zur Navigation springen
Nordfriesland Tageblatt

22. Oktober 2017 | 16:29 Uhr

Windenergie : Windpark bekommt „Gegenwind“

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Zum Informationsabend des Vereins kamen rund 80 interessierte Bürger, um sich den Standpunkt der Gegenwind-Mitglieder anzuhören.

Kräftiger Wind bläst dem Offshore-Trainings- und Entwicklungs-Cluster OffTEC aus ihrer unmittelbaren Nähe entgegen. Damit ist nicht der Wind aus den vier Himmelsrichtungen gemeint, sondern der Widerstand von Nordfriesen, denen das Verhalten von Landesplanung und Betreibern von Anlagen, die eine Energiewende herbeiführen sollen, spanisch vorkommt. Das wurde auf einem Info-Abend des Vereins Gegenwind deutlich, den etwa 80 Bürger besuchten.

Zunächst ging es jedoch um die zwei im Windpark Klingenberg geplanten und genehmigten Windkraftanlagen. Rolf Thiedemann, der 1000 Meter vom Windpark entfernt wohnt, äußerte gegen das Prozedere massive Kritik, mit dem dieser Windpark zustande kam, und bezeichnete es „als eine fortwährende Geschichte von Ausnahmegenehmigungen und Sonderregelungen“. Der pensionierte Pädagoge argwöhnt „gute Kontakte“ zu Kieler Ministern, die hilfreich gewesen sein könnten.

Die Genehmigung für die vier bereits dort stehenden Anlagen seien nur über ein Zielabweichungsverfahren möglich gewesen, weil dort zum damaligen Zeitpunkt keine Mühlen hätten errichtet werden dürfen. Die Baugenehmigung sei erteilt worden, weil es sich um Trainingsanlagen für die Arbeit an On- und Offshore-Anlagen handele. Also Windkraftanlagen, die nicht gebaut werden, um Strom zu erzeugen, sondern nur damit Arbeiter an ihnen trainieren können. Bei den zwei neuen genehmigten Anlagen gehe es daher, so Tiedemann, ebenfalls um Windmühlen zu Übungszwecken und nicht um solche, die das Stromnetz speisen. Doch Thiedemann bezweifelt, dass die Erweiterung der Testanlage um zwei Anlagen rechtens ist.

Scharfe Kritik erhob er auch an der Landesplanung und an der Forstverwaltung, die zugelassen hätten, dass ein Waldstück für den Bau der beiden Anlagen gerodet wurde. Von OffTEC-Geschäftsführer Marten Jensen war auf Anfrage zu erfahren, dass für das gerodete Waldstück eine Ersatzpflanzung geplant ist.

Dennoch: Rolf Thiedemann bezeichnet den Vorgang, „wie alles zu den zwei zusätzlichen Windmühlen gelaufen ist“, als skandalös. Die Bürger in der Gemeinde hätten von der Erweiterung erst in der Sitzung der Gemeindevertretung am 16. Februar 2016 erfahren. Eine Kritik über die Zustimmung zur Erweiterung des Windparks fügte er hinzu: Von zehn anwesenden Gemeindevertretern sei einer dagegen gewesen und einer habe sich der Stimme enthalten. Von den verbleidenden acht Gemeindevertretern seien vier „mit dem Projekt verbunden“ gewesen. Die Enge-Sander „Gegenwindler“ sähen sich in die Rolle von Statisten gedrängt. „Es war alles nur Theater, ein abgekartetes Spiel“, resümierte Thiedemann.

Frank Dreves, Unternehmer aus der Gemeinde Loose (Kreis Rendsburg-Eckernförde), berichtete über fünf Windkraftanlagen, „die man eigentlich nicht bauen durfte.“ Als die Verfügung über einen Baustopp eintraf, hätten drei Anlagen bereits gestanden – und die fünfte sei trotz des Stopps begonnen worden

Rupert Rompel, Vorstandsmitglied des Vereins Gegenwind, kam zu dem Ergebnis, dass in Schleswig-Holstein Stromverbrauch und -erzeugung nicht im Gleichgewicht seien. Das Problem liege darin, dass im Land mehr Leistung gebaut wird als herauskommt. „Die Schleswig-Holsteiner zahlen das höchste Stromgeld“, rechnete er vor und kritisierte, dass im Bundesland auch nicht gelieferter Strom bezahlt werden müsse. Kurzum würden Anlagen gebaut, „die wir nicht brauchen.“ Es könne nicht angehen, dass der Strom am teuersten dort ist, wo am meisten erzeugt wird. Rompel kam zu dem Ergebnis, dass 30 Prozent des erzeugten Potenzials eingespart werden könnten und die für die Energiewende vor sechs Jahren abgesteckten Erwartungen nicht erfüllt worden seien.

Susanne Kirchhof, Vereinsvorsitzende von Gegenwind, brachte die Kernforderungen des Vereins auf den Punkt: Abstand und Bürgerwillen. Über die Geräuschentwicklung der Windkraftanlagen hinaus und deren akustische Wahrnehmung machte sie auf mögliche gesundheitliche Beeinträchtigungen aufmerksam. Sie forderte einen Abstand von mindestens 1000 Metern zwischen Anlage und Wohnbebauung. Außerdem forderte sie ein Gesetz, nach dem die Landesplanung eine begründete Ablehnung von Windkraftanlagen in einer Gemeinde zu berücksichtigen habe.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen