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Bürgermeister-Serie Südtondern : „Wir sind das Dorf, das alles hat“

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Hauke Christiansen konnte in seiner 15-jährigen Amtszeit alle wichtigen Beschlüsse einstimmig auf den Weg bringen

shz.de von
erstellt am 17.Okt.2017 | 15:30 Uhr

Risum-Lindholm | In einer Interviewserie mit den 30 Bürgermeistern des Amtes Südtondern sollen die Gemeinden vorgestellt werden, ihre Besonderheiten hervorgehoben und erklärt, was dringend auf den Weg gebracht werden muss. Heute erzählt uns Hauke Christiansen, der seit 15 Jahren Bürgermeister der Gemeinde Risum-Lindholm ist, was die knapp 3800 Einwohner Gemeinde zu einem attraktiven Wohnort macht.

 

Herr Christiansen, was macht Ihre Gemeinde so besonders? Warum sollte jeder nach Risum-Lindholm ziehen? Oder eben nicht?

Also wir haben ja den Slogan: Das Dorf, das alles hat. Deshalb sind wir attraktiv, weil wir alles haben: ausreichende Infrastruktur, Einkaufsmöglichkeiten. Für unsere Jungfamilien Krippen- und Kindergartenplätze und eine Grundschule vor Ort. Wir haben einen Arzt, Tierärzte, Physiotherapeuten. Dazu ein Seniorenheim und 50 seniorengerechte Wohnungen. Wir konnten in den letzten drei Jahren ungefähr 150 neue Häuser bauen, wir haben attraktive Baugrundstücke für junge Familien. Die letzten Baugrundstücke haben wir für 57 Euro pro Quadratmeter verkauft. Wir waren die erste Gemeinde, die, auch in den Außenbereichen, Glasfaseranschlüsse in jedes Haus gelegt hat.

 

Das ist eine ganze Menge, aber wenn Sie sich jetzt etwas aussuchen müssten als die Besonderheit?

Dann würde ich die große Akzeptanz der Vereine, die das Leben etwas lebenswerter machen, wählen. Sowas wie das Andersen-Haus. Der Friesenverein und dass bei uns noch so viel Friesisch gesprochen wird. Und wir sehen immer wieder, wie viele, gerade auch junge Leute bereit sind, sich in die Dorfgemeinschaft einzubringen. Diese Gemeinschaft, die durch die Vereine und Organisationen entsteht, ist das, was uns so besonders macht.

 

Über mangelnden Nachwuchs kann man sich also nicht beschweren? Wie ist denn die Altersstruktur?

Nein, die Bevölkerung in unserer Gemeinde wächst. Wir nähern uns jetzt 3800 Einwohnern und sind damit die größte ländliche Gemeinde im Kreis Nordfriesland. Die Altersstruktur ist absolut ausgeglichen und wir haben eine nicht unerhebliche Zuwanderung von jungen Leuten. Wir sehen auch, dass viele junge Leute, die ihre Wurzeln in Risum-Lindholm haben, wiederkommen. Wir bauen einen neuen Kindergarten, der wird schick, mit 20 Krippenplätzen und 60 Kindergartenplätzen. Das Thema ist natürlich, in der näheren Umgebung einen sicheren Arbeitsplatz zu haben. Bei uns kann man es sich noch leisten, zu bauen. Das ist ja in den Ballungszentren nicht mehr der Fall. Wir haben moderate Mieten. Wir sind wirtschaftlich gut aufgestellt durch ein gutes Steuereinkommen und natürlich auch durch unsere vier Bürgerwindparks.Wir kümmern uns um unsere alten Leute, haben einen sehr aktiven DRK-Ortsverein, der seine Augen und Ohren bei allen Leuten hat. Genauso, wie die Kirche es hat.

 

Herr Christiansen, jetzt haben wir so viel Gutes gehört, aber irgendwo muss der Schuh doch auch drücken, oder? Was muss unbedingt verändert oder auf den Weg gebracht werden?

Wir leben, wie viele andere Gemeinden auch, von der Bahnanbindung nach Sylt. Zum Beispiel, was dort in den letzten Monaten passiert ist, ist eine mittlere Katastrophe! Dann sehen wir diesen Schwachsinn des sogenannten Geisterzuges, der leer von Niebüll nach Bredstedt fährt. Wir haben zwei Bahnübergänge in Risum-Lindholm und ich glaube 12 Mal am Tag fährt dieser Zug hin und her und wir haben jeweils Warteschlangen an den Bahnübergängen. Mittlere Katastrophe! Das ist ein wesentlicher Part. Ein kleiner Bedarf ist noch da an kleineren Mietwohnungen, aber ansonsten sehe ich hier keinen Bedarf, den wir in den letzten 15 Jahren nicht realisieren konnten.

 

Und das mit dem Geisterzug...?

Das haben wir schon auf hoch politischer Ebene angesetzt. Das ärgert uns ohne Ende. Das Amt Südtondern ist schon aktiv gewesen. Die Landesregierung ist informiert, der Kreis Nordfriesland.

Seit 15 Jahren sind Sie jetzt Bürgermeister. Gibt es einen Moment oder eine Situation bei der Sie denken: Darum bin ich Bürgermeister geworden?

Vielleicht habe ich die Gabe, den einen oder anderen mitzunehmen, wir sind immerhin 17 Gemeindevertreter und da konnten wir alle wesentlichen Beschlüsse in den letzten 15 Jahren einstimmig fassen. Wo es um die Entwicklung des Dorfes ging, wir uns über Baugebiete und Windeignungsflächen unterhalten haben. Wie viele Gemeinden haben sich erzürnt, nur wegen Windmühlen. Das ist bei uns nicht der Fall gewesen. Auch die Zusammenlegung der Ämter zum Amt Südtondern – diese Entwicklung mitzuerleben, das war eine spannende Zeit. Ich werde ja zur kommenden Kommunalwahl nicht weiter kandidieren und ich kann meinen Gemeindevertretern nur meinen Dank aussprechen für das gute Miteinander.

 

Das hört sich doch alles sehr positiv an, nun aber mal in die andere Richtung gedacht: Was nervt Sie an der Kommunalpolitik am meisten?

Wir sehen, dass die Landespolitik mehr oder weniger den Fokus auf die großen Orte legt. Und das ist etwas, was uns wirklich zu denken gibt. Mit der Schulpolitik des Landes haben wir auch unsere Sorgen. Durch die Umstellung auf Gemeinschaftsschulen wurde unsere Hauptschule hier weggenommen. Wir haben die Infrastruktur, wir haben die Schule, müssen nun aber Gastschulgeld in Niebüll bezahlen. Das war ein bisschen bitter. Naja, und der ganze Bürokratismus. Bis wir ein Baugebiet so weit haben, dass das erste Grundstück verkauft werden kann, sind zwei Jahre vergangen. Das ist sehr langwierig. Aber das ist Deutschland und das ist einfach so.

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