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Wolfssichtung bei Leck : Wolfsfoto auf Facebook - Ärger in Nordfriesland

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Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Der Wolf war eine „Ente“: Ein bei Facebook gepostetes Tierfoto kommt nicht wie behauptet aus Leck. Dennoch mischt es Nordfriesland auf.

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erstellt am 09.Dez.2015 | 14:09 Uhr

Leck | Noch am Abend, gegen 20 Uhr, klingelten die ersten bei Förster Jörn Frank durch. Besorgte Eltern riefen an und fragten, ob sie ihre Kinder überhaupt noch in den Waldkindergarten schicken könnten. Verunsicherte Spaziergänger und Jogger holten sich Rat, inwieweit das Gebiet sicher sei. Und auch Förster anderer Reviere meldeten sich, die ihrem Kollegen zum „Sechser-im-Lotto“ gratulieren wollten.

Denn das, was alle derart in Aufregung versetzte, war ein Foto von einem Wolf, das eine Bürgerin am Montagabend gegen 18 Uhr im Internet postete. Ein Bekannter habe das Tier im Langenberger Forst gesehen und ablichten können. Eine Nachricht, die sich daraufhin im Internet wie ein Lauffeuer verbreitete. Immerhin sind solche Bilder von den menschenscheuen Tieren eine echte Sensation. In Fachkreisen gelten sie als Lottogewinn.

„Dass ein Wolf gesichtet und fotografiert wird, kommt wirklich ganz, ganz selten vor“, bestätigt Jens Matzen von der Wolfsbetreuung in Schleswig-Holstein, der in den vergangenen 20 Jahren selbst nur zwei Mal das umstrittene Raubtier zu Gesicht bekam, eins davon in Schleswig-Holstein. Das Wolfsinformationszentrum in Eekholt war ebenfalls über den angeblichen Schnappschuss informiert worden. „Was bei uns dann eine Maschinerie in Gang setzt“, erklärt Matzen. Geprüft werden muss, ob die Angaben stimmen.

Hinweise, dass Wölfe durch Schleswig-Holstein streifen, gibt es immer mal wieder. Meist sind es Trittsiegel, Haarbüschel oder Fraßspuren, die nach näheren Untersuchungen ein Vorkommen bestätigen. Häufiger kommt es aber auch vor, dass Bürger einen Wolf fotografiert haben wollen – was sich in den meisten Fällen jedoch als Ente herausstellt. „Dann ist der Wolf in Wirklichkeit ein Hund oder eine Fälschung“, bedauert Matzen, weshalb die Experten jeden Hinweis im Detail prüfen. Sie lassen sich beispielsweise vor Ort zeigen, wo eine Fotoaufnahme entstand. Und sie kontrollieren, ob die auf dem Bildmaterial sichtbare Umgebung (inklusive Vegetation) zum Fundort passt. Weil Matzen der Hang im Bildhintergrund stutzig machte, schickte der ehrenamtliche Wolfsbetreuer das Foto am Dienstagmorgen dann bundesweit an seine Kollegen, mit der Frage, ob es jemand erkenne. Matzen: „An die wenigen Wolfsaufnahmen, die es überhaupt gibt, können sich die Betreuer nämlich gut erinnern.“

So war es dann auch. Was selten ist, bleibt im Gedächtnis. Gegen Mittag war Schluss mit Südtonderns Sensation. Wie sich herausstellte, lief der Wolf nicht etwa im Langenberger Forst vor die Kamera, sondern bereits 2014 im Allgäu. Das Foto entpuppte sich als Standbild aus einer Filmsequenz, die damals im Rahmen eines bundesweiten Wolfsmonitorings entstand.

Für Förster Jörn Frank, dem selbst noch nie einem Wolf in freier Natur begegnete, sei der Vorfall eine Warnung, dass Hinweise aus sozialen Netzwerken mit Vorsicht zu genießen seien. Ungeprüft schüren sie bei einigen Ängste oder Verunsicherungen, bei Wolfsfreunden wiederum unbegründete Hoffnung. „Aber egal, wie man zum Wolf steht, am Ende wurden alle an der Nase herumgeführt.“ Der Wirbel um den Wolf habe letztendlich nur viel Energie gekostet, ärgert sich der Lecker, der den Forst bereits nach weiteren Wolfsspuren abgesucht hatte – und vorerst nun doch keinen Sechser im Lotto hat.

 

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