Friesisch-Historischen Treyben : Wilde Gesellen an der Wehle

„Flenos Schergen“ in Aktion.
„Flenos Schergen“ in Aktion.

Beim Friesisch-Historischen Treyben zu Niebüll gab es eine eindrucksvolle Show – nur die Gästeschar hätte zahlreicher sein können

shz.de von
23. Juni 2014, 05:00 Uhr

Es gab drei Tage lang wieder eine Menge zu sehen und zu erleben beim „4. Friesisch-Historischen Treyben zu Niebüll“ auf den Wiesen rund um die Badewehle im Westen der Stadt. Dorthin lockten der mittelalterliche Verein Frisia Historica und seine gewandeten Gäste, die teilweise von weither gekommen waren, um Menschen aus Stadt und Land wieder an einer eindrucksvollen mittelalterlichen Show teilhaben zu lassen.

Der Besuch des historischen Festivals ließ etwas zu wünschen übrig. „Die drei Ws mögen manch ungewandeten Nordfriesen vom Besuch unseres Festes abgehalten haben“, sagte Stefan Nissen, der Vorsitzende von Frisia Historica. Es listete Wetter, WM und Wiederholungseffekt auf und schloss bei letzterem nicht aus, „dass uns die Leute längst kennen und das Treiben schon mehrfach verfolgt haben.“ Eine weitere Ursache könnte sein, dass zurzeit um die Jahreszeitenwende eine Veranstaltung die andere jagt.

Zum vierten Niebüller und insgesamt sechsten Treyben waren 50 Zeltgemeinschaften gekommen – Heerlager, Händler, Vereine und Handwerker sowie „Kämpfer“, die den Marktfrieden garantierten. Die am weitesten Gereisten kamen aus dem fernen Ostfriesland, dazu Gäste aus dem Lande Wursten, einer friesischen Exklave, mit den Musikanten von „Worsatia“. Insgesamt zählte das gewandete Völkchen 250 Personen in der malerischen Zeltstadt.

Wo gesprochen wurde, befleißigte man sich (möglichst) einer mittelalterlichen Zunge. Was von Herolden, Knappen, Händlern über die Lippen kam, war zumeist von einem Augenzwinkern begleitet, das einigen Spaß am Treyben signalisierte. Stefan Nissen: „Wir nehmen unsere Sache zwar ernst, doch wiederum auch nicht zu ernst.“ Der studierte Diplomsozialpädagoge Nissen sieht das Leben zwar nach vorn gerichtet, will es aber auch in der Rückschau verstanden wissen. Das historische Treyben sei keineswegs nur ein unterhaltsamer Selbstzweck. Es sollte auch dazu ermuntern, ein wenig in der Geschichte zurückzublättern.

Das tun beispielsweise „Flenos Schergen“ aus Flensburg, ein historischer „Verein für Schwertkampf und mittelalterliches Leben“, der sich an die Fährte von Ritter Fleno geheftet hat, und Szenen aus den Zeit um 1000 nachspielt. Unbelegten Vermutungen zufolge, könnte die Fördestadt nach diesem Ritter benannt sein. Ritterspiele wie einst im Mittelalter, veranstaltet von den „Viatores ad Arma“ zusammen mit Niebüller Kindern, lockerten das Treyben unterhaltsam auf.

Die Wahrnehmung von der Großveranstaltung im Wehlengebiet hatte viele Facetten. Es gab eine Menge zu sehen, zu erleben, zu erfahren und Gelegenheit, das vom gewandeten Völkchen nachgespielte Leben mit dem heutigen zu vergleichen. Es sei gut zu wissen, wo man herkommt, lautete eine Meinung, toll, wie erfinderisch die Menschen schon damals waren, eine andere.

Der Ablauf der Veranstaltung ähnelte dem der bisherigen Treyben. Unter den Teilnehmern befanden sich zwei neue Lager, eines aus dem östlichen Nachbarkreis, ein anderes aus Barmstedt. Neu war auch „Dan, der Barde“, der im Lager zwischen den Zelten wandelte und zur Gitarre sang. Nicht neu war das Trio Worsatia mit Michael (Dudelsack), Marko (Flöte/Trommel) und Horst (Drehleier), das an allen drei Tagen musizierte.

Nächstes Jahr soll beim 5. Teyben etwas mehr los sein, versprach Stefan Nissen. „An einigen Überraschungen arbeiten wir bereits“, wollte er noch nicht mehr verraten, ließ jedoch anklingen, „dass wir jede Menge mehr machen werden.“ Die Veranstaltung endete gestern gegen 17 Uhr. Während der drei ereignisreichen Tage hatten die „Mittelalterlichen“ nicht vergessen, dass ihr Treyben ein klein wenig im Schatten eines anderen Treibens stand, das „WM“ heißt und im fernen Brasilien stattfindet.

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