„Wir müssen in Bewegung bleiben“

logo_nft_s_1_v_30_7-17_slu
2 von 2

In einer Interviewserie stellen wir alle 30 Gemeinden Südtonderns vor / Heute: Enge-Sandes Bürgermeister Carsten-Peter Thomsen

Avatar_shz von
15. Februar 2018, 18:45 Uhr

Herr Thomsen, was macht Enge-Sande so lebenswert?
Enge-Sande liegt sehr schön nördlich der Soholmer Au und südlich des Langenberger Forstes am Geestrücken. Zudem sind wir eine abwechslungsreiche Gemeinde, in der immer gut was los ist (lacht). Unsere Gemeinde besteht aus sechs Ortsteilen, die alle ihre Besonderheiten haben. Sande ist geprägt durch die B 5 und Gewerbebetriebe, in Enge gibt es Gastronomie, Kirche und Friedhof, die Grundschule sowie den Kindergarten. Weiter gen Osten in den Ortsteilen Engerheide, Knorburg, Schardebüll und Soholm finden wir dann mehr Landwirtschaft, aber auch die Erneuerbaren: Photovoltaik, Biogas und die Windkraftanlagen.

Das Thema Windenergie spielt eine wichtige Rolle in Ihrer Gemeinde.
Ja, es gibt einen gemeinsamen Windpark mit der Gemeinde Stadum und einen über Ausnahmegenehmigungen errichteten Windpark, welcher der Firma Offtec auf dem Greentec-Campus zu Test- und Trainingszwecken dienen soll. Mit dem Greentec- Campus gibt es im übrigen einen Betrieb in unserer Gemeinde, der anderswo so nicht zu finden ist. Zum einen ist die Ansiedlung dieses Betriebes auf einem ehemaligen Munitionsdepot ein hervorragendes Beispiel für die gelungene Konversion einer Bundeswehr-Liegenschaft, zum anderen ist dies ein Betrieb, der sich innovativ mit erneuerbaren Energien im weitesten Sinn befasst. Windkraft und Elektromobilität spielen hier eine große Rolle und werden vorangetrieben. Mit der Firma Offtec befindet sich hier auch ein landesweit einmaliger Trainings- und Ausbildungsbetrieb für die Onshore- und Offshore-Windindustrie.

Ich will aber nicht verschweigen, dass wir im Zusammenhang mit den Trainigswindkraftanlagen einige Unruhe in unserer Gemeinde hatten. Um die Anlagen an diesen Standorten genehmigen zu können, haben Landesplanung und Genehmigungsbehörde einige Abstands- und Umweltbelange hinten an gestellt, was zu berechtigter Kritik mehrerer Anwohnerinnen und Anwohner führte.

Mittlerweile haben sich die Wogen aber geglättet und wenn sich alle Seiten an die in einem städtebaulichen Vertrag festgehaltenen Vereinbarungen halten, wird dies auch so bleiben.
Was muss in Enge-Sande dringend auf den Weg gebracht werden?
Auf den Weg gebracht werden muss ständig etwas – wir müssen immer in Bewegung bleiben. Nach der Wahl im Mai werden wir uns als erstes um die Kindergarten-Erweiterung kümmern, die Erschließung unseres Neubaugebietes wollen wir voran treiben und der Ausbau des Glasfasernetzes muss zügig erfolgen. Auch die Instandhaltung der Gemeindewege ist immer Thema bei uns. Wir haben 33 Kilometer Gemeindewege zu unterhalten, das ist teuer. Hier muss mit wenig Geld viel bewegt werden, das ist gar nicht so einfach.
Was genau ist so schwierig?
Die Wege halten den heutigen Belastungen nicht stand, dafür sind sie nicht ausgelegt. Unter anderem werden die landwirtschaftlichen Fahrzeuge immer größer, schwerer und breiter.
Asphalt hat eine Lebensdauer von 40 bis 50 Jahren und fängt dann an, rissig zu werden und kaputt zu gehen. Dieses Alter haben unsere Wege jetzt.
Wir unterhalten unsere Wege durch jährliche Reparaturarbeiten, das heißt die schlimmsten Stellen werden ausgebessert, damit die Wege nutzbar bleiben. So kommen wir im Moment noch klar, aber wenn ich jetzt nochmal 20 Jahre nach vorne schaue, dann schieben wir da ein Problem vor uns her. Da kommt etwas auf uns zu.
Ich bin schon froh, dass wir auf der Geest leben, hier sind die Wege noch in einem etwas besseren Zustand, als dort, wo der Untergrund nicht so tragfähig ist. Auf moorigem oder kleiigem Untergrund wie zum Beispiel in der Marsch leiden die Wege unter den Gewichtsbelastungen ganz anders.

Wie ist die Altersstruktur hier?
Wir haben eine ausgeglichene Altersstruktur. Unsere Gemeinde ist durch Schule und Kindergarten sowie ein neues Neubaugebiet auch für jüngere Menschen interessant.

Welche Angebote gibt es im Dorf für die jeweiligen Altersgruppen?
In Enge-Sande gibt es ein reges Vereinsleben, Sozialverband, Landfrauen, DRK, Gesangverein – mit einem Männerchor und einem gemischten Chor – und einem Breiten-Sportverein mit über 800 Mitgliedern, was für eine Gemeinde mit 1100 Einwohnerinnen und Einwohner ganz beachtlich ist. Unsere Sporthalle ist jeden Abend belegt. Zudem haben wir zwei Freiwillige Feuerwehren, die FF Enge-Sande und die FF Soholm-Schardebüll-Engerheide, außerdem eine sehr aktive Jugendfeuerwehr.

Gibt es bei Ihnen noch einen Dorfladen?
Nein, der hat vor rund neun Jahren geschlossen. Hier müssen wir einfach akzeptieren, dass dies einem Strukturwandel geschuldet ist. Die Bürger fragen mich oft: Wieso haben wir eigentlich keinen Kaufladen mehr, und wollen, dass ich da aktiv werde. Aber diesen Wandel weg von den kleinen Läden auf dem Dorf, hin zu größeren Märkten in den Ballungsräumen kann man nicht aufhalten. Wir sind selbst dafür verantwortlich, weil wir zum Discounter nach Leck oder Niebüll fahren. Ein Kaufmann kann hier im Ort dann nicht existieren!

Was nervt Sie an der Kommunalpolitik am meisten?
Nerven ist hier nicht der richtige Ausdruck. Wer sich in der Kommunalpolitik engagiert, der muss wissen, dass man zwar einiges recht zügig umsetzen kann, anderes aber das Bohren dicker Bretter erfordert. Klar habe ich Wünsche: Es wäre schön, wenn uns mehr finanzielle Mittel für den Straßenbau zur Verfügung stünden. Aber es ist mein Job, mit den Rahmenbedingungen klar zu kommen oder auf deren Veränderungen hinzuwirken. Das ist gerade die Herausforderung in der Kommunalpolitik.

Einen Moment, in dem Sie denken: Darum bin ich Bürgermeister geworden.
Nun ja, als mein Amtsvorgänger Peter Petersen nach 22 Jahren als Bürgermeister nicht mehr zur Verfügung stand, wurde ich der Kandidat unserer Wählergruppe und dann auch gewählt.
Wenn Sie nach Augenblicken fragen, in denen ich das Gefühl hatte zu einem Erfolg beigetragen zu haben, dann fallen mir spontan die zähe aber letztlich erfolgreiche Konversion des ehemaligen Munitionsdepots in Sande ein oder der Erhalt unserer Grundschule. Auch der Bau unseres neuen Feuerwehrgebäudes war eine runde Sache, alle zogen an einem Strang, so macht es Spaß Bürgermeister zu sein.

Wollen Sie im Mai erneut kandidieren?
Ja, die Wählergruppe Enge-Sande hat mich gebeten, als ihr Bürgermeisterkandidat anzutreten. Dazu bin ich gerne bereit und ich würde mich freuen, auch in den kommenden fünf Jahren Verantwortung für unsere Gemeinde tragen zu dürfen. Meine Arbeitszeiten kann ich mir zum Glück relativ flexibel einteilen. Mein Arbeitgeber hat sich hier immer sehr verständnisvoll gezeigt.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen