Wetter in Südtondern : Zu warm und zu nass

Statt Schnee überschwemmte Felder: Bereits im September verwandelten sich viele Koppeln Südtonderns in Seenlandschaften.
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Statt Schnee überschwemmte Felder: Bereits im September verwandelten sich viele Koppeln Südtonderns in Seenlandschaften.

Im Sommer wurde vergebens auf die Sonne gewartet, nun fehlt der Schnee: Stattdessen gibt es Regen, Wind und milde Temperaturen.

shz.de von
28. Dezember 2017, 03:35 Uhr

Niebüll | Matschige Wanderwege, Mais, der nicht geerntet werden konnte, überschwemmte Felder, die das Landschaftsbild prägen. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass es ein regenreiches Jahr war. Auch die Weihnachtstage waren alles andere als weihnachtlich, Wind und Regen statt Schnee, bei relativ milden Temperaturen mit bis zu 10 Grad.

Doch manchmal spielt die Erinnerung dem Menschen einen Streich und Zahlen sprechen eine ganz andere Sprache, wie war es wirklich, das Wetter 2017? Hat es wirklich überdurchschnittlich viel Regen gegeben oder war dieser nur so geballt in den letzten Monaten? Wird es nochmal richtig kalt? Das Nordfriesland Tageblatt hat den Hobby-Meteorologen Gerd Müller dazu befragt.

Der hat eine Messstation in seinem Garten und die Daten der letzten Jahrzehnte parat. „Es könnte tatsächlich noch ein Rekord-Regenjahr werden“, erklärt Müller. Der sogenannte Klimawert liegt bei 855 Millimeter Niederschlag, das ist ein Durchschnittswert, der sich aus den Aufzeichnungen von 30 Jahren ermittelt. Er wurde errechnet von 1981 bis 2010. „In diesem Jahr liegt der Wert bei 1063 Millimeter, das ist der zweithöchste Wert der letzten 27 Jahre“, so Müller gestern zur Mittagszeit.

Das Rekordjahr war 2015, dort gab es 1096,5 Millimeter Niederschlag. Der Hobby-Meterologe sagt aber auch, dass der Niederschlag nicht kontinuierlich ansteige: „Das geht auch mal wild durcheinander, das Jahr 2016 war beispielsweise ein sehr trockenes Jahr, das hing mit dem sehr warmen September zusammen, da hat vier Wochen lang die Sonne geschienen“, so Müller. Man könne aber schon sagen, dass es insgesamt feuchter werde – und wärmer. „Im Grunde ist es 1,8 Grad zu warm, das Klima verändert sich und das ist ja auch deutlich zu merken.“ Gerd Müller kann sich selbst nicht erinnern, jemals so oft aus seinem Fenster geschaut und überschwemmte Wiesen gesehen zu haben.

Bemerkenswert sei auch der extrem feuchte und milde Oktober, so Müller weiter. Überhaupt habe sich die Niederschlagsmenge in den Herbstmonaten geläppert. „Wir hatten vier extrem regnerische Monate in diesem Jahr“, so Müller.

Und wie sind die Prognosen für Silvester und Neujahr? „Wenn ich die aktuellen Regenprognosen nehme, dann wird der Rekord wohl nicht geknackt“, erklärt Müller. Aber man solle auch nie nie sagen. Gerd Müller denkt dabei an den Freitag vor knapp zwei Wochen: „Da habe ich an einem Tag 31 Millimeter Niederschlag gemessen. Das ist immer abhängig, wie es zieht und wo es hängen bleib.“

Für das Wochenende zum Jahreswechsel prognostiziert Müller milde Temperaturen. „Wir haben eine stramme Westströmung. Momentan sieht es so aus, als wenn es regnerisch wird, zeitweise windig mit Sturmböen und eventuell ein paar Stunden Sonne.“

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