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Nordfriesland Tageblatt

23. Oktober 2017 | 02:57 Uhr

Würdiger Platz für Gedenkstein

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Erinnerung an die im Zweiten Weltkrieg gefallenen und vermissten Bauern aus Südtondern und die Geschichte der Landwirtschaftsschule

shz.de von
erstellt am 10.Dez.2013 | 17:38 Uhr

Erinnern und Gedenken gerät am besten, wenn es konkret wird. Das erklärte Pastorin Friederike Harbordt in einer Feierstunde auf dem Parkfriedhof, wo ein Gedenkstein eingeweiht wurde, der an 125 im 2. Weltkrieg gefallene und vermisste Bauern erinnert. Es sei gut, wenn eine anonyme Masse anschaulich wird. „Sie wird mit diesem Stein konkret.“ Die Feierstunde, umrahmt vom Feuerwehrmusikzug Emmelsbüll-Horsbüll, endete mit einer Kranzniederlegung.

Der Gedenkstein verweist auch auf die Geschichte der Landwirtschaftsschule von 1913 in Tondern, die 1921 nach Niebüll wechselte und 1998 aufgelöst wurde. 1952 zur Zeit von Schuldirektor Franz Hjuler wurde an der Schule Gotteskoogstraße 22 der Stein aufgestellt, der an die 125 Toten erinnert, allesamt ehemalige Landwirtschaftsschüler und namentlich in einem Verzeichnis aufgeführt, das unauffindbar geblieben ist. 1958 wurde der Stein in den Garten des Schulneubaus umgesetzt, der heute das Diakonische Werk beherbergt. Seit Auflösung der Schule fristete der Gedenkstein, obwohl von der Beruflichen Schule gepflegt und an Volkstrauertagen besucht, ein nahezu unbeachtetes Dasein.

Das brachte die beiden ehemaligen Landwirtschaftsschüler Hellmuth Freitag und Wolfgang Stapelfeldt auf den Gedanken, den Gedenkstein an einen würdigeren Platz umzusetzen. Nach dem Motto „Wenn nicht wir, wer dann?“ planten die beiden die Umsetzung des Findlings mitsamt seinem Fundament. Für die beiden Ehemaligen, die noch einen Bezug zur vergangenen Epoche haben, war es ein Herzenswunsch.

Stapelfeldt berichtete in der Feierstunde in der Osterkapelle einer großen Anzahl von Angehörigen der Landwirtschaft, von Bürgern aus Südtondern und Offiziellen über das „Unternehmen Ehrenmal“, das sich angesichts der vielen Helfer und Spender zu einem Gemeinschaftswerk entwickelte. Stapelfeldt dankte allen, die Anteil daran hatten, führte sie namentlich auf und verband mit seinem Dank auch die Hoffnung, dass die Nachfahren die Epoche, an die der Gedenkstein erinnert, nicht vergessen mögen.

„Ich finde es großartig und bin dankbar dafür, dass vielen Familien so die Erinnerung erhalten bleibt“, erklärte der Bundestagsabgeordnete Ingbert Liebing. „Ich bin dankbar, dass wir diesen Ort für den Gedenkstein gefunden haben“, erklärte Bürgermeister Wilfried Bockholt, „denn Kinder und Enkel werden eines Tage keine Zeitzeugen mehr haben, die von damals erzählen können.“ Der Gedenkstein erinnere sowohl an die Toten als auch an ihre Frauen und Kinder, die damals das Leben aufrechterhielten, als ihre Männer und Söhne im Krieg waren.

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