Nordsee-Akademie : „Wir sitzen nicht im Elfenbeinturm“

Offen für Gespräche: Akademie-Leiterin Dr. Ariane Huml mit ihrer Stellvertreterin Karen Frankenstein.
Offen für Gespräche: Akademie-Leiterin Dr. Ariane Huml mit ihrer Stellvertreterin Karen Frankenstein.

Nicht nur drei Schafe sind neu an der Nordsee-Akademie in Leck. Die Einrichtung möchte jetzt mehr Besucher anlocken.

shz.de von
12. Mai 2018, 17:55 Uhr

Leck | „Was machen die eigentlich in der Nordsee-Akademie? Und wer blökt da überhaupt?“ Wer Antworten auf diese Fragen sucht, sollte Folgendes tun: „Einfach mal bei uns vorbeischauen. Wir freuen uns auf Besucher auch aus der näheren Umgebung – auch ganz spontan“, sagt Dr. Ariane Huml. Sie hat seit 2016 die Leitung inne und ist nebenbei Hobby-Schäferin. Nicht nur ihre drei Schafe Pille, Palle und Peggy sind neu im Umfeld der Nordsee-Akademie. Ariane Huml möchte die Bildungseinrichtung auch insgesamt als Ort der neuen Begegnung etablieren – und als einen Ort, an dem man sich gerne miteinander unterhält.

„Wir sitzen nicht im Elfenbeinturm“, sagt Huml mit Nachdruck. Das Haus sei zu schön und zu groß, um nur einem ausgewählten, elitären Publikum offen zu stehen. „Wir versuchen, unsere Übernachtungen und die Bekanntheit vor Ort zu erhöhen“, berichtet die Akademieleiterin. Denn: Auch wenn Bildung und Kultur in der staatlich anerkannten Einrichtung über allem stehen, so muss der Betrieb sich auch rechnen: „80 Prozent müssen wir selbst erwirtschaften.“

Allerdings wüssten viele Menschen in Leck und Umgebung nicht, dass auch Privatleute eines oder mehrere der 54 Zimmer in der Nordsee-Akademie mieten können. „Zudem haben wir eine hervorragende Küche und ein Restaurant, in dem man auf Anfrage auch mittags essen kann. Oder man kann nachmittags auf der Terrasse sitzen und Kaffee trinken“, sagt Ariane Huml und wiederholt: „Einfach mal mit uns reden. Ich und meine Stellvertreterin Karen Frankenstein freuen uns und nehmen uns gerne Zeit für Gespräche.“ Gelegenheit dazu sollen auch Kunstausstellungen und Konzerte bieten, die sich auch auf den akademieeigenen Park erstrecken.

Im Vordergrund steht jedoch weiterhin der (Fort-)Bildungs-, Seminar- und Kongressbetrieb. Rund 500 Veranstaltungen mit rund 16 200 Teilnehmern hat die Nordsee-Akademie 2017 verzeichnet. Bewährtes wurde beibehalten, aber es gibt auch neue Schwerpunkte. Meeresschutz gehört dazu, so ist die Einrichtung inzwischen offizieller Nationalpark-Partner. Das umfasst nicht nur das Ziel, die Natur im Nationalpark Wattenmeer zugleich zu schützen und für Gäste erlebbar zu machen, sondern auch, sich als Partner in ihrem Wirtschaften der Nachhaltigkeit zu verpflichten.

Das ist ganz im Sinne der Nordsee-Akademie-Leitung, die sich ohnehin stärker auf die Themen Nachhaltigkeit und Erneuerbare Energien ausrichten und dazu eine neue Seminarreihe entwickeln will. „Unter anderem werden wir ein Solar-Carport mit Ladestationen und Unterstellmöglichkeiten für E-Bikes errichten“, berichtet Ariane Huml, die den Förderbescheid der Aktivregion dafür schon in der Tasche hat. Zudem sollen bis zu 30 E-Bikes zur Verfügung stehen, die Gäste und andere Interessierte mieten können, um die Region per Velo zu erkunden – angetrieben von Strom aus der Region, so will es der Plan.

Überhaupt verfolgt die Leitung das Ziel, die Nordsee-Akademie als einen Ort zu etablieren, an dem Dinge neu gedacht werden und die Fäden zum Thema erneuerbare Energien zusammenlaufen, dazu gehört laut Huml auch der Austausch mit Dänemark und anderen Ländern. Für November ist zum Beispiel ein Bar-Camp zum Thema Zukunftsenergien geplant.

Weitere neue Standbeine sind berufliche Weiterbildungen zum Thema Medien, Radio und Film sowie Gesundheitsworkshops – von Präventivmedizin über Yoga bis hin zu Stressmanagement und Burn-out-Vorbeugung. „Der Erholungsaspekt für Körper, Geist und Seele ist uns wichtig“, sagt die Akademie-Leiterin.

Das bestätigt ein Blick in das aktuelle Programm: „Mal weg vom ,Wahnsinn’“ heißt ein Seminar auf einem Segelschiff, das am Sonntag startet und sich an „Leitende, Leidende und andere Getriebene“ richtet. Vom 25. bis 27. Mai wird ein „Georgisches Wochenende“ angeboten. Ziel ist es, sich dem Land mit möglichst vielen Sinnen zu nähern: mit einer Lesung und einem Theaterstück der Schriftstellerin Nino Haratischwili, mit Musik georgischer Künstler und seinem ausgedehnten georgischen Gastmahl, dem „Supra“.

In der neuen Ausrichtung der Akademie findet auch ein Seminar für Hobbyschäfer einen Platz (8. bis 10. Juni). „Schafe gehören nun einmal zu Nordfriesland“, sagt Ariane Huml. Und jetzt auch zum Team der Nordsee-Akademie: Auch wenn die Akademie-Leiterin eher zufällig Besitzerin von Pille, Palle und Peggy geworden ist, möchte sie die Tiere nicht mehr missen. „Schafe haben so etwas Bodenständiges, und sie sind entgegen aller Vorurteil unglaublich schlau.“ Ob Beamte des Landeskriminalamts, Kongressteilnehmer oder Yogakurs-Besucher: „Mitarbeiter wie Gäste gehen gern zu den Schafen, um herunterzukommen, sie zu streicheln oder ihnen einfach nur zuzugucken.“ Derzeit machen die drei vierbeinigen Akademie-Mitarbeiter allerdings Urlaub im nahegelegenen Dorf Karlum; bald werden sie dann geschoren wieder auf ihre Grünfläche an der Akademie in Leck zurückkehren.

Bei allem frischen Wind bleibt auch Bewährtes im Programm vertreten, dazu gehören Geschichte und Kultur des deutsch-dänischen Grenzraumes und Skandinaviens, Exkursionen und Studienreisen. Klassiker wie Gemeindeseminare – das nächste findet am Donnerstag, 17. Mai, zum Thema „Rechte und Pflichten in der Kommunalpolitik“ statt. Auch Literaturkurse sind weiterhin im Programm, etwa vom 18. bis 20. Mai rund um den israelischen Schriftsteller Amos Oz , vom 1. bis 3. Juni ist das Thema „Heinrich Böll – Freidenker und Humanist“. Die Arbeit als Kulturknotenpunkt und Datenschutz-Akademie (siehe auch Infokasten) spielt ebenso weiterhin eine wichtige Rolle.


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