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"Westküste denkt Queer" : Weitere Aktionen gegen Vorurteile

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Die Organisatoren von „Westküste denkt Queer“ setzen nach einer Vernissage die Veranstaltungsreihe für mehr sexuelle Toleranz fort.

Der Auftakt ist gemacht, weitere Aktionen folgen: Die Fotoausstellung „Jenseits der Schärfe“ von Justine Wodtke im Amt Südtondern ist nun eröffnet. Sie ist Teil der Initiative „Westküste denkt Queer“, zu der auch eine Lesung sowie eine Kinoaufführung gehören. Allen Veranstaltungen gemein ist, dass mit ihnen die Aufmerksamkeit auf das Thema sexuelle Vielfalt gelenkt werden soll.

„Die Vielfalt der sexuellen Orientierung hat stark zugenommen, laut Statistiken sind etwa zehn Prozent der Menschen dem gleichen Geschlecht gewogen“, erklärte Amtsdirektor Otto Wilke, der zusammen mit der Gleichstellungsbeauftragten des Amtes Südtondern, Sylke von Kamlah-Emmermann, sowie Sozialpädagogin Katrin Samulowitz die Gäste der Vernissage begrüßte. Doch noch immer gebe es Vorurteile, Diskriminierungen und Unverständnis, wenngleich der Paragraf 175 (Verbot von Homosexualität) nach knapp 125 Jahren 1994 endgültig gestrichen worden sei. „Nehmen Sie die Menschen wie sie sind“, ergänzte Wilke und zitierte damit Konrad Adenauer, denn „Andere haben wir nicht!“.

Die Fotografin Justine Wodtle trug einen bewegenden Text ihrer Schwester zu ihrer eigenen Geschichte vor und bekannte selbst, das Geschlecht gewechselt zu haben. Ein Akt der Befreiung: „Endlich ich sein.“ Die Ausstellung „Jenseits der Schärfe“ appelliert an den Betrachter, passend, zum Thema der Veranstaltungsreihe, Dinge bewusst anders zu sehen. „Mein Ziel ist es, Gefühlen Raum zu geben und die gegenständliche Welt für einen Augenblick zu verlassen, vielleicht sogar zu träumen. Denn genau das ist die Intention hinter diesen Bildern: Abbildungs-, Betrachtungs- und Wahrnehmungsgewohnheiten infrage zu stellen“, so Justine Wodtke, die die zahlreichen Besucher der Vernissage durch die Räume und Flure führte und spannende Erläuterungen gab. Aus dem Sonnenuntergang in Dagebüll wird ein surreales Farbspektakel, Menschen im Garten des dänischen Museums Lousiana wirken wie impressionistisches Gemälde, ein verwunschenes Dünenfoto lädt zum Meditieren. Wodtke: „Die vermeintlich objektive Betrachtungsweise wird zugunsten einer bewusst subjektiven und somit emotionaleren Wahrnehmung ersetzt.“ Genau das ist spannend: So drehte die Fotografin eine Foto vom Herbst am Teltowkanal um 90 Grad: „Was sehen Sie jetzt?“ Schnell war man sich einig: eine fröhliche feiernde Festgesellschaft. Anders sehen, den Blickwinkel verändern, das kann jeder – und es ist ungemein bereichernd. „Jenseits der Schärfe“ läuft im Amt Südtondern noch bis zum 31. März.

In der kommenden Woche starten weitere Aktionen zur Veranstaltungsreihe „Die Westküste denkt Queer“ (siehe Infokasten). Bereits am Montag, 15. Februar, findet um 20 Uhr ein Kinoabend in Leck im Deli Kino statt. Vorgeführt wird der Film „Pride“ – eine Filmkomödie aus dem Jahr 2014 des Regisseur Matthew und beruht auf wahren Begebenheiten. Der Film gibt Einblicke in unterschiedliche Vorurteile, die immer wieder denen begegnen, die sich nicht nach tradierten Vorstellungen der Gesellschaft verhalten.

Am Dienstag, 16. Februar, kommt dann Karin Fessel in die Bücherei in Leck, Hauptstraße 21 (Beginn: 19 Uhr). Die Autorin liest aus „Bronko, meine Frau Mutter und ich“ und anderen Werken. Ein witziges Buch, das auch wieder helfen soll, Vorurteile abzubauen. Die Veranstalter versprechen eine „spannende, fröhliche Lesung mit Karin Fessel“.

Wer steckt hinter der Aktion?

„Westküste denkt Queer“ wurde durch Vertreterinnen zweier Beratungsstellen, einer Ärztin und der Gleichstellungsbeauftragten Stadt Heide 2014 zunächst in Dithmarschen gegründet. Inzwischen setzt sich die Initiative aus Vertretern von Beratungsstellen (pro familia, Frauen helfen Frauen, Aidshilfe Sylt, Brücke SH, Beratungsstelle der Diakonie), Gleichstellungsbeauftragten, Lokalpolitikern und Privatpersonen aus Dithmarschen und Nordfriesland zusammen. Allen Beteiligten ist es wichtig, die geschlechtliche und sexuelle Vielfalt der Menschen auch an der Westküste sichtbar zu machen sowie Möglichkeiten zur Auseinandersetzung und zur Anerkennung dieser Vielfalt zu schaffen. Getragen werden die  Aktionen zu einem erheblichen Anteil von Ehrenamtlichen.

 

 

 

 

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erstellt am 13.Feb.2016 | 06:15 Uhr

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