Südtonderns Bürgermeister : „Wir brauchen schnell Bauland“

Seit fünf Jahren ist Christian Magnus Petersen (52) Bürgermeister von Süderlügum.
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Seit fünf Jahren ist Christian Magnus Petersen (52) Bürgermeister von Süderlügum.

Durch die 30 Gemeinden Südtonderns: Der Bürgermeister von Süderlügum, Christian Magnus Petersen, im Interview

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30. Januar 2018, 12:00 Uhr

Süderlügum | Herr Petersen, was macht Ihre Gemeinde so besonders? Warum sollte jeder nach Süderlügum ziehen?

Ich denke nicht, dass jeder nach Süderlügum ziehen sollte. Jeder, der Lust hat, kann es versuchen, aber es ist nicht einfach, weil wir nicht so viel Wohnraum haben und zudem die Grundstücke in unseren Neubaugebieten nur an Einheimische verkaufen. Attraktiv ist, dass der Ort günstig liegt: Man ist schnell auf der B 5, es gibt einen Bahnhof, ist schnell auf Sylt. Zudem ist Süderlügum nicht so groß wie Niebüll und trotzdem gibt es Einkaufs- und Freizeitmöglichkeiten.

Was bedeutet Einheimische in diesem Zusammenhang?

Das heißt, wer im alten Amtsgebiet Süderlügums lebt – also in Süderlügum, Ellhöft, Lexgaard, Braderup, Uphusum, Holm, Humptrup und Bosbüll. Auch Westre zählt dazu. Wer hier im Ort arbeitet, kann auch einen Bauplatz kaufen. Jemand aus Frankfurt zum Beispiel, der bekommt keinen.

Warum ist Bauland hier so knapp?

Wir bekommen nicht so viele Flächen für mögliches Bauland. Zudem haben wir unser Soll im Dorfentwicklungsplan erfüllt und können nicht ohne Ende Gebiete ausweisen. Wir müssen immer überplanen, verkaufen und dann kommt das nächste Gebiet – 20 Jahre im Voraus können wir hier nicht planen. Von vier jetzt zur Verfügung stehenden Bauplätzen sind drei schon reserviert.

Gibt es schon lange Wartelisten mit Menschen, die hierherziehen wollen – entweder ins Eigentum oder zur Miete?

Ja, ich habe eine ziemlich starke Nachfrage, sowohl für Mietwohnungen als auch für Häuser: Auch aus Mitteldeutschland wie Frankfurt, Dortmund, von Menschen, die oftmals ihren Alterswohnsitz hierher verlegen wollen. Denen gefällt es hier.

Gibt es Bestechungsversuche von Auswärtigen?

(lacht) Nein , bisher nicht. Aber das würde bei mir auch nicht funktionieren.

Wie ist die Altersstruktur im Ort?

Durchwachsen. Aber dadurch, dass wir zuletzt Baugebiete anbieten konnten, sind junge Menschen dazugekommen.Es werden wieder mehr Kinder geboren – das merken wir auch daran, dass wir am Kindergarten anbauen müssen. So wie viele Gemeinden.

Welche Angebote/Möglichkeiten gibt es im Dorf für die jeweiligen Altersgruppen?

Wir haben einen Sportverein und ein Schwimmbad – von

Aquajogging über Handball und Fußball bis Zumba ist da alles dabei. Zudem haben wir ein privat geführtes Fitness-Studio und zwei Reitvereine, einen privaten und einen öffentlichen. Für die ganz Kleinen gibt es Krabbelgruppen – für die Senioren ist fast täglich ein Treffen im Gemeindehaus. Für alle 2374 Bewohner gibt es außerdem das Bürgerbüro hier im Gemeindehaus: Vormittags sitzt hier jemand vom Amt Südtondern, sodass man hier Pässe ausstellen und verlängern oder sich ummelden kann. Alles, was man in Niebüll machen kann, kann man auch hier machen.

Wie sieht es im Ort mit Unternehmen aus?

Der Grenzhandel zu Dänemark schafft hier Arbeitsplätze. Oftmals leider nur auf 450 Euro-Basis. Aber wenn zum Beispiel der Mann das Haupteinkommen stemmt, arbeiten einige Frauen vormittags oder nachmittags in einem Laden.

Was muss in unbedingt verändert oder auf den Weg gebracht werden?

Schnellstmöglich muss jetzt Bauland gefunden werden. Wir sind hier schon in Gesprächen. Es muss passen: Es muss einer sein, der verkauft und die Gemeinde muss in der Lage sein, auch kaufen zu können. Zudem muss es am richtigen Ort liegen: Wenn es zu weit am äußeren Ortsrand liegt, wird es gegebenenfalls nicht vom Kreis genehmigt, weil dann sogenannte Zersiedelung droht. Zudem muss es dem Wohnraum-Entwicklungskonzept entsprechen.

Was nervt Sie an der Kommunalpolitik am meisten?

Kommunalpolitik ist schwierig, weil viele Menschen beteiligt sind, für die es Regeln geben muss. Es ist oft schwierig, Außenstehenden zu erklären, weshalb bestimmte Regeln sinnvoll sind und wie diese entstanden sind. Für uns im Gemeinderat bedeutet das zum Beispiel, dass man eine gute Idee hat, die aber durch die Verwaltung und deren Vorgaben eingeschränkt werden kann. Innerhalb kürzester Zeit ist man dann wieder weg von dem Ziel, das man vorher hatte. Man ist halt nicht alleiniger Entscheidungsträger.

Können Sie ein Beispiel nennen?

Ja, das letzte Baugebiet Blumenfenne, dort ist ein Resthof nebenan gewesen. Der Besitzer, ein Landwirt, hielt dort Pferde– aber mit ihm mussten wir vereinbaren, dass er zukünftig – bis auf die Pferde – auf jegliche Tierhaltung (zum Beispiel Schweine) verzichtet. Zum Glück hat er zugestimmt, sonst hätten wir nicht so dicht an seinen landwirtschaftlichen Betrieb heranbauen dürfen. Man muss also immer Kompromisse finden. Aber: Drei Kompromisse und man ist weg von dem, was man eigentlich wollte.

Einen Moment, in dem Sie denken: Darum bin ich Bürgermeister geworden.

Ja, weil man sich als Gemeinde und als Bürgermeister auf der direktesten Ebene zu den Menschen befindet. Im Landtag oder in Berlin ist man ein ganzes Stück weiter weg von den Bürgern. Zudem haben wir die Möglichkeit, direkter Dinge zu verändern. Das ist ein Grund, aus dem ich Bürgermeister geworden bin.

Wollen Sie nach fünf Jahren im Mai erneut kandidieren?

Nein, ich schaffe es beruflich und privat nicht mehr. Ich bin selbstständiger Landwirt. Ich möchte meinen Aufgaben als Bürgermeister gerecht werden. Und das kann ich auf diese Weise nicht mehr. Rund 15 bis 20 Stunden pro Woche nimmt das Ehrenamt in Anspruch, oft bis spät in den Abend. Einen geeigneten Nachfolger suchen wir noch.

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