St. Peter-Ording : Wer zahlt für den Rettungseinsatz?

Feuerwehr und DLRG arbeiten bei den Einsätzen am Meer zusammen.  Foto: HN
Feuerwehr und DLRG arbeiten bei den Einsätzen am Meer zusammen. Foto: HN

Feuerwehr und DLRG halten für Notlagen am Strand von St. Peter-Ording teure Technik vor. Bis zu 30 Ehrenamtler sind im Einsatz.

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16. April 2013, 07:39 Uhr

St. Peter-Ording | Eigentlich soll es ein schöner Spaziergang auf der Sandbank von St. Peter-Ording werden. Doch dann ist unversehens alles in Seenebel eingehüllt, die Orientierung fällt zunehmend schwer. Wo das Festland ist, ist bald nicht mehr auszumachen. Und dann kommt auch noch die Flut - das Schreckens-Szenario für jeden Strandwanderer. Erst am vergangenen Wochenende ist es einer Frau so ergangen. Sie musste - vom Wasser eingeschlossen - von der Sandbank vor St. Peter-Böhl gerettet werden (wir berichteten).

Feuerwehr und DLRG St. Peter-Ording (Deutsche Lebensrettungs-Gesellschaft) stehen rundum die Uhr bereit, um Menschen aus diesen und anderen Notlagen am Strand zu helfen. Auch für Westerhever versehen sie diesen wichtigen Dienst. In der Badesaison übernehmen diese Aufgabe an den Stränden des Nordseebads die Schwimmmeister der Tourismus-Zentrale, die von ehrenamtlichen Mitgliedern der DLRG aus dem ganzen Bundesgebiet unterstützt werden. "Meist rufen die in Notgeratenen selbst per Handy die 112 an", wissen Feuerwehr-Chef Norbert Bies und Johann Stauch, Vorsitzender der DLRG. So auch die Spaziergängerin am Wochenende. Die Rettungsleitstelle alarmiert dann Feuerwehr, DLRG, Rettungsdienst und Wasserschutzpolizei in Husum.

Doch wer bezahlt eigentlich diese Einsätze? Wer bezahlt dafür, dass bis zu 30 Einsatzkräfte an den Strand eilen? "Nicht derjenige, der in der Notlage steckt", sagen Bies und Stauch. Für die Feuerwehr komme die Gemeinde auf, und die DLRG finanziere sich ausschließlich aus Spenden und Mitgliedsbeiträgen. Auf die Dankbarkeit der Geretteten können sich die Retter dabei nicht verlassen. "Die Leute geben eher nicht - und wenn sind es kleine Beträge, deutlich unter 100 Euro", weiß Johann Stauch aus 40-jähriger Erfahrung als Mitarbeiter der Tourismus-Zentrale und Aktiver im Ortsverein. Die Menschen sähen den Einsatz wohl mehr als eine Art Service. "Wir sagen zu den Geretteten immer, dass es keine Rechnung gibt, wir uns aber über eine Spende freuen würden", sagt Bies. Und meistens komme dann auch ein kleiner Betrag zwischen 20 und 50 Euro. Andere spendeten nichts, und einige erklärten indirekt, dass sie ja Kurtaxe zahlten.

Kostendeckend sind diese Spenden bei weitem nicht. "Wir müssen doch etliches an Technik vorhalten", so Stauch. Das Luftkissenboot für den Einsatz im Vorland und auf der Sandbank koste 28 000 Euro, das Brandungsrettungsboot 10 000 Euro, ein Kälteschutzanzug 2000 Euro und ein Helm mit Funktechnik 600 Euro, Dazu noch der Rettungswagen mit Allrad, den habe der Rettungsdienst Nordfriesland gestellt, die Ausrüstung die DLRG, so Stauch. "Da kommt einiges zusammen." Mit bis zu zehn Einsatzkräften wird im Ernstfall ausgerückt. Auch die Feuerwehr besitzt ein Luftkissenboot. Bis zu 17 Aktive rücken aus, so Bies.

Im Durchschnitt sind es ein bis zwei Einsätze pro Monat. "Es gibt da keine Unterschiede zwischen Winter und Sommer", so Stauch. Im Sommer sei zwar das Wetter besser, aber dafür seien auch mehr Menschen am Strand, im Hochsommer bis zu 25 000. Im Winterhalbjahr seien es deutlich weniger, dafür gebe es dann aber häufiger Seenebel. Die Mehrzahl der Fälle seien allerdings Fehlalarme. "Oft sieht es für Menschen am Deich aus, dass jemand auf der Sandbank in Not ist. Sie alarmieren dann die Rettungsleitstelle, obwohl niemand in Gefahr ist." Aber besser so, als einmal zu wenig angerufen. "Was sehr hilfreich ist, ist das neue Rettungspfahlsystem, das wir gemeinsam mit der Gemeinde entwickelt haben", sagt Stauch. Am Strand finden sich in regelmäßigen Abständen nummerierte Pfähle, die per GPS eingelesen sind. "So finden wir die Leute einfacher, wenn sie uns die Nummer sagen können." Denn immer wieder unterschätzen Spaziergänger Witterung und die Schnelligkeit des Meeres. "Da hat sich in all den Jahren nichts geändert", so Stauch aus Erfahrung.

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