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Flüchtlingshilfe : „Wir ziehen an einem Strang“

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Beim zweiten Treffen der südtonderaner Flüchtlingshelfer in Niebüll tauschten rund 50 Engagierte ihre bisherigen Erfahrungen aus

Die Nordfriesen sind sich einig: „Wir schaffen das!“ Knapp ein Jahr nach dem ersten runden Tisch trafen sich hauptamtlich und ehrenamtlich tätige Bürger – alle, die mit der aktuellen Situation zur Integration von Asylsuchenden in Südtondern befasst sind.

An die 50 Bürger versammelten sich am Donnerstagabend im Amt Südtondern, eingeladen hatte die Awo als federführende Einrichtung, mit Hilke Lehmann, Nils Philipp und Jochem Baas. Gekommen waren Vertreter von Sport, Polizei, Ordnungsamt, Kirche, Diakonischem Werk, Bildungswerkstatt BAW, DRK, Soziales Zentrum, Volkshochschule, Schule, Handels- und Gewerbeverein und Tafel. Einzelne Paten und Flüchtlinge waren auch erschienen. Den Anfang der Inforunde machte Integrationssozialberater Peter Martensen, der für den Kreis im Einsatz ist. Er berichtete von der starken Zunahme der Ankömmlinge. Derzeit gebe es 2100 neue Asylbewerber, 2016 rechne man mit weiteren 3000 Menschen. Ordnungsamtleiter Fritz Baumgart aus Niebüll gab sich pragmatisch. „Bis August war noch alles im Lot“, so Baumgart. Derzeit kämen allerdings pro Woche 20 bis 25 Neuankömmlinge. Bislang habe er Wohnungen in Orten mit Infrastruktur angemietet, also in Niebüll, Leck, Neukirchen Risum-Lindholm und Ladelund. „Übrigens zu ortsüblichen Preisen“, betonte er im Hinblick auf Medienberichte über „Kopfgeldprämien“. Wer ihm „ein paar Betten mehr“ anbieten wolle, den lehne er ab. Doch durch die Zunahme der Flüchtlinge seien auch andere Ortschaften im Blickfeld. So zum Beispiel Rosenkranz. Erstaunlich: Dort funktioniert das Zusammenleben so gut, dass andere Flüchtlinge dort unbedingt hinwollen. Sogar aus Lübeck kämen entsprechende Anfragen. So war die Tendenz des Abends insgesamt sehr positiv. Zwar führten fast alle Redner die starke Belastung an, ausgelöst durch den gewaltigen Anstieg der Personenzahlen. Doch insgesamt lautete die Botschaft: „Wir Nordfriesen schaffen das!“ Auch Polizeichef Guido Christiansen äußerte sich ebenso positiv wie Hauke Brückner (BAW), der über Fortschritte beim Sprachelernen referierte. „Sie sind eine Bereicherung!“ Begeistert zeigte sich gar ein Lehrer von der Berufsschule über die Disziplin seiner Afghanen. „Deren Disziplin und Lernwillen sollten mal die anderen Schüler sehen. Wir könnten viel Ärger sparen, wenn sich alle so verhalten würden.“ Die Motivation, Deutsch zu lernen, scheint allerorten stark zu sein.

Erleichterungen bei den Praktika, Vereinfachungen bei den Förderprogrammen, mehr Sprachkurse – viele Aktivitäten vom Arbeitsamt über VHS und Diakonischem Werk bis zur Jugendherberge, die ebenfalls Migranten aufnimmt und dabei Zuspruch von anderen Gästen erfährt. Walter Rief vom TSV Rot-Weiß Niebüll betonte: „Wir begrüßen jeden, der zu uns kommt.“ Und riskiert sogar, dass das Land die Gemeinnützigkeit in Frage stellt. Kritik gab es an bürokratischen Hürden, an fehlender Resonanz durch das Bundesamt für Migration, auch an der Tatsache, dass viele Asylverfahren lange dauerten.

Grundsätzlich gab es aber auch von den Ehrenamtlichen viel Lob für die Ämter, deren Mitarbeiter teilweise am Limit seien. „Wir ziehen an einem Strang“, sagte Almuth Fritsche, die einst den runden Tisch initiiert hatte. „Das macht Spaß.“ Die große Offenheit der Niebüller gegenüber den Fremden zeige sich auch beim Flüchtlingscafé in der Arche am Mittwochnachmittag. „Da schauen schon einige Neugierige herein.“

Der runde Tisch endete nach einem intensiven zweistündigem Austausch. Gelernt haben alle dabei; denn es gab aktuelle Infos zu neu aufgelegten Programmen, Bestimmungen und Gesetzen. 


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erstellt am 22.Dez.2015 | 00:32 Uhr

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