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Feuerwehr in Südtondern : Wehren helfen sich personell aus

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Im Ernstfall greift die Nachbarwehr mit ein: Auch Südtonderns 36 Feuerwehren müssen kreativ werden, um attraktiv und einsatzbereit zu bleiben

Die Freiwilligen Feuerwehren machen sich zunehmend Sorgen: Auf dem Lande gibt es in etlichen Dörfern tagsüber Probleme, weil die Männer ihren Arbeitsplatz woanders haben. Und überhaupt scheint das Interesse, in einer der bundesweit größten „helfenden Bürgerinitiativen“ mitzumachen, nachzulassen. Außerdem droht auch noch das Gespenst des demographischen Wandels mit seinen gravierenden Auswirkungen auf den Personalbestand der im Lande zurzeit 1377 Feuerwehren. Morgen steigt im Kieler Landeshaus der 2. Feuerwehr-Marketing-Kongress mit der Suche nach Ideen, wie man die Mitgliedschaft in einer Freiwilligen Feuerwehr attraktiv machen kann.

Auch in Südtondern machen sich die Verantwortlichen Gedanken: Amtswehrführer Hans-Jürgen Breckling, seine Stellvertreter und eine Reihe von Wehrführern schilderten die Situation aus ihrer Sicht. Auf die Frage, welche Motivation ausschlaggebend sei, einer Feuerwehr beizutreten, kam übereinstimmend die Antwort, es sei das Helfen. Das ergab sich auch bei einer Umfrage in der Freiwilligen Feuerwehr (FF) Niebüll-Deezbüll, wo 85 Prozent der befragten Einsatzkräfte das Kästchen „helfen“ ankreuzten. Als attraktiv wurde zu 70 Prozent auch die „Faszination der Technik“ genannt. Nur 15 Prozent der Blauröcke hatten der „Geselligkeit“ ihre Stimme gegeben.

Den Nachwuchs schöpfen die Wehren auch aus der Jugendfeuerwehr. Allerdings gelten hier auch Einschränkungen, wie Lecks Wehrführer Joachim Pilz bemerkt. „Zuerst wechseln sie in die ‚große Wehr‘, sind aber nicht mehr dabei, wenn die Berufsausbildung ansteht.“ Gut kommt die FF Niebüll-Deezbüll davon, in der 65 Prozent der Einsatzkräfte einmal der Jugendwehr angehört hatten. In der Wiedingharde versorgen sich die sechs Feuerwehren personell aus einer gemeinsamen Jugendfeuerwehr. Doch auch hier macht Hans-Jürgen Breckling Einschnitte und geltend, dass die jugendliche Begeisterung Einschränkungen unterliegt.

Allgemein gilt, dass die nächtliche Verfügbarkeit der Einsatzkräfte noch funktioniert. „Sie sind dann alle zu Hause und schnell aus dem Bett, wenn der Pieper sie ruft.“ Doch tagsüber sei es zuweilen kritisch. Das gelte für alle abseits ihres Wohnortes berufstätigen Feuerwehrleute, sind sich die drei Stellvertreter mit ihrem Amtswehrführer aus der Karrharde einig: Uwe Ingwersen (Aventoft) für die Wiedingharde, Herbert Krüger (Uphusum) für das ehemalige Amt Süderlügum und Klaus-Peter Nissen (Risum-Lindholm) für die Bökingharde.

Auch mit den „amtlich vorgegebenen“ Sollstärken ist es recht unterschiedlich. In Niebüll liegt sie bei 64 Einsatzkräften und sei mit 84 Leuten (darunter sieben Frauen) deutlich überschritten, sagt Gemeindewehrführer Uwe Mussack. Das bestätigt auch sein Nachbar Joachim Pilz von der FF Leck. In Dagebüll wird das nur der Fall sein, wenn der Zusammenschluss der drei Ortswehren erfolgt ist. Die Situation in den 36 Feuerwehren Südtonderns mit derzeit 1400 Einsatzkräften sei recht unterschiedlich, doch insgesamt „noch“ alles in allem gut. Wo es in einer Gemeinde personell eng ist, hilft die Nachbarwehr, zeigt sich etwa am Beispiel der FF Uphusum, der – ob kleiner oder größerer Einsatz – die Braderuper Kameraden zur Seite stehen. So sei es andernorts auch, bemerkt Amtswehrführer Breckling.

Das klassische Beispiel der idealen Feuerwehr im ländlichen Bereich liefert Risum-Lindholm. Im Handwerkerdorf arbeiten die meisten ehrenamtlichen Feuerwehrleute zu Hause. Nachwuchssorgen gibt es dort auch nicht. Daher hat sich dort auch keine Jugendwehr gebildet. Seit Jahr und Tag haben die Ortswehren Risum und Lindholm stets 100 Einsatzkräfte zur Verfügung. Die Freiwilligen Feuerwehren profitieren auch davon, dass die Arbeitgeber ihre in der Feuerwehr aktiven Mitarbeiter für Einsätze freistellen.

Das Fazit beruhigt für den Moment: In Südtondern herrschen insgesamt stabile Verhältnisse. Wenn der Amtswehrführer das mit einem „Noch“ einschränkt, dann meint er, dass die Personalsituation ständiger Beobachtung bedarf. Ein Marketing, wie es der Landesfeuerwehrverband Schleswig-Holstein vorhat, scheint in Südtondern – jedenfalls vorerst – nicht erforderlich.



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erstellt am 24.Okt.2014 | 05:00 Uhr

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