Ziel: Schüler für Pflege begeistern

Die Beteiligten des Netzwerks blicken optimistisch in die Pflegezukunft.
Die Beteiligten des Netzwerks blicken optimistisch in die Pflegezukunft.

Das Konzept Care4future soll jungen Menschen auf regionaler Ebene authentische Einblicke bieten / Demnächst startet ein neuer Kurs

shz.de von
29. September 2017, 16:47 Uhr

Einen Weg aufzeigen, wie junge Menschen auf interessante und authentische Art und Weise mit dem Pflegeberuf in einen positiven Kontakt kommen – das soll das Konzept „Care4future – Pflege hat Zukunft“. In Kooperation mit der Stiftung Uhlebüll, der Akademie für Gesundheits- und Sozialberufe, der Offenen Ganztagsschule und der Gemeinschaftsschule Niebüll wird demnächst ein neuer „Care4future“-Kurs im Rahmen der Offenen Ganztagsschule gestartet. Um den Pakt zu besiegeln, trafen sich die Bündnispartner in der Mensa der Gemeinschaftsschule.

Das Konzept zur Berufsorientierung vernetzt auf regionaler Ebene Pflegeschulen, allgemeinbildende Schulen, Unternehmen der Gesundheits- und Sozialwirtschaft und die Arbeitsagenturen über einen Zeitraum von einem Schuljahr. Das Berufsorientierungs-Angebot findet im Rahmen der Offenen Ganztagsschule in Niebüll statt. Diese Konstellation bedeutet für alle Netzwerkpartner, dass sich der jeweilige Aufwand in Grenzen hält, da die aufkommenden Aufgaben sehr gut verteilt werden. Schulleiter Peter Sander begrüßte die Beteiligten, bevor Bürgermeister Wilfried Bockholt das Wort ergriff. „Das größte Problem ist heute, wer macht es, wer arbeitet in der Pflege?“ Er freue sich, dass die Gemeinschaftsschule beteiligt sei, auch vor dem Hintergrund, dass nicht jeder Abitur machen müsse. Er bedauerte, dass die Bezahlung eine Familie nicht ernähren könne: „Das ist derzeit unrealistisch.“ Gleichwohl betonte der Bürgermeister die Wertschätzung des Berufs. „Pflege macht Spaß!“ Er könne es durchaus beurteilen, da er als Pfleger während des Zivildienstes bis 1978 in der Diako Flensburg gearbeitet habe. Für diesen besonderen Beruf müsse man ein „Herz für die Menschen haben“.

Anna Meiners und Lena Prien vom Paritätischen Wohlfahrtverband legten in der Folge konkrete Zahlen zur Situation der Pflege vor. Jessica Hernández und Malike Gümrükcü (beide Contec GmbH) informierten als Ansprechpartnerinnen für Care4future die Anwesenden über die Konzeption. Kern ist das Peer-Learning: Auszubildende der Pflegeschule bringen den Schülern des Kurses den Pflegeberuf näher, Ziel: Kommunikation auf Augenhöhe und ein authentischer und ehrlicher Einblick in den Beruf. Durch die Begleitung der Auszubildenden ist zudem eine Betreuung während des zweiwöchigen Praktikums in einer Pflegeeinrichtung (in diesem Fall ist es der Friesische Wohnpark der Stiftung Uhlebüll) garantiert. Bei diesem Höhepunkt des Kurses werden die Schüler von den Azubis der Akademie für Gesundheits- und Sozialberufe als Mentoren begleitet. Die Auszubildenden erwerben in ihrer Tätigkeit als Dozenten wichtige didaktische Kompetenzen, erweitern ihre Soft Skills und können auch ihr bereits erlerntes Wissen vertiefen. Neben der regionalen Ausgestaltung des Curriculums besteht auch die Möglichkeit einer Kooperation zwischen Kranken- und Altenpflege. Ein weiterer wichtiger Aspekt der Kurse ist die Vermittlung von Kompetenzen wie Sozialkompetenz, Methodenkompetenz oder persönliche Kompetenz, die für den Berufseinstieg unumgänglich sind.

Gerd Heide, Bündispartner Volkshochschule Niebüll, betonte, dass er froh sei, durch die Offene Ganztagsschule den Rahmen für den Kursus stellen zu dürfen. Der Initiator für den Niebüller Pakt, Knut Henningsen (Vorstand Stiftung Uhlebüll): „Wir wollen Fachkräfte vor Ort ausbilden, sehen die Heranziehung von Arbeitskräften aus dem Ausland eher kritisch. Wir wollen junge Menschen für diesen tollen Beruf begeistern.“ Lehrerin Levke Matzen, fügte hinzu. „Wir werden garantiert Schüler erreichen, die sich dafür interessieren. Es gibt viele Vorteile. Die Jugendlichen schauen hinter die Kulissen, haben einen Praktikumsplatz später sicher, bekommen am Ende des Kurses sogar ein Zertifikat.“ Nadine Axelsen-Dentz von der Flensburger Akademie für Gesundheits- und Sozialberufe ist ebenfalls zuversichtlich. „Wir haben jetzt mit zwei voll besetzten Klassen zu je 25 Schülern das neue Ausbildungsjahr begonnen.“

Vielleicht ein Silberstreif am Horizont – doch ohne eine Anhebung der Vergütung – derzeit verdient ein Krankenpfleger deutlich mehr als ein Altenpfleger, wird eine Trendwende nicht zu schaffen sein.








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