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Hospiz Niebüll : „Wir sind ein Haus des Lebens“

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Das Wilhelminen-Hospiz eröffnet neu erworbenes Underwood-Haus und etabliert sich zunehmend als Kompetenzzentrum im Norden

Der Eingangsbereich erinnert an eine familiengeführte Pension, Bilder in erdigen Tönen hängen an den Wänden,  weiches Licht durchflutet  die Räume und auch der für Krankenhäuser typische Geruch nach Desinfektionsmitteln fehlt: Wer sich das  Wilhelminen-Hospiz in Niebüll als depressives  Totenhaus vorstellt, der liegt schlicht falsch. „Wir sind ein Haus des Lebens“, sagt Geschäftsführerin Christel Tychsen.  „Wir begreifen das Sterben als Teil des Lebens.“  Die resolute Frau führt seit dem 1. Januar 2011 das nördlichste Hospiz Deutschlands. Nur Menschen, deren Lebenserwartung unter einem halben Jahr liegt, können mit einem Platz im Wilhelminen-Hospiz rechnen.   Wer  als Gast im Westersteig 2 aufgenommen wird, der ist schwer krank und wird sterben.   „Es sind voranging Menschen mit Krebserkrankungen, die  zu uns kommen“, erklärt Hospiz- und Pflegedienstleiterin Jana Dienert.

 Im Schnitt würden die Gäste etwa 14 Tage   im Hospiz betreut.  Auf das Jahr betrachtet seien es rund 85 Menschen, die im Wilhelminen-Hospiz versterben, so Dienert. „Natürlich stirbt man nicht schneller, weil man zu uns kommt“, stellt sie klar.  Der Unterschied zum Sterben in einem Krankenhaus liegt in  der persönlichen Betreuung und der geborgenen Atmosphäre, die mit palliativer Versorgung Hand in Hand geht.

Nun vergrößert sich die Einrichtung: Durch die Spende von Waltraud Underwood, die dem Hospiz zwei Ferienwohnungen in Westerland vermachte, konnte ein Nachbargebäude im Westersteig 6 erworben werden. Durch den Verkauf der Sylter Immobilien konnte die Investition von rund 400000 Euro in das neue Gebäude zu 100 Prozent aus dem Erbe finanziert werden.

Nach dem Umbau bietet das großzügige Einfamilienhaus nun Mitarbeiter-Büros, weitere Gästezimmer und Raum für  Seminare und Vorträge.  Die unmittelbare Nähe zum Haupthaus bedeutet für das Wilhelminen-Hospiz eine große Entlastung: „Es gab Tage, da wurde es bei uns schon eng“, berichtet Hospiz- und Pflegedienstleiterin Jana Dienert. Angehörige, Interessenten und die 20 Mitarbeiter seien in solchen Situationen  an die räumlichen Grenzen der Einrichtung gestoßen. Umso erleichterter ist jetzt auch Geschäftsführerin Christel Tychsen, dass der Alltag etwas „entzerrt“ wird. 

Am  Freitag, 5. September, um 19 Uhr, wird es   im Gebäude des Amtes Südtondern in der Marktstraße in Niebüll einen  öffentlichen Vortrag von Professor Andreas Heller vom Institut für interdisziplinäre Forschung und Fortbildung der Universität Klagenfurt (IFF) geben (wir berichteten). Der Festvortrag zum Thema „Wandel der Sorgekultur in der überalternden Gesellschaft“ ist Teil der Eröffnung des Underwood-Hauses.

Durch die Erweiterung des Wilhelminen-Hospizes schärft sich auch das Profil der Einrichtung: Neben der Möglichkeit,  Mitarbeiter vor Ort zu schulen und Treffpunkt  für fachlichen und öffentlichen Austausch zum Thema Sterben und Palliative Care zu  sein, wollen die Niebüller auch  die Schwellenangst Außenstehender abbauen und ihr Konzept offen erklären. Schon jetzt ist das nördlichste Hospiz Deutschlands ein gefragter Ansprechpartner, weiß Jana Dienert: „Wenn die Leute bei uns anrufen, dann bekommen sie eine kompetente Antwort.“

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