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Bahn-Verkehr : Züge durch Fahrlässigkeit entgleist

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Die Staatsanwaltschaft informiert über Ermittlungsergebnisse zu drei Unfällen in und bei Niebüll. Auch zum RDC-Autozug gibt es Neuigkeiten.

shz.de von
erstellt am 22.Jun.2016 | 16:40 Uhr

Die Rangierunfälle am Niebüller Bahnhof im vergangenen Jahr wurden durch fahrlässiges Verhalten verschuldet. Das teilte die Staatsanwaltschaft in Flensburg auf Nachfrage mit. Alle Verfahren wurden eingestellt.

Verspätungen, technische Probleme mit den Zügen, defekte Fahrkarten-Automaten – beinahe alltägliche Ärgernisse für Pendler zwischen Niebüll und Sylt. Rund 160 Zugfahrten und 250 Rangierfahrten gibt es der Bahn zufolge rund um den Bahnhof Niebüll jeden Tag. Das wirkt sich auch auf den Straßenverkehr aus: Autos und Passanten stauen sich oft an den Schranken an der Gather Landstraße. Genervt sind schon lange viele Menschen von dieser Situation. Doch ist der zunehmende Verkehr auf den Schienen auch ein Sicherheitsrisiko? Diese Frage stand spätestens im Raum, als Mitte März auch noch ein Triebwagen des Sylt-Shuttle-Plus entgleiste. Es war der dritte Rangierunfall in zwölf Monaten. Zudem war im Juni vergangenen Jahres ein Zug auf dem Weg nach Dagebüll kurz vor Niebüll aus den Gleisen gerutscht. Die Deutsche Bahn und die Norddeutsche Eisenbahngesellschaft Niebüll hatten sich damals gegenseitig die Verantwortung zugeschoben. Die Ursache für die Unfälle blieb unklar. Die Bahn hatte im März auf Nachfrage lediglich an die Ermittlungsbehörden verwiesen.

Zu diesem Zeitpunkt waren die Untersuchungen der Fälle aus dem vergangenen Jahr schon abgeschlossen, wie das Nordfriesland Tageblatt inzwischen von Oberstaatsanwältin Ulrike Stahlmann-Liebelt erfuhr. Es sei davon auszugehen, dass es sich jeweils um „fahrlässiges Augenblicksversagen“ gehandelt habe. Da es keine Verletzten gab, seien alle Verfahren wegen Geringfügigkeit eingestellt worden. In einem Fall habe der Beschuldigte zudem seinen Arbeitsplatz verloren. Auch deshalb habe die Staatsanwaltschaft keine richterliche Strafe angestrebt.

Die Ergebnisse der Ermittler sprechen dafür, dass die Entgleisungen durch unachtsame Mitarbeiter der Bahn verursacht wurden. Gerne hätte das Nordfriesland Tageblatt über den Alltag der Arbeiter berichtet. Die Bahn teilte aber mit: „Aus organisatorischen Gründen können wir Ihnen einen Besuch auf unseren Stellwerken nicht ermöglichen.“ Ein Arbeiter, der sich offiziell nicht gegenüber unserer Zeitung äußern durfte, sagte, die Entgleisungen seien in der Tat durch individuelle Fehler verursacht worden. Die zunehmende Arbeitsbelastung habe allerdings womöglich dazu beigetragen.

Karl-Peter Naumann vom Fahrgastverband Pro Bahn kritisierte, durch den Sylt-Shuttle-Plus sei der Rangieraufwand am Bahnhof unnötig vergrößert worden. Darunter würden die Fahrgäste leiden. „Unabhängig von den Entgleisungen haben wir dort auch massig Verspätungen. Gerade im Sommer wird die Streckenkapazität bis zum Letzten ausgequetscht.“ Hartmut Petersen von der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer bezeichnete die Situation in Niebüll ebenfalls als „hart an der Grenze“. Naumann sagte weiter, die Politik sei gefordert, den Knoten Niebüll umzugestalten. Doch das kann dauern: Im vergangenen Monat wurde lediglich bekannt, dass Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt erwägt, den Bau eines zweiten Gleises zwischen Niebüll und Klanxbüll in den Bundesverkehrswegeplan 2030 aufzunehmen.

Das Unternehmen RDC will seinen Autozug nach Sylt nach den Testfahrten noch in diesem Monat regulär auf die Strecke bringen. „Den Start geben wir aber erst am Tag selbst bekannt“, sagte Meike Quentin, Leiterin der Unternehmenskommunikation bei „RDC Autozug Sylt“. „Wir werden zunächst zweimal am Tag in jede Richtung fahren. Vom Vertrag her könnten wir auch sechsmal je Richtung fahren, aber wir reihen uns im Interesse der Fahrgäste und der Insel Sylt bescheiden ein.“ Das Unternehmen betrachte sein Engagement als „langfristiges Investment“.

Der Sylt-Shuttle der Deutschen Bahn fährt vorerst ebenfalls weiter. Auch langfristig werde es wohl immer mehrere Anbieter auf der Strecke von Niebüll nach Sylt geben, erläuterte Quentin. „Wir fahren ja nur bis Niebüll und bieten auch keinen Personenverkehr an.“ Probleme bei den Absprachen gebe es nicht. Quentin sprach von „guten Kontakten zur Bahn und den Bürgermeistern von Sylt und Niebüll“.

Niebülls Bürgermeister Wilfried Bockholt sagte: „Mein Eindruck ist, dass RDC und Bahn zusammengefunden haben.“ Durch die Personalwechsel in der RDC-Führung im April habe sich für die Stadt nichts verändert. „Wir haben keinen aktiven Kontakt zur jetzigen Geschäftsführung. Wir werden aber über die Gespräche mit den Syltern informiert“, sagte Bockholt. Abstimmungsbedarf bestehe offenbar noch hauptsächlich mit der Insel. Auf den Bahnhof Niebüll sehe er durch die RDC-Fahrten derzeit keine Probleme zurollen.

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