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Nordfriesland Tageblatt

18. Dezember 2017 | 19:46 Uhr

Kletterpartie : Zapfenernte in 35 Metern Höhe

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Zu Aufforstungszwecken werden im Karlumer Wald die Zapfen der Weißtannen abgeerntet. Um an die kostbaren Früchte zu gelangen müssen Karl-Heinz und Ralf Hirsch bis in die Baumwipfel klettern. Die Beute lohnt sich: In drei Wochen kommen schnell bis zu 2,5 Tonnen Zapfen zusammen.

shz.de von
erstellt am 21.Sep.2013 | 05:45 Uhr

Karlum | Ein mehrfaches, lautes Plopp lässt aufhorchen im Karlumer Forst. Beim Orten der Geräusche wird man auf „Zapfenregen“ aufmerksam, und beim genaueren Hinschauen entdeckt man die Zapfenpflücker. Gut 35 Meter hoch in den Wipfeln der 110 Jahre alten Bäume ernten Karl-Heinz und Ralf Hirsch die Zapfen der Weißtannen.

„Tannenzapfen kann man nicht im Wald sammeln“, räumt Förster Jörn-Hinrich Frank mit einem Irrglauben auf. Das, was auf der Erde liegt, sind Fichtenzapfen. „Tannenzapfen stehen an den Bäumen und müssen gepflückt werden“, erklärt der Förster. Unreif müssen die Zapfen sein, denn ansonsten platzen sie auf dem Baum auf, und die Saatkörner trudeln mit ihren Propellern ähnlich wie beim Ahorn, herunter. Gebraucht wird die Saat für das Heranziehen neuer Bäumchen, denn die Winzlinge, die auf dem Waldboden wachsen (Naturverjüngung), reichen nur in der Nähe der Mutterbäume. Für Aufforstungen und Pflanzungen im Wald, in dem die Weißtanne fehlt, wird „neue Ware“ benötigt.

Während im ostholsteinischen Bereich die Saat der Laubbäume sehr gefragt ist, stehen in Nordfriesland die Samen der Douglasie und Weißtanne hoch im Kurs. „Bei der Douglasie haben wir leider im dritten Jahr keine lohnende Ernte“, bedauert Jörn-Hinrich Frank.

Gut, aber nicht hervorragend ist in diesem Jahr der Ertrag in den Weißtannengebieten in dieser Region. Innerhalb von drei Wochen holen die Brüder Hirsch 2,5 Tonnen Zapfen in dem Langenberger, Karlumer und Süderlügumer Forst von den Weißtannen. Pro Baum ernten sie rund 15 Kilogramm, in guten Jahren können das auch schon mal 30 Kilogramm pro Baum sein.

Laut Saatgutgesetz kann nur in behördlich zugelassenen Beständen unter Aufsicht der Saatgutkontrollstellen geerntet werden. „Mindestens 20 Bäume pro Bestand müssen bei einer Ernteaktion abgepflückt werden, um eine Vielfalt der Nachkommen zu erzielen“, klärt Karl-Heinz Hirsch auf. Außerdem, so weiß er, müssen die Bäume über 100 Jahre alt sein. Die Weißtanne vor seinen Augen schätzt er auf 118 Jahre. Die knapp zehn Meter hohe Leiter gibt ihm Starthilfe, danach ist durch Leinen gesichertes Klettern erforderlich. „Wir müssen teilweise vierzig, fünfundvierzig Meter in die Höhe“, sagt der Zapfenpflücker. Was bei ihm so behände und leichtfüßig aussieht, basiert auf vierzigjährige Erfahrung – ein Ende ist nicht in Sicht. „Das Arbeiten in der Natur bringt mir Spaß“, meint der 60-Jährige, der in ganz Deutschland auf die Bäume steigt.

Bevor die Hirsch-Brüder ans Werk gehen, überprüfen sie die Erntewürdigkeit der Zapfen. Ein Schnitt gibt preis, ob es sich nicht um eine „taube Nuss“, die nicht bestäubt wurde, handelt. „Es müssen weiße, reife Nüsse vorhanden sein, mindestens zehn pro Zapfenschnitt“, demonstriert der Förster. Er zeigt sich zufrieden mit dem Resultat der Zapfenernte. Diese kommt in die Darre. Dort, bei warmer Luft und ständiger Rotation werden die Zapfen und Samen voneinander getrennt. Nach dieser Klengung (Samengewinnung) beginnt die Reinigung und das Abtrennen der Samenflügel. Die Saat ist jetzt „reif“ für die Züchtung in den Baumschulen. Es dauert zwei bis fünf Jahre, bevor die kleinen Weißtannen in die Wälder umziehen. Vornehmlich werden sie in die Region gepflanzt, aus denen die Saat stammt. „Die Bäume sind an ihre Standorte angepasst und wachsen hier gut“, meint Jörn-Hinrich Frank.

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