Konzert : Wortstark und stimmungsvoll

Gewinner-Poetin: Jaqueline Lindemeier (r).
Gewinner-Poetin: Jaqueline Lindemeier (r).

„Streichzart & Ungesalzen“: Fairer Abend mit Poetry-Slam und der Mundwerk-Crew lockte viel junges Publikum in den Charlottenhof.

shz.de von
13. Juli 2015, 05:00 Uhr

Die beiden Freiwilligen des kulturelle Jahres, Marie Wilke und Clara Kienlein, hatten unter dem Titel „Streichzart & Ungesalzen“ zum Abschied in den Charlottenhof geladen – und lockten viele Interessierte: Die Resonanz zu Kultur, Musik und dem Themenkreis „Fairness, Kultur, Toleranz“ war mit über 100 zahlenden Gästen sehr gut.

Am Nachmittag präsentierten sich im Kuhstall verschiedene Organisationen, unter anderem Engagierte des Vereins Küste gegen Plastik, der Initiative „Go!müse“, die AG Plastiktüte der Stadt Niebüll, der Niebüller Kinder- und Jugendbeirat, zudem Infostände zum Freiwilligen Ökologischen Jahr, und vom Beratungszentrum für Opfer rechtsradikaler Gewalt der Stadt Flensburg und das Jugendnetzwerk Lambda. Ein informativer Rundgang lohnte sich; hier konnte man sich mit Material und Infos eindecken.

Mit einem aufregendem Poetry-Slam ging es später weiter. Moderator Sebastian Hahn aus Bremen organisierte gemeinsam mit sechs anderen Slammern den Wettbewerb. Siegerin des Abends wurde Jacqueline Lindemeier aus, sie überzeugte mit einem genialen „Poetry Slam op Platt“-Auftritt. Ihr erstes Stück ging um Sportunterricht und die Gefühle dabei: Die Mitschüler, die einen auslachen, sind wenig später wieder Freunde. Spannend war auch ihr zweiter Text „gegen den Mainstream zu handeln“. Schon mehr als 20 Mal stand sie bei Poetry Slams in ganz Schleswig-Holstein auf der Bühne, nachdem sie vor zwei Jahren als Schülerin einen ersten Erfolg hatte. Auch die Texte der wortstarken Mitbewerber drehten sich um Toleranz und das Miteinander, oft auch als Selbstreflexion. Der Siegertext war eine fantasievolle Adaption des Märchens „De Fischer und sien Fru“ – gemünzt auf ein Bauernpaar im „Königreich Nordfriesland“. „Datt eenzige, watt een beeten störte, weer datt frohe Opstohen jeden Morgen, weil datt Veeh nunmol keen Wuchenende kennt und jümmers melkt warn will. Datt funn vör allem sien Fruu nich good, de een utmokte Langschläferin weer“. Am Ende verschlägt es die Frau, wohin sie nach Meinung des zauberhaften Plattfisches gehört – nach Dithmarschen.

Zum Abschluss des Abends trat die achtköpfige HipHop Band aus dem Chiemgau auf. Ein fast privater Freundschaftsdienst an die beiden Organisatorinnen. Coole Texte mit funkigen Rhythmen, eingängige Melodien und stampfende Beats, sehr geeignet zum Tanzen. So geschah es dann auch: Junge Frauen bildeten vor der Bühne eine undurchdringliche Frontlinie; und das war gut so. Denn die groß gewachsen Nordfriesenjungs drohten den Blick auf die Band zu verstellen.

Das wäre schade gewesen: Denn hinter den beiden Sängern Touze und Sebaino am Mikrophon hatte sich eine Truppe klasse Musiker versammelt. Deren Trompete, Schlagzeug, Gitarren und Keys sorgten für gewaltige Klänge und musikalischer Rasanz im Dauer-Rhythmus. Beim „Bouncen“ – sieht aus, als wenn jemand die Heckklappe beim Auto zuschlägt – erhoben sich die rechten Arme. Ein Fall für die Stilpolizei? Nein, aber etwas irritierend ist es dennoch, wenn synchron die Arme hochgehen. Getanzt wurde jedenfalls bis „zum Abwinken“.

Danach wurde noch lange geklönt. „Einfach super!“, brachte eine Besucherin aus Risum-Lindholm den Abend auf den Punkt.


 

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