Wildtiere : Wölfe auf Durchreise in Südtondern

Wolf auf Wanderschaft: Für die ausdauernden Tiere sind auch Barrieren wie der Nord-Ostsee-Kanal kein Hindernis.
Der Wolf ist ein scheues Tier.

Experten gehen davon aus, dass auch Südtondern auf der Route von Wölfen liegt. Fotofallen sollen die Querung der Vierbeiner beweisen

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06. März 2014, 05:30 Uhr

Nicht nur Wohnmobilisten und Familien mit voll beladenen Autos steuern regelmäßig zur Ferienzeit das Nachbarland Dänemark an – auch tierische Besucher überschreiten immer öfter die Grenze in Richtung Norden: „Mittlerweile gibt es vier nachgewiesene Wolfssichtungen in Dänemark“, berichtet Jens-Uwe Matzen vom Wolfsinformationszentrum Schleswig-Holstein. „Der letzte Wolf ist im Dezember in der Nähe von Tondern fotografiert worden.“ Für den Experten ist damit klar: Die Tiere sind mit größter Wahrscheinlichkeit durch Südtondern gewandert.

Doch auch wenn der gesunde Menschenverstand diese Route nahe legt – bisher fehlen die Beweise für die Wolfswanderung über das Amtsgebiet. Die Wolfsexperten des Informationszentrums, das dem Kieler Umweltministerium angegliedert ist, und seinen Sitz im Wildpark Eekholt hat, können die Anwesenheit der scheuen Tiere auf unterschiedliche Weise dokumentieren: Im vergangenen Sommer riss ein Wolf in Dithmarschen mehrere Schafe. In solchen Fällen können die Experten anhand der Bissspuren Hunde als Angreifer schnell ausschließen. Ein erwachsener Wolf benötigt täglich etwa drei bis vier Kilogramm Fleisch. Hochgerechnet auf ein Jahr entspricht dies ungefähr 60 Rehen oder 16 Rothirschen.

Auch ihr Pfotenabdruck kann die Tiere überführen. Allerdings muss man den Spuren über eine längere Strecke folgen, da sich die Pfotenabdrücke von Hund und Wolf erst dann sicher unterscheiden lassen. Verrichtet das Wildtier während der Wanderung sein Geschäft, ist dies für die Wolfsjäger wie ein Fingerabdruck am Tatort. „Der Wolfskot kann dann genetisch untersucht werden“, weiß Matzen.

Eine erfolgreiche Methode, um einen kurzen Einblick in das Leben der geschützten Vierbeiner zu erhaschen, stützt sich auf moderne Technik. „Für das Wolf-Monitoring werden Fotofallen eingesetzt“, erklärt Naturschutzbund-Schleswig-Holstein Geschäftsführer Ingo Ludwichowski. Das Wolfsinformationszentrum hat derzeit zwei Fotofallen zum Aufspüren der Tiere im Einsatz. „Das Aufstellen einer Falle kommt dort in Betracht, wo es Hinweise gibt“, sagt Jens-Uwe Matzen. Für diese Orte gäbe es auch in Südtondern keine festen Muster. Die etwa Laptop großen Apparate stünden mal im Wald, in Knicks oder im Gehölz. „Natürlich geschieht das in enger Abstimmung mit den Grundeigentümern.“

Wo die Fotofallen genau aufgebaut werden, will Matzen dabei nicht verraten – die teuren Geräte werden gerne gestohlen. „Dabei kann kein Mensch mit den Fotofallen etwas anfangen, weil er die Bilder nicht auslesen kann, die Geräte sind codiert.“ Die Fallen funktionieren wie Bewegungsmelder, die in Sekundenbruchteilen auslösen. Die Tiere bekommen von dem Fotoshooting nichts mit, denn die Kamera macht ihre Aufnahmen ohne Blitz. Die gesammelten Bildern, die die Naturschützer später auswerten, zeigen oft nicht den gesuchten Wolf, sondern Tiere wie Marder oder Rehe – manchmal bergen die Fotofallen auch Unerwartetes: „Einmal wurde ein Schwarzstorch abgelichtet. das war ein seltenes Erlebnis“, erinnert sich Jens-Uwe Matzen.

Auch wenn der letzte Beweis für die Wolfwanderungen durch Südtondern noch aussteht, Einigkeit herrscht unter den Experten darüber, dass von den tierischen Touristen keine Gefahr für den Menschen ausgeht: „Das schlechte Image der Tiere ist alt und überholt“, findet Jes-Uwe Matzen. Stattdessen seien die Wölfe sehr scheue und ängstliche die Tiere, die jeden Kontakt mit dem Menschen vermeiden würden. „Die Wahrscheinlichkeit, einen zu sehen, ist wie ein Fünfer im Lotto.“

Wolfshinweise melden: wolfsbetreuer@wildpark-eekholt.de und 0174/ 6330335.
 

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