Segelfliegen in Aventoft : Wenn die Copilotin 96 Jahre alt ist

Während zwei LSV-Mitglieder das Segelflugzeug startklar machen, wartet Hermann Keunecke (82) schon ungeduldig auf den Start mit Pilot Hans-Ulrich Henningsen.
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Während zwei LSV-Mitglieder das Segelflugzeug startklar machen, wartet Hermann Keunecke (82) schon ungeduldig auf den Start mit Pilot Hans-Ulrich Henningsen.

Alt und kein bisschen ängstlich: 20 Senioren nutzen die Gelegenheit und hoben in Aventoft mit einem Segelflugzeug ab.

shz.de von
19. Juni 2014, 05:15 Uhr

Etwas ganz besonderes hatten sich die Segelflieger des Luftsportvereins Südtondern (LSV) ausgedacht. Sie boten den Bewohnern mit deren Betreuern der beiden Alten- und Pflegeheimen „Nis Puk“ aus Klanxbüll und „Residenz an der Düne“ aus Süderlügum ein Charityfliegen auf dem Aventofter Flugplatz an.

Jörg Henningsen, Inhaber und Geschäftsführer der beiden Senioren-Heime, war sofort angetan von dem Plan und organisierte nicht nur den Transport der Bewohner mit dem firmeneigenen Bus, sondern auch noch eine Spezial-Rollstuhl-Taxi aus Bredstedt, um auch den Rollstuhlfahrern diesen abwechslungsreichen Tag zu bieten. Die Kosten hierfür übernahm der Förderverein Nis Puk, der auch mit fünf Helfern vor Ort war. Im Bus-Pendelverkehr ging es dann von Klanxbüll und Süderlügum nach Aventoft. Über 40 Bewohner der beiden Heime ließen sich diese Gelegenheit nicht entgehen. „Wir hatten gedacht, dass vielleicht drei von ihnen mitfliegen würden“, so Jörg Henningsen und LSV-Vorsitzender Hans-Ulrich Henningsen unisono. Aber beide wurden sehr zu ihrer Freude angenehm überrascht, denn über 20 Senioren nutzten die Möglichkeit mit dem Segelflugzeug in die Luft zu gehen. Obwohl alle natürlich schon in einem fortgeschrittenen Alter, war es für die meisten der erste Flug ihres Lebens. Sogar vier Rollstuhlfahrer und einige, die auf einen Rollator abgewiesen sind, wagten sich ins Flugzeug. Dabei wurden sie mit vereinten Kräften von den Heim-Betreuern, Angehörigen und den helfenden LSV-Mitgliedern auf den Sozius des zweisitzigen Segelflugzeuges gesetzt.

Dazu gehörte auch die gebürtige Dänin Inger Engelsen, mit immerhin 96 Jahren als ältester Fluggast bei dem Event. Obwohl sonst an den Rollstuhl gebunden fühlte sie sich dort sichtlich wohl und behielt, stets sehr auf ihr Äußeres achtend, auch während des gesamten Fluges ihren schmucken weißen Sommer-Hut auf. Noch recht fit konnte der 82-jährige Hermann Keunecke selbst ins Segelflugzeug steigen, während Annelene Gömer (84) von ihrer Tochter Helga Gollub im Rollstuhl zum Flugzeug geschoben wurde. Wenn es die Zeit erlaubte, genossen auch die Heim-Betreuer einen Rundflug mit dem Motorsegler über die Region. So konnten sie mal ihre beiden Arbeitsplätze in Klanxbüll und Süderlügum aus der Luft betrachten.

Damit die Senioren, wenn sie möchten, auch den ganzen Tag auf dem Segelfluggelände verbringen konnten, hatten alle Beteiligten auch für deren leibliches Wohl gesorgt. So hatten die beiden Heim-Küchen je eine Gulasch- und Spargelsuppe zu Mittag gekocht und nach Aventoft gebracht sowie auch für die Getränke gesorgt. Der LSV spendierte dazu noch Kaffee und Kuchen, der von allen auf der Außenterrasse oder im Fliegerheim genossen wurde. Alle waren von diesem erlebnisreichen Tag hellauf begeistert. „Das ist alles super gelaufen“, resümierten dann auch Jörg und Hans-Ulrich Henningsen überaus zufrieden und haben schon eine Wiederholung für das nächste Jahr geplant. Als besonderen Dank spendete Jörg Henningsen von seiner Firma Nis Puk GmbH obendrauf noch einen Betrag von 500 Euro für den Aventofter Luftsportverein.














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