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Nordfriesland Tageblatt

18. Oktober 2017 | 04:36 Uhr

Wertvolle Refugien in Lecker Natur

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Feuchtwiesen und verschiedene Waldtypen bieten vielen verschiedenen Pflanzen und Tierarten einen Lebensraum

shz.de von
erstellt am 20.Dez.2016 | 16:52 Uhr

Selbst innerhalb von bebauten Gebieten wie in Leck gibt es wertvolle Refugien einer bemerkenswerten Flora und Fauna. Solche Lebensräume sind für die Bevölkerung leicht erreichbar und gelten gleichzeitig als Naherholungsbebiet mit Möglichkeiten für spannende Naturbeobachtungen. So auch die Kokkedahler Niederung, ein Gebiet bestehend aus einer ansehnlichen Feuchtwiese und mehreren Waldtypen. Ein Rückzugsareal für unterschiedlichste Arten, worunter selbst seltene Orchideen zu finden sind. Sie zu erhalten ist unter anderem die Aufgabe des Naturschutzvereins Südtondern in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Leck.

Das größte Problem dabei ist wohl das langsame Trockenfallen der Feuchtwiese. Denn gerade hier ist der Standort der Orchideen wie Knabenkräuter anzufinden und auch verschiedene Grasarten, darunter auch Seltenheiten wie die Seggen, die zu den Sauergräsern zählen. Vor einigen Jahren noch wurden 260 Orchideenblüten gezählt, heute sind es gerade mal 50, was natürlich ein enormer Rückgang ist.

Während man sich auf der Sumpfdotterwiese nicht mehr an gelben Sumpfdotterblumen erfreuen kann, ist der Bestand an Sumpflabkräutern und Fieberklee noch vorhanden und lässt das Beobachten von interessanten Insektenarten zu, die gerade auf diese Pflanzen angewiesen sind. Schmetterlinge, auch die hübschen Bläulinge und Zitronenfalter sowie unterschiedlichste Käfer sind zu entdecken. Es lohnt sich immer wieder, sich auch auf allen Vieren niederzulassen, um all die vielfältigen Kleintiere zu erleben und sich an ihnen zu erfreuen. Kröten und Molche sind geradezu angewiesen auf die Feuchtgebiete, wovon immerhin noch eine Fläche von zwölf Hektar Sumpf vorhanden sind, neben vier Hektar Feuchtwiese. Mehrere Libellenarten fühlen sich wohl und beleben die Luft mit ihren hübschen zackigen oder schwebenden Flügen.

Die Zunahme der Binsen ist dagegen ziemlich zweischneidig, da diese doch gerade durch auslassen von Düngemittel und einem gewissen Feuchtzustand entstehen, was allerdings Anlass zum Anlegen von Schlenken geben könnte. Dies wäre eine enorme Aufwertung des betroffenen Gebietes, was Kleinseggen wiederum fördern könnte sowie auch Rückzugssgebiete von Amphibien.

Die Vielfalt an unterschiedlichen Lebensräumen wird bereichert durch einen Erlenbruchwald, der die anderen Laubbäume noch übertrifft. Singvögel, Spechte, ja selbst Greifvögel wie Bussarde, finden dort idealen Lebensraum und bilden eine ineinander greifende Einheit mit anderen Arten. Kleiber und Rabenkrähen, Finken, Meisen, Laubsänger, Grün- und Buntspechte sind oft zu entdecken und ihre Gesänge und Rufe zu den unterschiedlichsten Tageszeiten zu hören. Dazu Baumpilze oder der hübsche Nachtschatten mit seinen roten Früchten. Gerade auch die Buschzonen bieten ideale Verstecke für Rotkehlchen sowie Grasmücken – letztere sind meist geheimnisvoll lebende Singvögeln, die jedoch durch ihre Gesänge leicht auffallen.

Jetzt im Winter erscheint das innerstädtische Kleinod etwas karg und verlassen. Dennoch ist ein Spaziergang auch jetzt nicht zu verachten, wo die gefallenen Blätter vor den Füßen rascheln und eine melancholische Stimmung innere Besinnung bringt. Nur zu oft geht es um kleine Refugien, die in ihrer Gesamtmenge eine ansehnliche Fläche bilden, was für die Artenvielfalt von enormer Wichtigkeit ist. Gerade auch in Landstrichen, die mit einer langen Küste und weiten Wiesenlandschaften versehen sind, ist der Erhalt von zahlreichen oasenartigen Lebensräumen von überragender Bedeutung.

Auch nach der für viele Menschen oft so hektischen Weihnachtszeit, zu Beginn des neuen Jahres sind immer noch die Spatzen unterwegs und hüpfen munter umher auf der Suche nach Fallengelassenem. Hoch droben in den kahlen Baumkronen haben sich Dohlen niedergelassen und beobachten das Geschehen unter ihnen. Aber gleich nebenan träumt die Kokkedahler Niederung in aller Ruhe, umgeben von Neubaugebieten, bis im Frühling all das vielfältige Leben nach der langen Winterruhe auch hier wieder eintritt.

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