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Ausstellung : „Zu Zweit“: Bilder aus dem Leben

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Ellen Ellrodt-Schmähl stellt bis zum 23. August in der Kulturstation Zollhäuser in Rodenäs Fotos aus ihrem umfassenden Werk aus

shz.de von
erstellt am 29.Jun.2015 | 05:00 Uhr

Eine Bewohnerin eines Seniorenheims, die mit Verve eine Marionnette tanzen lässt, Zwillingsmädchen in Sonntagskleidchen herausgeputzt oder ein vom Einkaufsbummel erschöpftes Pärchen: Zu jedem ihrer Fotos weiß Ellen Ellrodt-Schmähl eine Geschichte zu erzählen. Die 80-Jährige erinnert sich genau daran, wo und wann die Bilder entstanden sind. Wie viele Fotos sie in ihrem Leben gemacht hat? „Ungezählte. Es müssen Tausende sein“, schätzt die Fotografin. 81 davon können Besucher in der Kulturstation Zollhäuser in Rodenäs derzeit betrachten. „Zu Zweit“ heißt die Ausstellung, die sich vom Café über den Treppenaufgang bis in den zweiten Stock erstreckt. Alle Fotos sind schwarz-weiß – dadurch liegt der Fokus auf den Motiven, den Menschen und Situationen aus dem Leben, die Ellen Ellrodt-Schmähl eingefangen hat. Momentaufnahmen, aus dem Bauch heraus fotografiert, erläutert die Künstlerin, die abwechselnd in Rodenäs und Berlin lebt.

„Ich begann – wie viele Mütter – die eigenen Kinder zu fotografieren, beim Spielen und bei Festen auch zusammen mit ihren Freunden“, berichtet Ellen Ellrodt-Schmähl. Es folgten Aufträge von erfreuten Eltern, die sich lebendige Familienfotos wünschten, auch Freunde ließen sich gerne von ihr ablichten. „Ich habe mir dann eine Dunkelkammer eingerichtet und manchmal sogar Geld mit meinen Arbeiten verdient.“ Den interessantesten Auftrag erhielt sie von den zwölf Cellisten der Berliner Philharmoniker. Deren Gruppe hatte sich gerade erst gegründet – und eine dieser Aufnahmen zierte dann das Cover der ersten Schallplatte der Musiker.

Ihre Leidenschaft für das Wirken hinter der Kamera beschreibt Ellen Ellrodt-Schmähl so: „Dass ich so gerne fotografiere, liegt mit daran, dass ich schüchtern bin und eher passiv-beobachtend.“ Von Freunden sei sie nach ihren ersten Erfolgen gefragt worden, ob sie das Fotografieren nicht zum Beruf machen wolle. „Ich hielt mich aber nicht für genügend durchsetzungsstark und entschied mich schließlich, Lehrerin zu werden.“ Zumal sie inzwischen geschieden war und ihr der Lehrerberuf als alleinerziehende Mutter mehr Sicherheit versprach. Dazu musste sie allerdings mit 40 Jahren das Abitur nachholen. „Ich bin eine Spätentwicklerin. Ich habe auch mit 75 noch ein Mal geheiratet“, sagt die 80-Jährige und lacht.

Nach dem Studium an der Pädagogischen Hochschule in Berlin mit Schwerpunkt Kunst unterrichtete sie Grundschüler in Sachkunde, Deutsch und Kunst und widmete sich nebenbei weiter dem Fotografieren. Mit ihrer Pensionierung als Lehrerin intensivierte sie ihre Arbeit hinter der Kamera. Ob auf Reisen, meist in südliche Gefilde, oder dem Christopher Street Day in Berlin: „Es waren immer Menschen, die mich interessierten.“ Ihre Werke präsentierte sie in insgesamt sieben Foto-Ausstellungen in Berlin, die Titel trugen wie „Weibsbilder“, „Mannsbilder“ oder „Alt! Na und?“. Wegen eines immer stärker werdenden Tremors musste sie ihre Fototätigkeit reduzieren. 2009 gab es zum 75. Geburtstag der Fotografin eine weitere Ausstellung, und zwar zum Thema „Theater und Feste“. „Damit hielt ich das Thema Fotografieren für abgeschlossen“, berichtet die 80-Jährige. „Wir dachten eigentlich, Ellens Steckenpferd sei die Kunstgeschichte“, berichten Elke Nord und Barbara Schmidt-Tychsen von der Kulturstation Zollhäuser. Denn dort informiert Ellen Ellrodt-Schmähl mehrmals im Jahr Interessierte über „Vergessene Malerinnen“. Durch Gespräche über Fotografie entdeckten sie, dass sie es nicht nur mit einer Kunstinteressierten, sondern auch mit einer Künstlerin zu tun hatten. „Ich verwahrte die Aufnahmen in einem großen Schrank, in der Hoffnung, dass einer meiner Söhne oder meine Enkelin sie später einmal ausgraben.“ Doch diese Ausgrabung sei nun schon früher geschehen, sagt Ellen Ellrodt-Schmähl lächelnd.


Zu Zweit: Fotografien von Ellen Ellrodt-Schmähl, Zollhaus (Norddeich 3, Rodenäs), Öffnungszeiten: Mi., Do., Fr., Sa,+ So. von 14 - 18 Uhr, bis 23. August

 

 

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