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Ärger mit der Bahn : Wer pendelt, muss warten können

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Seit der Fahrplanumstellung der Deutschen Bahn häufen sich weiterhin die Verspätungen. Erfahrungsbericht eines Arbeitnehmers.

shz.de von
erstellt am 25.Feb.2016 | 11:33 Uhr

Morgens, gegen 8 Uhr, Bahnhof Niebüll. Die Halle ist voller Menschen, die nach Sylt wollen. Auf dem Bildschirm die Information, dass die NOB einige Minuten Verspätung hat. Eine inzwischen schon übliche Anzeige, denn seit Wochen haben die Züge der NOB von und nach Sylt erhebliche Verspätungen. Die Ursache liegt nach einhelliger Meinung der Pendler am zusätzlich eingesetzten Mini-Zug Sylt Shuttle Plus, ein Anhängsel am Shuttle, der durch langwierige Rangierfahrten in Westerland den Betrieb behindert. Das Bahnchaos hat mittlerweile den Landtag erreicht, vergangene Woche war Staatssekretär Dr. Frank Nägele zu Gesprächen auf der Insel. Eine Lösung konnte er nicht anbieten – auch wenn es derzeit zuweilen eine situative Verbesserung gibt.

So auch an diesem Morgen. Trotz angekündigter Verspätung fährt der Zug pünktlich ein. Die Freude der Pendler währt aber nur kurz. Man ahnt, was kommt: Wenige Minuten nach der Ausfahrt wird die Ausweichstelle Lehnshallig zur ersten Station des Wartemarathons. Noch sind alle Pendler ruhig. Einige informieren ihren Arbeitgeber, dass eine Verspätung droht. Andere klönen, aber noch nicht über die Warterei. Viele Pendler lesen die Zeitung oder einen Roman. „Wir lernen, Geduld zu haben“, meint eine ältere Dame in die Runde der Mitreisenden. Die Bemerkung kommt nicht gut an, einige lächeln gequält zurück.

Ein paar Minuten später geht es weiter: Als Klanxbüll erreicht wird, beträgt die Verspätung zehn Minuten. Die zugestiegenen Berufstätigen sind bereits in Brass. „Schwer zu ertragen, die ständigen Verspätungen“, stöhnt eine Frau. Die Sitzplätze werden knapp, ein Hund bellt, Kinder meckern. Zügig geht es über den Damm, Morsum wird erreicht. Spannung, der Zug hält länger als gedacht. Dann die Durchsage nach einigen Momenten, die alle in Rage versetzt: „Wir wissen nicht, wann es weitergeht. Wir bitten um Verständnis!“ Nun, das Verständnis hat keiner. Die Signale der Smartphones füllen den Raum. Einige Pendler springen genervt auf, verlassen den Zug, um irgendwie anders weiterzukommen. Erste Firmen lenken ihre Fahrzeuge um, damit die Mitarbeiter in Morsum abgeholt werden. Der Verlust an Arbeitszeit ist groß. Aber auch an Lebensqualität. „Ich habe Tage meines Lebens mittlerweile durch Wartezeit verbracht“, erklärt ein Taxifahrer, der seit 30 Jahren hinüberfährt. Er ist inzwischen weder Niebüller noch Sylter, sondern bezeichnet sich als Hindenburger. „So schlimm war es noch nie!“

Inzwischen sind 20 Minuten vergangen, der Zug hat sich deutlich geleert. Es geht weiter, Richtung Keitum. Hier ausnahmsweise kein längerer Stopp. Westerland wird mit 35 Minuten Verspätung erreicht, die Fahrtzeit hat sich verdoppelt. Für die Rückfahrt darf ähnliches veranschlagt werden. Abends ist es genauso: Dank der Verspätung haben viele Leute nicht den Bus in Richtung Flensburg geschafft – um nach Leck, Ladelund oder Achtrup zu kommen. Täglich eine gute Stunde mehr auf der Schiene. Täglich mindestens eine Stunde verlorene Lebenszeit.

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