zunächst das Bestreben vor, die West- mit der Ostküste zu verbinden – sowohl im früheren Nordschleswig als auch zwischen Altona und Kiel oder Flensburg und Tönning. Erste Anfänge des Bahnbaues nach Norden datieren aus der Zeit um 1845 – zunächst bis Elmshorn, dann langsam weiter nach Norden: von Itzehoe nach Heide und Bredstedt-Ribe.



Entscheidung für Niebüll




Um die Station Niebüll (als Bahnknoten) gab es zunächst Fragezeichen. Sollte es statt Niebüll nicht besser Leck sein? Man entschied sich für Niebüll, von wo die Bahn 1889 nach Flensburg und 1895 nach Dagebüll (zunächst schmal-, ab 1926 normalspurig) abbog.

Niebüll entwickelte sich dann zunehmend zur Station mit einiger Bedeutung, zumal Anfang der 1920-er Jahre bereits in Richtung Sylt „gedacht“ und wenige Jahres nach dem Bau des Hindenburgdamms auch Realität wurde. Niebüll hatte bereits einen Wasserturm – Tränke für die Dampfrosse. Heute ein Wahrzeichen mutiert, das dank fleißiger Handwerksburschen restauriert und mit dem stilvollen Fachwerk verziert wird. Noch in den Zwanzigern kamen zwei Stellwerke hinzu, die noch heute „mechanisch“ betrieben werden und als „denkmalsschützerisches“ Kleinod gelten.

Nach dem Krieg war es zunächst der sprunghaft ansteigende Autoverkehr zur Insel der „Schönen und Reichen“, der im Bau eines supermodernen „AutoZug-Terminals“ gipfelte. 1991 kam das Aus der Deutschen Bundesbahn, die sich in eine „DB AG“ verwandelte – und in 13 Geschäftsbereiche zergliedert wurde. Dem Bahnhof Niebüll wurden die Funktionen Reise & Touristik, Nahverkehr (NOB), Güterverkehr (NEG), Bahnsteige/Station, DB-Autozug und Dänemarkverkehr zugeordnet.

Vieles von den Grundstrukturen ist erhalten geblieben, das meiste jedoch den Erfordernissen der Zeit angepasst worden wie das gut gelungene Outfit des Bahnhofs mit seinen auf Einstiegshöhe angehobenen Bahnsteigen, der neuen Bahnsteigüberdachung und den behindertengerechten Neuerungen, den Fahrstühlen.



Warten auf Modernisierung




Jahrzehnte lang musste Niebüll auf die Modernisierung seines Bahnhof warten. Jetzt ist sie fast abgeschlossen. Es soll sich – so heißt es – noch etwas am Äußeren zur Bahnhofstraße hin ändern sowie an den Toiletten.

Was Bestand behalten wird, ist die Geschichte des einst winzigen Bahnhofs, von dem aus man in alle vier Himmelsrichtungen in den Zug steigen konnte. Heute steuern von hier aus an die 3000 bis 4000 Menschen die Insel Sylt oder ein fernes Ziel an.

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