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Nordfriesland Tageblatt

14. Dezember 2017 | 09:34 Uhr

Zu Gast : Wissbegieriger Besuch aus Brasilien

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Gäste aus Südamerika interessieren sich dafür, wie in Ladelund kircheneigene Flächen genutzt werden. Auch Biogasanlagen waren ein Thema.

shz.de von
erstellt am 20.Mai.2014 | 12:23 Uhr

Wie im Norden des Kreises Nordfriesland mit den kircheneigenen Flächen umgegangen wird – das interessierte sechs Besucher aus Brasilien. Auf Anregung von Propst Dr. Kay-Ulrich Bronk suchten drei Geistliche und drei ehrenamtliche Mitarbeiterinnen aus dem Kirchenkreis des Itajai-Tales im südbrasilianischen Bundesstaat Santa Catarina die Kirchengemeinde Ladelund auf.

Die brasilianischen Besucher, Nachfahren deutscher Lutheraner und zur Zeit zu Gast in Bredstedt, wurden unter anderem begleitet von Pastor Hauke Christiansen, Referent an der Ökumenischen Arbeitsstelle Nordfriesland im Evangelischen Regionalzentrum Westküste. Informationen hatten Pastor Hans-Joachim Stuck und der Verwalter des Ladelunder Kirchenlandes, Landwirt Arthur Edlefsen (Westre) für die Gäste aus Südamerika parat. Aus einem im Jahre 2012 im evangelischen Magazin „chrismon plus“ erschienenen Artikel von Helge Buttkereit, überschrieben mit „Mais, Mais, Mais“, gehe hervor, dass die Kirchengemeinde Ladelund bei der Handhabung der Verpachtung ihrer Ländereien eine vorbildliche Rolle spiele, die darauf abziele, dass „alle Bauern sich Land leisten können“, so Pastor Christiansen.

Pastor Stuck und Landwirt Arthur Edlefsen erinnerten daran, dass viele hiesige Landwirte die gesetzliche Möglichkeit wahrgenommen hatten, sich durch den Betrieb von Biogasanlagen – bei zwanzigjähriger Preisgarantie – ein zweites wirtschaftliches Standbein zu schaffen, nachdem im Jahre 2007 die Milchpreise bis zur Unwirtschaftlichkeit tief gefallen waren.

Fortan wurde Grünland zur Mangelware, woraufhin eine Art „Goldgräbersimmung“ ausgebrochen sei. Im Bereich des Kirchspiels Ladelund seien innerhalb von nur zwei Jahren neun Biogasanlagen in Betrieb genommen worden. Um diese betreiben zu können, seien pro Anlage mindestens 400 – oder auch noch mehr – Hektar Land erforderlich.

Die Pachtpreise kletterten von einst 200 auf bis zu 1000 Euro pro Hektar. Das habe auch für die beiden von Pastor Stuck betreuten Kirchengemeinden Ladelund und Karlum verlockt, ihre insgesamt gut 100 Hektar umfassenden Ländereien für viel Geld zu verpachten, anstatt es traditionell bewirtschaften zu lassen. Sie hätten der Versuchung aber widerstanden. In Karlum habe man die Pachtverträge sogar so festgelegt, dass ein Anbau von Mais für die Verwertung in Biogasanlagen nicht gestattet sei. Positiv gewertet wurde die Beobachtung, dass viele Bauern inzwischen dazu übergegangen seien, auf ihren Anbauflächen eine sinnvolle Fruchtfolge einzuhalten.

Nach eingehender Diskussion der Situation und Hinweisen auf die mit dieser verbundenen ökonomischen, sozialen und ethischen Probleme, brachen die Versammelten auf, in Bramstedtlund eine moderne Biogasanlage in Augenschein zu nehmen und sich deren Funktionsweise vom Eigentümer, dem Landwirt Michael Puschmann, erläutern zu lassen.

Die Kirchenkreise Itajai („Sinodo Vale do Itajai“) und Nordfriesland (einschließlich der Kirchengemeinde Bredstedt) pflegen seit 2002 eine Partnerschaft, in der es darum geht, „Kontakte unter den lutherischen Brüdern und Schwestern zu pflegen, zu fördern und zu erhalten“, sagte Christiansen.

Das Thema der aktuellen Arbeitsbegegnung sei, die Schöpfung Gottes zu bestaunen, die Natur nachhaltig zu bewahren und so mit ihr umzugehen, dass in Brasilien und Deutschland weitere Generationen in und von ihr leben können.


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