zur Navigation springen
Nordfriesland Tageblatt

20. Oktober 2017 | 06:07 Uhr

"Wir waren die letzte Bastion"

vom

2013 wird es kein Wettbewerbsfrisieren geben / Ein Interview mit Friseurmeister Udo Christiansen zu den Gründen

shz.de von
erstellt am 02.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Südtondern/Leck | Eigentlich sollte jüngst wieder das traditionelle Wettbewerbsfrisieren der Auszubildenden im Friseurhandwerk Südtondern in der Niebüller Stadthalle durchgeführt werden. Aufgrund zu geringer Anmeldungen fiel es jedoch nach 15 Jahren durchgehender Wettbewerbe zum ersten Mal aus.

NFT: Herr Udo Christiansen, wie enttäuscht sind Sie als Obermeister der Friseurinnung über den Ausfall des Wettbewerbs?

Udo Christiansen: Wir sind natürlich als Veranstalter - genau wie die Auszubildenden, die sich darauf vorbereitet haben - sehr enttäuscht. Wir waren zum Schluss die einzigen auf Landesebene, sozusagen die letzte Bastion, die am Lehrlingsfrisieren festgehalten haben.

Wo sehen Sie die Ursachen im schwindenden Interesse der jungen Friseure an der Veranstaltung?

Die Anzahl der Ausbildungsbetriebe in Südtondern ist in den letzten Jahren dramatisch zurückgegangen. Hatten wir in den 80er Jahren noch 120 Auszubildende in dieser Region über alle Ausbildungsjahre hinweg, so sind es heute gerade noch 30. In den anderen Innungen sind ähnliche Trends zu erkennen. Weniger Auszubildende bedeuten weniger Teilnehmer an den Wettbewerben. Das Interesse ist prozentual gleich geblieben.

Wann fand das erste Lehrlingsfrisieren in Südtondern statt?

Vor rund 40 Jahren. Aufgrund des mangelnden Interesses seitens der Lehrlinge und der aufwendigen Übungsabende für die Ausbilder ist es zu Abnutzungserscheinungen gekommen. Ende der 80er Jahre lohnte es sich nicht mehr, die Veranstaltung durchzuführen. Ende der 90er Jahre wurde dann ein Neustart gewagt.

Wie wichtig ist die Teilnahme beim Lehrlingsfrisieren für den Berufseinstieg?

Die Teilnahme verschafft sehr viel Selbstbewusstsein und Routine und setzt eine Ausbildungsbereitschaft über das normale Maß hinaus voraus. Die Aufgaben beim Lehrlingsfrisieren sind sehr stark an die Prüfungsaufgaben bei der Gesellenprüfung angelehnt, was im Regelfall zu guten Ergebnissen in den Prüfungen führt. Für die berufliche Zukunft und den Einstieg in das Berufsleben bedeutet es, dass die zukünftigen Arbeitgeber wissen, dass sie einen engagierten Mitarbeiter bekommen.

Welche Rolle spielen die Ausbilder bei der Entscheidung der Auszubildenden, am Lehrlingsfrisieren teilzunehmen oder nicht?

Auch die Ausbilder müssen ein größeres Engagement haben um die Azubis in den Wettbewerben so weit wie möglich nach vorne zu bringen. Es sind einige Übungsabende notwendig, um die letzte Genauigkeit zu erreichen. In einigen Betrieben ist es Pflicht, als Azubi an den Wettbewerben teilzunehmen, in anderen ist sie freiwillig. Es gibt natürlich Betriebe, die sich für das Wettbewerbsfrisieren gar nicht interessieren.

Sehen Sie eine Chance, dass das Lehrlingsfrisieren irgendwann eine Fortsetzung erfährt?

Sollte sich die Ausbildungssituation im Friseurhandwerk nicht verbessern, werden wir von Jahr zu Jahr entscheiden müssen, ob sich die Veranstaltung noch durchführen lässt. Die Motivation in den veranstaltenden Innungen ist nach wie vor sehr hoch, ist doch das Lehrlingsfrisieren in Niebüll das letzte seiner Art in Schleswig-Holstein und somit etwas Besonderes.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen