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Nordfriesland Tageblatt

22. Oktober 2017 | 22:04 Uhr

Wie die Prinzessin zu ihrem Mond kam

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

von
erstellt am 13.Apr.2016 | 11:46 Uhr

Die Lesewelle schwappte in die Stadtbücherei: Der Schauspieler Wolfgang Welter war am Dienstagnachmittag zu Gast. Viele Kinder samt erwachsenem Anhang genossen die lebhafte Darbietung. „Der Mond für Leonore“ ist eine Geschichte des Amerikaners James Thurber. Seine Kurzgeschichten sind weltberühmt. Liebenswert, hintergründig, voller Esprit.

Die Prinzessin Leonore ist krank, sie ist schlecht drauf. Nur der König weiß die Rettung: Leonore braucht den Mond, um gesund zu werden. Keine ganz einfache Aufgabe für den Hofstaat: Medicus, Kämmerer, Magicus, Mathematicus geben sich alle Mühe – doch ihr Fazit ist: Den Mond kann man nicht herunterholen. Nur der Hofnarr hat die richtige Idee. Er beauftragt den Hof-Goldschmied einen kleinen Mond aus Gold zu gestalten. Die Prinzessin ist nun glücklich und wird gesund, doch der König sieht ein neues Problem: Was sagt die Prinzessin, wenn am Abend der Mond aufgeht? Wieder hat der Narr die beste Idee: „Fragt doch die Prinzessin, sie hat bestimmt die passende Antwort!“ So kommt es denn auch: Denn Leonore meint, als sie den richtigen Mond sieht, nur: „Das ist doch genauso wie, wenn man einen Zahn verliert – es wächst ein anderer nach!“

Die Kinder und Erwachsenen lauschten gebannt, denn Wolfgang Welter verstand es, jeder Figur einen eigenen Tonfall, eine besondere Aussprache zu verleihen. Der Narr kam lustig-geckenhaft herüber, von oben herab tönte der Kämmerer; der Magicus schnarrte und rollte das „Rrrrr“, während der Mathematicus scheinbar alles besser wusste. Der König wirkte als echter Herrscher überzeugend, während die Prinzessin als Kind die Älteren mit Natürlichkeit und Direktheit ganz einfach übertrumpfte, ohne arrogant zu wirken.

„Alles hat eine Erklärung!“, so lautet die frohe Botschaft. Manchmal braucht man nicht den echten Mond, um wieder gesund zu werden. Und der Hofnarr ist als Dümmster der Klügste: Denn er traut dem Kind alles zu.

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