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Nordfriesland Tageblatt

22. November 2017 | 05:00 Uhr

Weitgereist und weltoffen

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Von Nordfriesland bis zu den Ureinwohnern Australiens: Auf Einladung der Landfrauen berichtete Bäcker Daniel Lorenzen von seiner Wanderschaft

von
erstellt am 04.Apr.2014 | 11:31 Uhr

Auf die Walz zu gehen bietet jungen Tischlern, Zimmerleuten oder Maurern eine Möglichkeit, etwas von der Welt zu sehen und Erfahrungen für den Beruf zu sammeln. Aber was heißt das für einen Bäcker? Nun, Daniel Lorenzen aus Joldelund machte das auf der Veranstaltung des Landfrauenvereins Leck und Umgebung in Kühls Gasthof deutlich.

Vor ausverkauftem Haus, wortgewandt, ausdauernd und kurzweilig in Wort, Bild und mit Gesang, zeigte er auf, wie es ihm dabei ergangen war. Weil der Brauch es so verlangt, war er im November 2008 über das Ortsschild in Joldelund gestiegen, und durfte sich danach für drei Jahre und einen Tag seinem Heimatort nur bis auf 50 Kilometer Entfernung nähern. Handy und Internet waren ab sofort ebenso Tabu, wie die Geldausgabe für Fortbewegung und Unterkunft. Seine Walz führte den Nordfriesen im ersten Jahr quer durch Deutschland. Erstaunlich war für ihn, das ihm vergleichsweise viele weibliche Mitglieder der Bruderschaft begegneten. Eine von ihnen – die Schreinerin Steffi – hat ihn sogar für drei Monate in ihre Obhut genommen, und in die lebenswichtigen Geheimnisse der Zunft eingewiesen.

Grenzwertig war die Tristesse in der Weihnachtszeit, wenn er allein durch die Lande zog, und das Heimweh schier unerträglich wurde. Doch irgendwie überstand er auch solche Tiefpunkte. Und als er dann Bine kennen lernte, und sie die „Liebe seines Lebens“ wurde, fühlte er sich wieder als Glückspilz.

Dänemark, Schweden, die Schweiz, Holland, Belgien, Rumänien, Tschechien, Polen, Frankreich, Australien, Neuseeland und die Vereinigten Arabischen Emirate waren dann Stationen seiner Wanderschaft. Dabei musste er sich seinen Lebensunterhalt oftmals auch mit berufsfremden Aufgaben wie Maurer-oder Tischlerarbeiten verdienen. Das Ticket nach Australien bezahlte ihm und einem Zunftbruder ein Bäckermeister aus Zürich, nachdem sie den Gegenwert abgearbeitet hatten.

Manchmal gab es auch Erlebnisse, die er nie für möglich gehalten hatte. So drohte ihm eine Hausfrau mit dem Hund, als er an ihrer Tür an einem heißen Tag um ein Glas Wasser bat. Als ihm gar ein Schweizer Geistlicher bei Minus 20 Grad die Gastfreundschaft verweigerte, wäre er fast vom Glauben abgefallen. Doch die positiven Erlebnisse waren bei weitem in der Überzahl. „Ich werde nie vergessen, wie in einer bitterkalten Nacht ein älteres Ehepaar mich in die Wohnung holte und extra für mich Frikadellen gebraten hat“, erzählte Daniel Lorenzen.

Als besonders schön empfand er eine Begegnung in Neuseeland mit einem Ureinwohner. Der Maori hatte ihn und seinen Mitwanderer in sein Dorf mitgenommen, obwohl so eine Einladung für andere Besucher ein absolutes Tabu darstellte. Hier hatten sie Sitten, Gebräuche und Lebensart der Maori hautnah kennen lernen dürfen. „Auf die Walz zu gehen, zu arbeiten, und dabei Menschen und Kulturen hautnah zu erleben, war für mich eine tolle Art, die Welt in vielen Facetten kennen zu lernen“, berichtete der weitgereiste Bäckergeselle. Er stellte aber auch klar, das so eine Walz nicht für jeden passend sei. „Toleranz und Offenheit für alles Neue gehören ebenso dazu, wie Abenteuerlust und Ausdauer.“

Bei seiner Rückkehr im April 2012 nach Joldelund wählte Daniel Lorenzen den traditionellen Weg für Wandergesellen. Er stieg umjubelt über das Ortsschild , bis nach Hause wurde er auf einer Sänfte getragen. Inzwischen hat er seinen Meister gemacht und arbeitet wieder im elterlichen Betrieb in Joldelund. Von seinen Reisen hat er viele Rezepte mitgebracht, die er nun nach und nach ausprobieren will.



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