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Kreis Nordfriesland : Wilderer töten trächtiges Reh - Jäger vermutet „reine Tötungslust“

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Unbekannte haben in den vergangenen Tagen an gleich zwei Orten zugeschlagen. In Leck und Karlum haben sie tragende Tiere erschossen

shz.de von
erstellt am 02.Mai.2017 | 10:51 Uhr

Leck | Mit einer Einschusswunde am rechten vorderen Schulterblatt wurde das tote Reh in einem Maisfeld in Leck (Kreis Nordfriesland) gefunden. Ein Landwirt hatte die Ricke, die zwei Kitze im Bauch trug, am frühen Montagmorgen entdeckt – Wilderer hatten sie vermutlich erschossen. Die Polizei Leck ermittelt jetzt in einem besonders schweren Fall der Jagdwilderei, weil das Tier zudem außerhalb der gesetzlich vorgeschriebenen Jagdzeiten erlegt wurde. Auch im Jagdrevier Karlum – etwa zehn Kilometer nordöstlich von Leck – ist vor rund zwei Wochen ein verendetes tragendes Rotwild gefunden worden. Sie war von einem Durchschuss im Hals tödlich verletzt worden.

Alttiere des Rotwildes dürfen nur vom 1. August bis zum 31. Januar und Ricken nur vom 1. September bis zum 31. Januar bejagt werden. Warum die Tiere einfach so erlegt wurden, war zunächst unklar. Die Beamten suchen jetzt nach Zeugen, um herauszufinden, wer die Tiere getötet hat.

„Ich vermute, dass es hier um reine Tötungslust geht“, sagte am Dienstag Karsten Lützen. Gemeinsam mit anderen Jägern pachtet er das Jagdgebiet in Leck, auf dem das tote Tier gefunden wurde. Wäre es dem unbekannten Täter oder den Tätern um das Fleisch gegangen, hätten sie das Tier mitgenommen. Entweder seien sie bei ihrer Aktion gestört worden oder „sie wollten einfach nur töten“, sagt er.

Bei der Arbeit auf dem Feld habe der Landwirt den „großen Klumpen“ im Maisfeld, rund 80 Meter von einer Straße entfernt gegenüber des Flugplatzes Leck, zunächst für einen Stein gehalten, sagt der Revierpächter. Als er näher kam, erkannte er, dass es sich um ein Reh handelt, das zu diesem Zeitpunkt noch warm gewesen sei. Der Tötungszeitraum ließe sich daher auf zwischen fünf und acht Uhr am frühen Morgen des 1. Mai eingrenzen.

Besonders tragisch sei, dass die vier Jahre alte Ricke mit zwei Kitzen schwanger war. „In etwa 14 Tagen wären sie zur Welt gekommen“, sagt der Jäger. Seine zitternde Stimme verrät, wie betroffen ihn das alles macht. Das Muttertier wurde jedoch zu spät gefunden, um die Jungen noch zu retten. Allerdings hätten dann entsprechende Vorrichtungen zur Aufzucht der Kleinen gefehlt.

Die Art der Munition, mit dem das Tier erschossen wurde, weise darauf hin, dass es sich nicht um einen Profi handele. Gefeuert wurde demnach mit kleinkalibriger Munition. Anders als bei der Profimunition, die eine größere Durchschlagskraft habe und das Tier sofort töte, habe „das Wild einen langen, qualvollen Tod“ sterben müssen. Ein bis zwei Tage könne es dauern, wenn das Lebewesen von einer solchen kleinen „Wilderermunition an einer ungünstigen Stelle getroffen“ wird. Der finanzielle Schaden sei zwar nur zweitrangig – trotzdem läge der finanzielle Schaden für die Tiere bei rund 200 Euro.

Förster Jörn-Hinrich Frank aus Leck berichtet von einer Zunahme nächtlicher Schüsse in diesem Gebiet, die er auf Jagdfrevler zurückführt. „Um Mitternacht würde kein Jäger mehr losziehen, weil er nicht mehr sieht, was er da schießt“, sagt der Experte von der Försterei Langenberg. „Mit Gewissheit“ könne man daher sagen, dass es sich hier nicht um Jäger, sondern um Wilderer handele. Auch, dass es ein „Waffennarr ist, der nur seine Waffe testen möchte“, schließt Frank nicht aus.

Einen „regulären Beschuss durch einen Jagdausübungsberechtigten“, schließt auch die Polizei aus. In beiden Fällen handele es sich um deutlich kleinere Geschosse als das normalerweise zur Jagd auf Rot- und Rehwild verwendete Kaliber, teilte Volker Christensen von der Polizeistation Leck mit. Dazu bestehe der Verdacht einer Straftat nach dem Tierschutzgesetz und eines Verstoßes nach dem Waffengesetz. Personen oder Zeugen, die Hinweise geben können, werden gebeten sich bei der Polizei Leck unter der Telefonnummer 04662/891260 zu melden.

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