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Nordfriesland Tageblatt

22. Oktober 2017 | 03:19 Uhr

Aufführung : Wenn ein Dieb die Irren therapiert

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Das Niebüller Amateurtheater „Die Bühne“ begeistert mit dem Stück „Der Neurosenkavalier“ das Publikum in der Stadthalle.

shz.de von
erstellt am 06.Mär.2016 | 16:56 Uhr

Auf der Klaviatur der Neuropsychologie lässt sich gut klimpern. Das bewies das Niebüller Amateurtheater „Die Bühne“ eindrucksvoll mit ihrer 36. Inszenierung. Ihr diesjähriges Stück – halb Psychokomödie, halb Krimi-Jux – wurde wieder ein unterhaltsames Vergnügen und der Titel „Der Neurosenkavalier“ ein Hit, dem das siebenköpfige Bühne-Ensemble mit Gags und gekonnter Gestik und Mimik ein rasantes Tempo verlieh.

Die Handlung begann mit dem Diebstahl in einem Supermarkt, in dem der als Weihnachtsmann verkleidete Felix Bollmann (Karl-Heinz Knies) die Kasse stahl. Weil man ihn ertappte, büxte er aus und fand in der nahen Neuropraxis von Prof. Otto Unterschlupf. Dort erwartete man eine Vertretung für den abwesenden Chef. Assistentin Fräulein Engel identifizierte Bollmann als den Vertreter und wies ihn ins Sprachzimmer, wo der clevere Bolli gleich in Aktion trat und – wie sich bald zeigen sollte – tolle Therapieerfolge feierte.

Dabei half ihm die Erkenntnis, dass angeblich jeder Dritte im Lande eine Meise hat. Dafür gab es dann auch gleich drei personifizierte Beispiele: die frustrierte Autorin Claudia Carrera (Henny Knies), die Kleptomanin Sybille Bast (Nicole Ketelsen), den Finanzbeamten Appelhans, der sich für Elvis hielt (Henning Lützen) und den glücklosen Kommissar Maiwald (Albert Hansen). Ihnen allen wusste Bollmann zu helfen. Dabei half ihm, dass er in seine Therapien (veterinär-)medizinische Eloquenz aus seinem Studium einzubringen wusste.

Zu seinen Patienten bekam er schnell Kontakt – gemäß der jeweiligen Macke, die diese hatten. Frau Carrera hatte es mit dem Outfit. Sie erschien als „Niebüller Stadthase“. Kommissar Maiwald war hinter dem diebischen Weihnachtsmann her. In Frau Bast erlebte er sein kleptomanisches Ebenbild. Und in Jürgen Appelhans den „fast echten“ Elvis Presley, der mit Beispielen seiner Songs eine Riesenstimmung in der Stadthalle auslöste.

Im Vorzimmer bahnte sich eine Liebelei zwischen dem echten Vertreter des Professors Dr. de Witt (Dennis Keyser) und Fräulein Engel an, im Sprechzimmer desgleichen eine solche zwischen den beiden Kleptomanen. Und nach und nach kamen sie alle ans Ziel, sogar Kommissar Maiwald zum diebischen Weihnachtmann – auch wenn’s nicht der richtige war.

Und schließlich entwickelte auch Felix Bollmann den Willen, sein Leben zu ändern und das an mehreren Adressen gestohlene Geld zurückzugeben. Einen Teil behielt er jedoch, um den Champagner zu finanzieren, mit dem zum Schluss auf alles angestoßen wurde.

Die Zuschauer applaudierten dem Bühne-Ensemble, das unter der Regie von Peter Krebs und Claudia Samson-Hoeg eine vorzügliche Leistung abgeliefert hatte. Diebische Freude hatte das Publikum vor allem an Karl-Heinz Knies, dem die Rolle des Bolli wie auf den Leib geschrieben schien und der Wahrnehmungen und Gefühle trefflich zu interpretieren und Gags und Pointen punktgenau zu platzieren wusste. Mit der Wahl dieser mittlerweile 40 Jahre alten Boulevard-Komödie von Gunther Beth und Alan Cooper hatte die „Bühne“ ein glückliches Händchen. Angesichts des tollen Erfolgs muss auch die Teamarbeit an und hinter den Kulissen erwähnt werden. Der erste Beifall nach Öffnen des Vorhangs galt wie immer Sigi Fischer und seinem dieses Mal besonders farbenfrohen Bühnenbild. Es war also wieder einmal eine rundum stimmige Leistung, die das Niebüller Amateurtheater auf die Bühne zauberte.


Weitere Termine: 9. , 11., 12., 17. und 18. März (jeweils 20 Uhr) und 13. März (15.30 Uhr).



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