Wohlklang ohne Worte

Im Lecker Rathaus spielten Juri Schmahl (Oboe) und Philipp Heiß (Klavier) Stücke aus zwei Jahrhunderten

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04. Mai 2016, 10:32 Uhr

„Vocalise: Lieder ohne Worte,“ so lautete das Thema des bereits 237. Konzertes der Musikfreunde in Leck und Umgebung e.V., mit dem Juri Schmahl (Oboe) und Philipp Heiß (Klavier) als perfekt aufeinander eingespieltes Duo ihre rund 110 Zuhörer Lecker Rathaus begeisterten. Die Interpreten, die beide der Bundesauswahl des Deutschen Musikrates angehören, warteten auf künstlerisch herausragendem Niveau mit Werken aus dem 19. und 20. Jahrhundert auf, überwiegend mit Originalkompositionen, aber auch mit Bearbeitungen. Sie alle waren durch die menschliche Stimme – also den Gesang – inspiriert.

Bevor der erste Ton erklang, hieß die stellvertretende Vorsitzende des gastgebenden Vereins, Constance Vogel, das Publikum mit einem Zitat von Robert Schumann willkommen: „Licht senden in die Tiefen des menschlichen Herzens, ist des Künstlers Beruf.“ Für diese Aufgabe sei die Oboe ein besonders geeignetes Instrument, da ihr Ton die Gemüter in besonderer Weise anspreche.

Durch das abwechslungsreiche Programm führten dann die beiden Interpreten selbst. Es begann mit dem sechsteiligen Zyklus „Lieder ohne Worte (op.67)“ von Felix Mendelsssohn-Bartholdy in einer Friedrich Herrmann nachempfundenen Bearbeitung: Wohlklang pur, der unmittelbar ins Ohr ging. Bei der Gestaltung der textlosen Lieder unterschiedlichsten Charakters agierten der Oboist und der Pianist gleichberechtigt und sensibel aufeinander abgestimmt.

Auf musikalische Dialoge ausgerichtet waren auch die nachfolgenden „3 Romanzen für Oboe und Pianoforte (op. 94)“ von Robert Schumann, die der Komponist im Jahre 1849 seiner Ehefrau Clara zu Weihnachten schenkte. Sie weisen ihn als Meister der kleinen Form aus. Die erste der Romanzen bot der Oboe Gelegenheit, ihre Beweglichkeit zu demonstrieren, während die zweite („Einfach, innig“) überwiegend liedhaften Charakter aufwies und die dritte durch einen ständiges Wechsel von Dur- und Mollklängen auffiel.

Mit drei zauberhaften Charakterstücken von Gabriel Fauré setzten Juri Schmahl und Philipp Heiß ihre Darbietungen fort: „Après un rêve“ (op. 7/1), „Clair de lune“ (op. 46/2) und „Siciliènne“ (op. 78). Es ging um das Erwachen aus einem süßen Traum, eine vom Mond beschienene Landschaft und eine heitere Ballettszene.


Pasculli zum Abschluss, Rachmaninow als Zugabe


Zwei selten zu hörende Werke von Maurice Ravel schlossen sich an: „Kaddish“ (Lobpreisung Gottes) aus „Deux Mélodies hébraiques“ und die „Vocalise-étude en forme de Habanera“, bei der die Oboe den Part einer Sängerin übernahm.

Den Abschluss und Höhepunkt des regulären Programms bildeten drei spieltechnisch höchst anspruchsvolle Salonstücke für Oboe und Klavier von Antonino Pasculli, der einst als Oboenvirtuose durch Europa tourte. Er griff mit Vorliebe auf Themen aus berühmten Opern zurück, die er zu mitreißenden Fantasien verarbeitete, um mit ihnen bei Konzerten glänzen. Die von Juri Schmahl und Philipp Heiß ausgewählte Komposition basiert auf Auszügen aus der Oper „La Favorita“ von Gaetano Donizetti. Bei der Interpretation dieses Werkes galt es für beide Instrumentalisten, Tonleitern in atemberaubendem Tempo auf und ab zu jagen, von Trillern durchsetzte, gebrochene Akkorde zu verarbeiten und dennoch den Schlusston ganz ruhig ausklingen und verebben zu lassen. Wie Juri Schmal dies atemtechnisch bewältigte, blieb für das begeisterte Publikum ein Geheimnis.

Für dessen lebhaften Schlussapplaus bedankte sich das Duo noch mit einer Zugabe von Sergej Rachmaninow: „Vocalise“.

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