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Nordfriesland Tageblatt

19. Oktober 2017 | 06:23 Uhr

Wie die Fahne in die Wiedingharde kam

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Friesenverein der Wiedingharde ist im Besitz einer besonderen Fahne / Die untypische Farbgebung lässt die Vereinsmitglieder rätseln

von
erstellt am 25.Sep.2014 | 11:37 Uhr

Das friesische Gedankengut hat in unserer Region eine lange Tradition. Aber wohl erst um 1840 wurde das bekannte Wappen Nordfrieslands mit der Darstellung einer Krone, einem Grütztopf und einem halben Adler zusammengestellt. Die älteste Fahne mit dem Nordfriesland-Wappen soll beim ersten Volksfest der Nordfriesen am 10. Juli 1844 in Bredstedt gehisst worden sein. Die traditionsreichen Farben der Friesenfahne sind gölj (Gold), rüüdj (Rot) und ween (Blau) und stehen sinngemäß für Himmel, Leben und Wasser. Aber der im Jahre 1955 neu entstandene Friesenverein der Wiedingharde ist im Besitz einer besonderen Fahne des inzwischen aufgelösten „Vereins der Friesen Flensburg“, der am 23. Mai 1908 gegründet wurde, im gleichen Jahr, wie der erste Friesenverein in der Wiedingharde.

Das Kuriose an der Flensburger Fahne ist, dass die Farbe Blau oben und dafür Gold unten steht. Auf Nachfrage von der Schriftführerin der Wiedingharder Friesen, Erika Botte, beim Nordfriisk Instituut in Bredstedt, warum das so ist, wurde ihr mitgeteilt, dass die Reihenfolge der drei Friesenfarben früher wohl nicht festgelegt war. Das Neukirchener Urgestein Karl Nikolai Brodersen (85), von 1996 bis 2006 Vorsitzender des Wiedingharder Friesenvereins, vermutet einen eventuellen Fehler bei der damaligen Tuchherstellung. Er hat während seiner Amtszeit auch dafür gesorgt, dass die Flensburger Traditions-Fahne nach Neukirchen kam.

Denn zwischen den beiden Vereinen bestand stets eine enge Verbindung und Freundschaft, so Karl Nikolai Brodersen. Das rührt auch daher, dass der Flensburger Friesenverein seinerzeit von Bürgern aus der Wiedingharde, die dorthin verzogen waren, gegründet wurde. „Wir haben viele schöne gemeinsame Friesenfeste gefeiert,“ schwärmt Karl Nikolai Brodersen noch heute, wenn er in seinen Unterlagen blättert. So kamen die Flensburger zum Biikebrennen nach Klanxbüll und die Wiedingharder Trachtengruppe trat bei den Friesen in der Fördestadt auf. Mit dem gebürtigen Horsbüller Friedhofsgärtner Martin Japsen, der im Jahre 2002 verstarb, kam auch der letzte aktive Vorsitzende der Flensburger Friesen aus der Wiedingharde. Aber mangels genügender Mitglieder löste sich der dortige Verein dann 1999 auf, so Karl Nikolai Brodersen. Nach Auflösung des Flensburger Vereins schlossen sich einige verbliebene Mitglieder den Wiedingharder Friesen an. Und so kam es auch, dass die Witwe von Martin Japsen die Flensburger Traditionsfahne über Karl Nikolai Brodersen in die Wiedingharde gab. Die in Blau gehaltene Rückseite der Fahne zeigt einen besonderen Bezug zur heimatlichen Landwirtschaft und Seefahrt auf. So sind dort jeweils in den Ecken ein Pflug, Sichel und Sense, Korngarbe mit Harke sowie Schiebkarre und Schaufel (Symbole für den Deichbau) zu sehen. Statt dem heutigen Friesen-Schlagwort „rüm hart – klaar kimming“, was „weites Herz – klarer Horizont“ bedeutet, steht auf der alten Fahne „Rien hart – klaren Sann“, was laut Erika Botte „reines Herz – klarer Sinn“ bedeutet. Sicher gerade für die Wiedingharder „Auswanderer-Friesen“ Symbole, um nach dem Fortzug ihr Heimweh zu pflegen. Der seit 2006 amtierende Vorsitzende des Friesenvereins der Wiedingharde Peter Ewaldsen ist froh und stolz darauf, dass die alte Flensburger Fahne wieder bei den Nachfahren der Gründungspaten aus der Wiedingharde ist. Bei jeder größeren Veranstaltung thront sie über den Köpfen der Gäste.



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