Genealogie als Hobby : Wie man Familiengeschichte schreibt

Für den Niebüller Nis Peter Carstensen ist Ahnenforschung zum zeitintensiven Hobby geworden / Seine Chroniken füllen bereits fünf Bücher

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09. Juli 2015, 05:00 Uhr

Begrüßt wird man durch Gegacker. Nis Peter Carstensen hat ein ungewöhnliches Begleitpersonal. Für einen Schreiber, einen Chronisten, denkt man sich einen weisen Raben, vielleicht eine Katze oder einen gut erzogenen Hund. Nun, die Hühner, Tauben und Wachteln sind gar nicht erzogen, aber dennoch das tägliche Pläsier des 71-jährigen Niebüllers. Das Federvieh im Hinterhof lenkt ihn ab, wenn er des Schreibens müde ist. Gerade erst hat er das fünfte Familienbuch fertig gestellt. „Es bringt mir eine große Freude und zudem innere Befriedigung“, sagt der gelernte Zimmerer, der sich der Familengeschichte verschrieben hat.

Vor rund 15 Jahren ist er dazu gekommen, sich mit Ahnenforschung zu beschäftigen. Nach und nach sammelte er Fotos, ordnete diese chronologisch und versuchte Zusammenhänge herzustellen. Eine große Hilfe war ihm dabei die Sorgsamkeit seiner Mutter. Diese hatte alle Fotos auf der Rückseite genau beschriftet. „Ein Tipp, den man nur jedem künftigem Chronisten geben kann“, sagt Nis Peter Carstensen. Anhand dieser familiären Steilvorlage erstellte er einer Stammbaum mit allen Verästelungen. „Man braucht eine sinnvolle Übersicht“, so der frühere Baukonstrukteur und Mitarbeiter der Straßenbauabteilung des Amtes Sønderjylland in Tondern. Er entwickelte eine spezielle Form der Verknüpfungen, so dass nun schnell erkennbar ist, wer mit wem verwandt ist.

Dieses Modell war die Grundlage der weiteren Forschungen. Denn nun besuchte der Nordfriese seine Verwandtschaft rund um Seewang bei Achtrup. Er nahm sich Zeit, übte keinen Druck aus, versuchte Neugier zu wecken. „Nur so kann man vorgehen“, lautet sein Hinweis für Familienforscher der kommenden Generationen. „Erzählen wollen fast alle“, stellte der ruhige, verschmitzt blickende Mann fest. Mit seiner entspannten Art hat er viel herauslocken können, man findet spannende Details zu den Personen. Doch auch er selbst ist Mittelpunkt einer Chronik. Akribisch ist dort alles aufgeführt: Lebensgefährtinnen, Autos, Wohnorte, Gesundheit, Vereine, Reisen und mehr. Das regt zum Schmunzeln an, so musste sich der Chronist schon anhören: „Mensch, du hast ja viele Frauen gehabt!“ Ganz so wild geht es jedoch nicht zu, denn alle vier Gefährtinnen werden durchaus positiv und neutral beschrieben. Alle Texte sind bebildert; man sieht die Damen, man sieht die Fahrzeuge gleich dabei. Exakter geht es nicht. Der Leser erfährt quasi alles über die Person Nis Peter Carstensen; manchmal auch die Gedanken und Überlegungen. Doch stets geht es weiter voran; wie ein Drehbuch geschrieben. Das Leben als genaues Merkbuch; abgehandelt in Zahlen und Daten. „Erst daran sieht man, was alles passiert ist.“

Natürlich ist nicht alles so gelaufen, wie gewünscht. Nis Peter Carstensen wollte Lehrer werden, sah dann aber ein, dass es nicht passte. Die erste Scheidung kam, als der Sohn zehn Jahre alt war. Ein schwerer Verkehrsunfall führte zur Frühverrentung. Und letztlich zum Hobby. Denn nun hatte der Niebüller viel Zeit. Nach einem bestimmten Rhythmus arbeitet er jedoch nicht. „Nicht wie Thomas Mann täglich ab 9 Uhr; aber doch regelmäßig“, lautete die Devise. Zeit blieb auch für andere Hobbys wie das liebe Federvieh, Skatspielen und Fahrten über das Land. Wichtig ist ihm auch der regelmäßige Klönschnack.

Der Leser erkennt, dass sich bei dem Autoren, um einen vielseitig interessierten, engagierten Menschen handelt. Jemand, der für seine Nachfahren exakt sein Leben dokumentiert; uneitel und bescheiden. Dies gilt auch für die Chroniken über seine Urgroßeltern und Großeltern. Als Resümé der Lektüre steht: Wie auch immer es im Leben kommen mag – für alles bieten sich Lösungen an.Wenn man das Buch durchgearbeitet hat, löst es auch eigene Erinnerungen und Empfindungen aus, vielleicht sogar den Wunsch, die eigene Familiengeschichte niederzuschreiben. Nis Peter Carstensen hat dafür ein offenes Ohr. Wer sich für Chronikschreiben interessiert und Hilfe braucht, kann sich direkt an ihn wenden unter Telefon 04661/5570.

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