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Jazz und Ragtime : Wolke sieben für Musikliebhaber

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Gottfried Böttger & Band präsentieren fulminantes Konzert im Leck-Huus / Zuhörer bekamen unterhaltsamen Einblick in die Welt des Jazz

shz.de von
erstellt am 13.Dez.2015 | 18:40 Uhr

Man nehme ein Klavier, ein Schlagzeug und drei hervorragende Musiker. Dieses Rezept war der Garant für ein erfolgreiches Konzert im Leck-Huus. Gottfried Böttger & Band ließen mehr als 90 Zuhörer auf Wolke sieben in den Musikhimmel entschweben.

Gottfried Böttger wollte keine große Vorstellung, er setzte sich einfach ans Klavier und intonierte „Jelly-Roll-Blues“. Das Mitklatschen funktionierte wie von selbst. „Ich bin überrascht, erstaunt und ehrfürchtig, hier im hohen Norden solch einen wunderbaren Raum zu finden“, blickte der Pianist erfreut in die Runde. Zum ersten Mal stand er auf der Bühne in der alten Scheune und konnte mit seiner Begeisterung nicht hinterm Berg halten: „Wenn das so weitergeht, wie ich es im Gefühl habe, wird das ein unvergesslicher Abend.“ Er sollte Recht behalten.

Den Grundstein aber legte Gottfried Böttger selbst: Sein meisterhaftes Spiel würzte er mit historischem Hintergrund und humorvoller Moderation. Die Zuhörer reisten gern mit ihm durch die Geschichte des Jazz, der auf drei Wurzeln basiert: Gospel & Spirit, Ragtime und Blues. So alt und doch so neu hörten sich beispielsweise der über 300 Jahre alte Gospelsong „Sometimes I feel like a motherless child“ an oder „Everytime I feel the spirit“ – enstanden 1890. Woher kommen all die Melodien, die um 1900 den Jazz ausmachten? „Die können doch nicht nur in New Orleans entstanden sein“, hatte der Musiker angefangen zu recherchieren und lieferte wiederum ein Beispiel: Den „Amazon-Rag“ von Scott Joplin erkannten die Zuhörer erst, als Böttger ihn in den Dreivierteltakt zurückversetzte. Es war „Leise rieselt der Schnee“. Diese Weise hatte ein Pfarrer aus Thüringen 1870 bei seiner Auswanderung mit in den Süden der USA genommen. Die Klänge hatten Scott Joplin anscheinend zu seinem Ragtime motiviert.

Mit dem Blues und weiteren Stationen der Jazz-Geschichte kamen schließlich Schlagzeuger David Herzel und der Pianist Eeco, beide bekannt durch ihre Auftritte im Leck-Huus mit ihrer Band „Boogielicious“, ins Spiel. Was passiert, wenn zwei Pianisten sich ein Klavier teilen und ein Schlagzeuger seine Drums bearbeitet? Ein fulminantes Konzert! Eeco und David Herzel sind Könner auf ihren Instrumenten, touren durch die ganze Welt, und fühlen sich beim Boogie-Woogie, Ragtime und Blues zuhause. Die neue Musikrichtung Boogie-Woogie war übrigens 1930 erstmals bei einem Konzert in der berühmten Carnegie-Hall zu hören – und eroberte die Welt fast im Funkenflug. Gottfried Böttger hatte seine eigene Idee, wie dieser Musikstil erfunden wurde: „Mozart am Klavier, allein zu Haus.“ Überaus amüsant.

Gottfried Böttger, der als legendärer Boogie-Woogie- und Ragtime-Pianist mit bekannten Musikgrößen zusammengearbeitet hat, wertschätzte Eeco und David Herzel über alle Maßen, was er unmissverständlich zu verstehen gab. Ob als Trio oder Duo mit wechselnden Pianisten, die Musiker begeisterten ausnahmslos. „Das ist Weltklasse. Schön, dass es so etwas in Leck zu hören gibt“, meinte unter anderem Dr. Michael Friemel.


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