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Chöre in Not : „Wir spielen auch nicht nur in Kirchen“

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Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Posaunistin Alexandra Holst berichtet im Interview über den Kampf der Posaunenchöre mit abnehmenden Mitgliederzahlen und Vorurteilen

shz.de von
erstellt am 19.Aug.2014 | 05:00 Uhr

Alexandra Holst ist begeisterte Posaunen-Bläserin. Seit über zwanzig Jahren spielt die Tinningstedterin in verschiedenen Chöre der Region sowie im Auswahlchor „Windstärke 12“, in den Musiker mit guter Leistung von der Nordkirche berufen werden. Im Jahr 2012 hat die 39-Jährige die Leitung des Martin-Luther-Bläserkreises Achtrup übernommen, in dem sie bereits seit 1991 Mitglied ist. In den letzten Jahren hat sich der Chor nahezu um die Hälfte reduziert, Nachwuchs kommt selten hinzu, sodass die Chorleiterin um den Fortbestand des Chors fürchtet.

Frau Holst, was ist wohl der Grund für das geringe Interesse am Posaunenchor?
Alexandra Holst: Wenn ich mich umhöre, haben alle Chöre das gleiche Problem mit der schwindenden Mitgliederzahl. Viele Schüler haben heute randvolle Terminkalender und bevorzugen Hobbys wie Reiten oder andere Sportarten. Und von den älteren Generationen trauen sich viele oftmals nicht, noch mit dem Posaunespielen anzufangen. Dabei ist das keine Frage des Alters: Wir haben ein Chormitglied, das mit 58 Jahren begonnen hat. Der Chor ist für alle Altersgruppen offen, unser jüngstes Mitglied ist sechs Jahre alt, das älteste 62 Jahre. Es wäre einfach schade, wenn der Chor sich auflösen müsste. Wir sind einer der letzten drei Posaunenchöre im Amtsbezirk Südtondern, früher hatte nahezu jedes Dorf einen eigenen Bläserchor. Der St.-Katharinen-Posauenchor-Enge hat sich zum Beispiel Anfang des Jahres auflösen müssen, weil er nicht mehr genug Mitglieder hatte.


Sie spielen selber seit über zwanzig Jahren im Chor mit. Was fasziniert Sie daran am meisten?
Alexandra Holst: Zum einen die Bandbreite der Musik: von Mittelalter bis zu modernen Stücken wie „Fluch der Karibik“ ist alles dabei. Und das familiäre spielt bei uns eine große Rolle: Es ist egal, wie du aussiehst, was du beruflich machst oder wie viel Geld du hast – jeder, der Lust hat, mitzumachen, ist willkommen.


Wie viel Zeit muss denn für den Chor eingeplant werden?
Wir üben einmal die Woche und haben ab und zu Auftritte, zum Beispiel bei Gottesdiensten. In den Konzertphasen muss man schon jeden Tag üben, denn das Posauneblasen wird über die Muskulatur im Mund und Zwerchfell gesteuert, und wenn die nicht trainiert ist, dann funktioniert es nicht, das ist genau wie bei einem Sportler.


Wenn der Chor bei evangelischen Gottesdiensten auftritt, sollten die Mitglieder dann evangelisch sein?
Nein, das ist absolut kein Muss, wir hatten schon alle Konfessionen bei uns im Chor, von Muslimen bis zu Apostolen. Und wir spielen auch nicht nur in Kirchen. Übrigens reisen wir für viele Auftritte deutschlandweit und haben zahlreiche Partnerchöre, beispielsweise in Dessau und Ittersbach, die wir besuchen. Auch Reisen nach Tansania oder Bozen stehen auf dem Programm. Man kommt also rum, lernt vor allem Deutschland und viele Gleichgesinnte kennen, mit denen sich tolle Freundschaften entwickeln.


Musik in der Kirche wird oftmals mit einer großen Ernsthaftigkeit verbunden, wie geht es im Chor zu?
Alexandra Holst: Ich würde sagen, es ist eine gute Mischung aus Ernsthaftigkeit und Spaß. Letzterer kommt bei uns keines Falls zu kurz.


Musikinstrumente sind oftmals sehr teuer. Muss man ein eigenes besitzen, wenn man im Chor mitmachen möchte?
Nein, für Anfänger haben wir Instrumente, die gegen eine Gebühr verliehen werden. Wer nach der Ausbildung im Chor bleiben möchte, bekommt die Gebühr für den Kauf eines eigenen Instruments zurück. Ansonsten kommt das Geld dem Chor zugute. Wir arbeiten auch eng mit der Posaunenmission Koppelsberg zusammen, die Lehrgänge für Kinder und auch Erwachsene anbietet. Es ist also kein Problem, Posaune spielen zu lernen, wenn man es möchte. Wer neugierig geworden ist, kann gerne unverbindlich zu einer unserer Proben in die Achtruper Kirche kommen. Wir sind immer freitags ab 19 Uhr dort.


 

Alexandra Holst ist telefonisch zu erreichen unter der Nummer 04662/ 8911680.



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