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Nordfriesland Tageblatt

17. Oktober 2017 | 15:45 Uhr

Wenn die Vaterrolle verwehrt wird

vom

Ein neuer Verein in Nordfriesland bietet betroffenen Männern Hilfe an

shz.de von
erstellt am 01.Aug.2013 | 04:59 Uhr

Nordfriesland | "Allen Kindern beide Eltern!" Unter diesem Motto setzt sich der Verein "Väteraufbruch für Kinder" bundesweit dafür ein, dass beide Elternteile für ihre Kinder da sind - auch nach einer Trennung oder Scheidung. Es gibt derzeit rund 150 Kreisvereine in Deutschland, neuerdings auch einen in Nordfriesland, der als Anlaufstelle für Eltern und Großeltern dient, sie mit Informationen versorgt, und Hilfe zur Selbsthilfe bei Umgangs- und Sorgerechts-Problematiken bietet.

Im Bredstedter Bürgerhaus stellte sich der "Väteraufbruch" Nordfriesland vor. Eingeladen waren unter anderem die Leiterin des Fachdienstes Gesundheit beim Kreis Nordfriesland, Dr. Antje Petersen, Bredstedts Ex-Bürgermeister Uwe Hems, Florian Krenz vom Fachdienst Jugend des Kreises, sowie die Leiterin der Husumer Familienbildungsstätte, Heike Bayer.

Karl Eckert von der Kreisgruppe Kiel freute sich nicht nur über die neuen Mitstreiter, sondern auch über die gute Resonanz beim ersten offiziellen Treffen. "Der Bedarf ist da, gerade was Väter angeht." Eckert äußerte allgemein Kritik an Behörden, die mit dem Umgangs- und Sorgerecht befasst sind. "Viele Betroffene fühlen sich dort nicht verstanden." Oftmals seien Mitarbeiter nicht neutral. Karsten Werner, Mitglied der nordfriesischen Kreisgruppe, erlebt den Verein vor allem als eine Gemeinschaft, die ihn als Betroffenen stärkt.

Das etwa 300 000 Kinder unter der Trennung ihrer Eltern leiden und gut die Hälfte davon zu Halbwaisen werden, erzählte Hans Arnold aus Emmelsbüll-Horsbüll. Er ist Sprecher der Kreisgruppe Nordfriesland. Dr. Antje Petersen ergänzte: "Wir sehen bei den Kindern eine deutliche Veränderung in der Entwicklung und haben viel damit zu tun, wenn sie ihr zweites Elternteil vermissen." So würden zu Einschulungsuntersuchungen viele Kinder nur mit einem Elternteil kommen. Natürlich gebe es auch Väter, die sich anhand eines Vaterschaftstests aus der Verantwortung "rausschleichen" wollen, andererseits hätten viele sehr gern Kontakt zu ihrem Kind, der ihnen von den Müttern allerdings verwehrt werde.

Uwe Hems erläuterte, dass er sich gefragt habe, warum es überhaupt einen Verein dieser Art geben müsse. Schließlich seien Kinder das kostbarste Gut von Eltern. Dass die Welt jedoch anders aussehen könne, habe er als Polizist erlebt und auf diesem Gebiet leidvolle Erfahrungen gemacht. "Bei Streitigkeiten zwischen Eltern sollten wir zum Wohle des Kindes Lösungen finden und waren damit teilweise überfordert."

Aus den Erzählungen von zwei Betroffenen wurde das Ausmaß deutlich, mit welchen Mitteln um Kinder gekämpft wird. Die Männer fühlen sich vom Alltag ihrer Kinder "einfach abgeschnitten". Ein Vater weiß beispielsweise nichts mehr über den Schulalltag seines Kindes und erhält auch keinerlei Informationen: weder von der Schule, noch von der Mutter des Kindes.

Knut Jessen, ehemaliger Leiter einer Gemeinschaftsschule, berichtete von gegenteiligen Erfahrungen. Er habe Väter kennengelernt, die "zwar zahlen, aber ihren Kindern gegenüber emotionslos sind". Dass es auch anders sein könne, habe er erstmals durch das Beispiel von Karsten Werner erfahren.

Weitere Informationen gibt es im Internet (nordfriesland.vaeteraufbruch.de). Der Kreisverein Nordfriesland trifft sich jeden zweiten Mittwoch im Monat, von 19 Uhr an, im Bürgerhaus in Bredstedt.

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