Vandalismus im Wald : Wer sind die Hochsitz-Säger im Karlumer Forst?

Vermutlich waren die Täter im Karlumer Forst mit einer Akku-Säge unterwegs.
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Vermutlich waren die Täter im Karlumer Forst mit einer Akku-Säge unterwegs.

10000 Euro Schaden: Unbekannte haben erneut Jägersitze im Karlumer Forst demoliert.

shz.de von
25. Januar 2018, 03:13 Uhr

Karlum | Von den Tätern fehlt bisher jede Spur: Vier Hochsitze und einen Schlagbaum haben Unbekannte am vergangen Wochenende im Karlumer Forst nahe der Waldstraße in Karlum zerstört – zersägt, um genau zu sein. Neu ist diese Art von Vandalismus hier nicht: Seit November 2016 sind im Waldgebiet zwischen Leck und Süderlügum insgesamt zehn der speziellen Jägerstände aus Holz heftig demoliert worden. Verletzt wurde niemand. Wie die Polizei in Leck am Mittwoch mitteilte, entstand dabei ein Gesamtschaden von 10 000 Euro.

Der Tatzeitraum lässt sich laut Jörn Frank, zuständiger Revierförster der Landesforsten, gut eingrenzen: „Am Freitag, 19. Januar, war bis 17 Uhr in dem Gebiet Jagd, da war noch alles in Ordnung. Am Sonnabendmorgen um 9 Uhr habe ich dann die zerstörten Hochsitze entdeckt.“ Ob der oder die Täter bei Nacht und Nebel zu Werke gingen, ist unklar: „Vielleicht in der Dämmerung“, mutmaßt Förster Frank, der davon ausgeht, dass es sich um mehr als einen Menschen handelt.

Zum Tatwerkzeug gibt es deutlichere Anhaltspunkte: „Bei der Tatausführung dürfte durch die unbekannten Täter eine Akku-Säge Verwendung gefunden haben“, teilte gestern die Polizei in Leck mit – Förster Frank hatte umgehend Anzeige erstattet. Die Hochsitz-Kanzeln , die die Vandalen vor wenigen Tagen zu Kleinholz gemacht haben, waren laut Frank alle erst 2017 aufgestellt worden. „Das war richtig Arbeit, das schafft niemand mit einer Handsäge“, sagt Jörn Frank, der nicht nur Förster, sondern auch Jäger ist.

Wer sind die Täter, die offenbar sehr gezielt immer wieder Hochsitze im Karlumer Wald zerstören? „Das geht weit über einen Dumme-Jungen-Streich hinaus. Es muss jemand sein, der in der Gegend wohnt. Es kommt niemand zum Beispiel aus Husum ausgerechnet nach Karlum, um Hochsitze zu zerstören“, glaubt Förster Frank.

Sind die Täter Jagdgegner im allgemeinen? Oder jemand, der sich konkret von der Jägerschaft auf den Schlips getreten fühlt? Förster Frank vermutet Letzteres. „Wir wissen aber nicht, was wir falsch gemacht haben, bei wem wir in ein Fettnäpfchen getreten sein könnten.“ Er habe Verständnis dafür, wenn jemand Einwände gegen die Jagd an sich habe; „darüber kann man ganz normal miteinander sprechen“, sagt Frank. Diese Taten aus dem Hinterhalt jedoch seien nicht greifbar: „Wir wissen einfach nicht, mit wem wir es zu tun haben.“

Das bestätigt auch Volker Christensen von der Polizeistation Leck. „Es gibt keinen Verdacht – wir tappen völlig im Dunkeln und haben keine Hinweise.“ Wer die im Wald verborgenen Hochstände immer wieder demoliert, kann auch er, genau wie der Förster, nur mutmaßen. Dass es sich um Menschen handelt, die gegen die Jagd oder für den Tierschutz sind, schließt er nicht aus. Ob es sich um mehrere oder nur einen Täter handelt, sei ungewiss, sagt Christensen. Zwar seien Spuren im Schnee entdeckt worden, die hätten aber auch von Spaziergängern stammen können, die dort früh am Morgen mit ihrem Hund unterwegs waren.

Warum jemand so etwas tut, kann der Beamte nur schwer nachvollziehen. „Mir fehlt das Verständnis für solche Taten“, sagt er. Anders als in anderen Teilen der Bundesrepublik seien „wilde Jagdpartys“ hier in Schleswig-Holstein nicht üblich. „Die Jäger hier jagen sehr waidgerecht“, ist sich der Polizist sicher.

Nicht zum ersten Mal sind Hochsitze – die dem Jäger als Deckung und Witterungsschutz bei der Jagd dienen – im Karlumer Forst zerstört worden: Als besonders hinterhältig hat Förster Frank eine Tat aus dem November 2016 in Erinnerung (wir berichteten). Damals war ein Hochsitz teilweise an- und durchgesägt worden. Von vorne sei nichts zu sehen gewesen. Ende Mai 2017 hatten die Vandalen unter anderem die Leiter zu einem Jägersitz gestohlen.

Um zu verhindern, dass erneut Sitze zertrümmert und zersägt werden, setzen die Beamten jetzt auf Prävention. Zum einen überprüft die Forstverwaltung die heiklen Stellen täglich, zum anderen fahren die Beamten im entsprechenden Gebiet regelmäßig Streife. Abschrecken können sie damit vielleicht. Ob sie dabei aber zur richtigen Zeit am richtigen Ort sind, ist fraglich, denn „wir können ja nicht nachts durch den Wald fahren“, sagt Volker Christensen.


Zeugen werden gebeten sich bei der Polizeistation Leck, Tel., 04662 89126-0, zu melden.

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